Sprudelndes Wasser läuft in überlaufendes Glas

Milliardenmarkt Mineralwasser Wasser ist das neue Cola

von Angela Göpfert

Stand: 22.03.2018, 06:45 Uhr

Zuckerhaltige Softdrinks sind out. Dagegen boomt das Geschäft mit Mineralwasser. Die Branchenriesen Nestlé, Coca-Cola, Danone und PepsiCo sehen hier noch großes Potenzial – auch in Deutschland.

"Bubly" – so lautet der sprechende Name, den PepsiCo seiner neuen Produktlinie gegeben hat. In den USA kam das kalorienfreie Mineralwasser mit diversen Geschmacksrichtungen bereits Ende Februar in die Läden.

Um die hippe junge Kundschaft zu ködern, kommen die Bubly-Dosen in hellen, kräftigen Farben daher – mit einem Lächeln, das je nach Geschmacksrichtung variiert: So hat eine Dose einen Schnauzbart, eine andere streckt die Zunge raus.

Pepsi Bubly

Das mögen die Hipster und Millennials - hofft Pepsi. | Bildquelle: Unternehmen, Montage: boerse.ARD.de

Mineralwasser-Krieg in den USA

Wer das als Kindereien eines Großkonzerns abtut, macht jedoch einen Fehler. Wasser ist ein Milliardengeschäft. Und das hat nicht nur PepsiCo längst erkannt. Auch Coca-Cola, Danone und Nestlé bringen sich in Stellung, um ein möglichst großes Stück vom Milliardenmarkt Mineralwasser zu erobern.

Branchenkenner sprechen bereits von einem Mineralwasser-Krieg. Zentrales Schlachtfeld: die USA. Laut dem Branchendienst "Beverage Digest" ist in den USA der Konsum gezuckerter Softdrinks 2016 auf ein 31-Jahres-Tief gefallen. Im gleichen Zuge schnellte die Nachfrage nach Mineralwasser in die Höhe.

LaCroix machte es vor

Das hat den Markt bereitet für einen Konzern wie National Beverage Corp, der in den USA mit seiner hippen Marke "LaCroix" quasi aus dem Nichts gigantische Marktanteile ergattern konnte. Allein 2016 stiegen die LaCroix-Umsätze um 63 Prozent.

Das wiederum weckte Begehrlichkeiten seitens der etablierten Konkurrenz: Im Februar 2018 lancierte Nestlé ein neues Mineralwasser-Portfolio in den USA – der größte Produktlaunch in der Geschichte des Unternehmens. Nestlé Waters North America rechnet damit, seinen Marktanteil in den USA bis 2020 zu verdoppeln. Basis ist das Niveau von 2016.

Nestlé Pure Life

Nestlé Pure Life - nur eine von vielen Nestlé-Wassermarken weltweit. | Bildquelle: picture alliance / empics

Nestlés Geschäfte mit dem Wasser

Kein Wunder also, dass Wasser für den deutschen Nestlé-Chef Ulf Schneider zu den "Top-Wachstumsbereichen" des Konzerns zählt. Eines Konzerns, der wegen seiner Wasserpolitik weltweit immer wieder in der Kritik steht.

Umstrittenes Geschäftsgebaren

The Bottled Life

Der Dokumentarfilm "The Bottled Life" zeigte bereits 2012, wie Nestlé rechtliche Grauzonen beim Anzapfen von Grundwasser ausnutzt und so Geschäfte auf Kosten der Armen macht. Seither ist Nestlé weltweit immer wieder wegen seiner Wasser-Geschäfte in die Kritik geraten.

Stilles Wasser auf dem Vormarsch

Branchenkenner rechnen nun damit, dass sich der deutsche Markt zu einem "Nebenkriegsschauplatz" des Mineralwasser-Krieges der Großkonzerne entwickeln könnte. Denn die Deutschen haben 2017 das dritte Jahr in Folge die Rekordmenge von 14,7 Milliarden Liter Mineralwasser getrunken.

Vor allem Mineralwasser ohne Kohlensäure (plus 7,5 Prozent) und Wasser mit Aroma (plus 2,2 Prozent) verzeichneten im vergangenen Jahr deutliche Zuwächse.

Gesamtumsatz Mineralbrunnenbranche 1970 bis 2017

Ein Rekordabsatz nach dem anderen . | Bildquelle: Verband Deutscher Mineralbrunnen e. V.

Kein leichtes Spiel für Nestlé & Co.?

Kein Wunder also, dass der französische Nahrungsmittelkonzern Danone mit Blick auf den deutschen Markt vor allem bei stillem Mineralwasser Potenzial sieht. Doch hierzulande dürften die Getränke-Riesen und Nahrungsmittel-Giganten nicht ganz so leichtes Spiel haben wie in den USA.

Schuld daran ist eine Besonderheit des deutschen Marktes: Der deutsche Markt ist extrem zersplittert, viele regionale Anbietern wetteifern hier um die Gunst der Verbraucher, die großen globalen Marken eher skeptisch gegenüber stehen.

Produktionsstätte der Thüringer Waldquell Mineralbrunnen GmbH

Still und regional - so lieben die Deutschen ihr Wasser . | Bildquelle: dpa

Laut dem Branchenverband VDM stammen aus den knapp 200 deutschen Mineralbrunnen über 500 meist regionale Mineralwässer und Heilwässer. Lediglich 1,2 Milliarden Liter wurden 2017 importiert. Das ist ein Marktanteil von gerade einmal 8,1 Prozent – und ein großes Wachstumspotenzial für die Branchenriesen.

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