Casino in Monte Carlo.

Treffen der Rückversicherer in Monte Carlo Wenn die Hedgefonds mit am Tisch sitzen

Stand: 07.09.2018, 09:40 Uhr

Nein, es geht nicht um Roulette. Aber um extreme Risiken. In Monte Carlo treffen sich an diesem Wochenende die großen Rückversicherer wie Münchener Rück und Hannover Rück, um mit ihren Großkunden wie der Allianz um die neuen Konditionen zu feilschen. Gar nicht so leicht diesmal. Hedgefonds sitzen mit am Tisch.

Wo sich sonst die vermeintliche Crème de la Crème beim Champagner zum Glücksspiel einfindet, im Fürstentum Monaco, findet alljährlich im September das Rendezvous der Rückversicherer ("Rendez-Vous de Septembre") statt. Seit nunmehr mehr als 60 Jahren gibt es dieses Branchentreffen. Man trifft sich in den Luxushotels von Monte Carlo und handelt die Vertragskonditionen für das nächste Jahr aus.

Für die klassischen Rückversicherer - Münchener Rück, Hannover Rück oder Swiss Re - sind die Voraussetzungen in diesem Jahr eigentlich bestens. Denn 2017 war für sie so teuer wie nie. Durch die Hurrikane in Amerika und durch andere Naturkatastrophen wurden sie von den Versicherern ordentlich zur Kasse gebeten. Das mag für den Moment belastend sein, ist aber normalerweise wenigstens gut fürs Neugeschäft, weil sie bei den Versicherern besser abkassieren können und künftig leichter Prämienerhöhungen durchsetzen können. Wie gesagt: normalerweise.

Rückversicherer

Hurrikans, Erdbeben, Dürre oder Hochwasser: Wetterextreme sind für Versicherer ein hohes Risiko. Deshalb versichern sie sich selbst. Bei den so genannten Rückversicherern. Oder zunehmend auch bei Hedgefonds.

Denn Hedgefonds und andere finanzkräftige Kapitalgeber graben den Rückversicherern immer mehr Geschäft ab. In dem Niedrigzinsumfeld geben sich diese sogenannten alternativen Kapitalgeber mit schmaleren Renditen zufrieden als die auf ihr Risiko bedachten Rückversicherer. Die Branche leidet seit Jahren zunehmend unter der stärker werdenden Konkurrenz.

Risikoappetit steigt

Also nichts mit Champagnerlaune: Die Hoffnung der Rückversicherer, dass sich die alternativen Kapitalgeber nach dem besonders teuren Jahr 2017 zurückziehen, erfüllten sich nicht. Im Gegenteil: Ihr Anteil am Rückerversicherungsmarkt sei sogar gestiegen, sagt Johannes Bender von der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P).

"Der Preisanstieg ist deutlich moderater als nach vergangenen Großschäden." Für 2018 rechnen die S&P-Analysten mit Preiserhöhungen von maximal fünf Prozent. Im kommenden Jahr werde sich der Preisanstieg abschwächen. Sein Kollege Robert DeRose von A.M. Best geht davon aus, dass die Preisgestaltung im Katastrophengeschäft auf Gedeih und Verderb von der Entwicklung des alternativen Kapitals abhängt.

Risikoappetit steigt

Großanleger wie Pensions- und Hedgefonds pumpten weiteres Geld in Katastrophenanleihen und andere Finanzvehikel, mit deren Hilfe sie vor allem im Geschäft mit Katastrophenrisiken mitmischen. Inzwischen summiert sich das alternative Kapital im Rückversicherungsmarkt auf fast 100 Milliarden Dollar - obwohl viele Anleger infolge der Hurrikan-Schäden ihr investiertes Geld verloren hatten. In den Vorjahren hatten sie dafür allerdings fette Zinsen von im Schnitt bis zu acht Prozent eingestrichen. Die jüngsten Katastrophenschäden konnten sie offenbar nicht verschrecken.

»Das Jahr 2017 hat gezeigt, dass das alternative Kapital bleibt. Wir glauben, dass der Risikoappetit dort ungebrochen ist.«

S&P-Analyst Johannes Bender

Das Geld fließt

Laut der Münchener Rück beliefen sich versicherten Naturkatastrophenschäden im ersten Halbjahr auf 17 Milliarden US-Dollar. Und Wintersturm "Friederike", der im Januar in Deutschland und anderen Ländern Europas wütete, brachte mit 1,7 Milliarden Euro den höchsten Schaden. Am Dienstag wurde Japan von dem schwersten Taifun seit 25 Jahren getroffen. Wassermassen überschwemmten den Flughafen Kansai in der westlichen Provinz Osaka. Derweil kann die gefährliche Hurrikan-Saison in der Karibik noch bis November dauern - für eine Entwarnung ist es noch viel zu früh.

Nach Benders Ansicht können sich die großen Rückversicherer dem allgemeinen Preisdruck noch am besten entziehen. Im Gegensatz zu kleineren Konkurrenten und branchenfremden Investoren könnten sie maßgeschneiderte Deals für große Erstversicherer anbieten. So hätten sich die 20 weltgrößten Rückversicherer schon 2017 etwas aus der umkämpften Absicherung gegen Naturkatastrophen zurückgezogen und mehr auf normales Schaden- und Unfall-Geschäft gesetzt.

Sorgen machen müssen sich die Rückversicherer aber nicht, denn an Geld mangelt es ihnen keineswegs. S&P die Branche dank ihrem immensen Überschusskapital weiterhin "gut geschützt vor zukünftigen Großschäden". Für einen Champagner in Monte Carlo reicht das allemal.

bs