Thomas Cook Flugzeug

Nach der Pleite Wer kriegt die Thomas-Cook-Kunden?

Stand: 14.10.2019, 14:28 Uhr

Auf dem Reisemarkt werden die Karten neu gemischt. Während die deutsche Thomas Cook darum kämpft, im neuen Jahr wieder Reisen anbieten zu können, versuchen die anderen Veranstalter die entstandene Marktlücke zu schließen.

Die deutsche Thomas Cook aus Oberursel kämpft weiter ums Überleben, während Tui, DER Touristik, Alltours und weitere Reiseveranstalter versuchen Profit aus der Situation zu schlagen. "Ich halte es für sehr unwahrscheinlich, dass die deutsche Thomas Cook zu alter Stärke zurückkehrt", sagt der Tourismusexperte Torsten Kirstges.

Thomas Cook will wieder Reisen anbieten

Die deutsche Thomas Cook, die in den Strudel der Pleite des britischen Mutterkonzerns geraten ist, arbeitet daran, ab dem 1. Dezember wieder operativ tätig zu sein und Reisen ab Jahresbeginn 2020 anbieten zu können. Doch die Konkurrenz schläft bekanntlich nicht. Andere Veranstalter versuchen derweil die Lücke, die der einst zweitgrößte Reisekonzern im deutschsprachigen Raum derzeit hinterlässt, zu schließen. "Die durch die Insolvenz geschädigten Reisebüros werden von den anderen Veranstaltern umworben. Verunsicherte Kunden werden sich umorientieren", erwartet Kirstges.

Neckermann soll helfen

Die deutsche Thomas Cook versucht staatliche Unterstützung zu erhalten. Beim Bund und dem Land Hessen hat der Reiseveranstalter einen Überbrückungskredit in Höhe von 375 Millionen Euro beantragt.

Thomas Cook-Schilder an grauer Fassade

Thomas Cook. | Bildquelle: imago images / Steinach

Um diesen genehmigt zu bekommen, muss die deutsche Thomas Cook vorweisen, dass es ein Überlebensszenario gibt - unabhängig von der britischen Konzernmutter. Dazu hat das Unternehmen Ende September sein Tochterunternehmen Neckermann ins Spiel gebracht. Das Management hofft unter der Traditionsmarke einen Neustart vollziehen zu können. Neckermann sei die volumenreichste Reisemarke von Thomas Cook in Deutschland. "Es muss uns allerdings gelingen, verloren gegangenes Vertrauen wiederzugewinnen, sagte Stefanie Berk, Geschäftsführerin der deutschen Thomas Cook.

Tui versucht seinen Vorsprung auszubauen

Der Branchenführer Tui hofft darauf, im kommenden Jahr 500.000 neue Kunden zu haben. Um dieses Ziel zu erreichen, wolle das Unternehmen mehr Angebote in beliebten Urlaubsregionen schaffen. In Ländern wie der Türkei und Griechenland, auf den Balearen sowie den Kanaren würden neue Verträge mit Hotels geschlossen. Zudem will der weltgrößte Touristikkonzern mehr Flüge aus Deutschland anbieten. "Pauschalreisen sind nach wie vor die sicherste und bequemste Art zu reisen", umwirbt Tui-Geschäftsführer Marek Andryszak die Urlauber.

Alltours sichert sich große Teile

 Blick über die Strandbucht  in Sestri Levante nahe Genua, Ligurien, Italien

Urlauber Italien.

Auch der Düsseldorfer Reiseveranstalter Alltours hat sich nach eigenen Angaben bereits einen großen Teil der Hotel- und Bettenkontingente der deutschen Cook-Töchter Neckermann Reisen, Öger Tours, Bucher Reisen und Air Marin gesichert. "Auf diese Weise muss kein Kunde in seinem Urlaub auf sein gewohntes Hotel verzichten", wirbt Karsten Fricke, Direktor Hoteleinkauf bei Alltours.

Auch Schauinsland Reisen hat nach eigener Aussage zusätzliche Verträge mit Hotels geschlossen und die Stornogebühren für Thomas-Cook-Urlauber reduziert. DER Touristik lockt sogar mit kostenlosem Storno von Buchungen, wenn die Thomas-Cook-Reise durchgeführt wird.

Branche ringt um Vertrauen

Angesichts der Turbulenzen wirbt die Branche um Vertrauen von Kunden und Geschäftspartnern. "Wir sind eine starke Gruppe, und wir geben für unsere Veranstalterreisen unser Wort", betont DER-Touristik-Chef Sören Hartmann. "Urlauber, Hotel-, Airline- und Reisebüropartner können gewiss sein: Sie können sich auf uns verlassen."

Wiederanfang für Thomas Cook wird schwer

Ein Wiederanfang dürfte für das Unternehmen mit seinen etwa 2.000 Mitarbeitern daher nicht leicht werden. "Selbst wenn es gelingt, Anfang Dezember den Geschäftsbetrieb wieder aufzunehmen, dürfte dies auf sehr kleiner Flamme erfolgen", sagt Torsten Kirstges, Professor an der Jade-Hochschule in Wilhelmshaven, voraus.

Hotel-Schriftzug im nächtlichen Paris

Hotel in Paris. | Bildquelle: colourbox.de

Eine weitere Zusammenarbeit der Partner mit Thomas Cook in den Urlaubsgebieten dürfte nach Einschätzung Kirstges' nicht allzu groß sein. "Die meisten geschädigten Hotels werden künftig abwinken. Wenn sie Buchungen der deutschen Thomas Cook annehmen, dürften sie dafür Vorauszahlung verlangen und nur kleine Kontingente zur Verfügung stellen."

ms/dpa-AFX