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Brauchen wir die "Deutsche Commerzbank"? Pro und Contra zu einer Fusion

Gebühren, Kosten - alle wollen Geld

Pro: Kostensenkungen
Analysten beziffern derzeit die möglichen Einsparungen eines Zusammenschlusses auf etwa 2,1 Milliarden Euro jährlich. Laut Berechnungen des Analysehauses RBC stehen dem allerdings Kosten von rund 700 Millionen Euro pro Jahr gegenüber. Die reinen Synergien lägen damit bei 1,4 Milliarden Euro – potenziell.

Brauchen wir die "Deutsche Commerzbank"? Pro und Contra zu einer Fusion

Gebühren, Kosten - alle wollen Geld

Pro: Kostensenkungen
Analysten beziffern derzeit die möglichen Einsparungen eines Zusammenschlusses auf etwa 2,1 Milliarden Euro jährlich. Laut Berechnungen des Analysehauses RBC stehen dem allerdings Kosten von rund 700 Millionen Euro pro Jahr gegenüber. Die reinen Synergien lägen damit bei 1,4 Milliarden Euro – potenziell.

Silhouetten von zwei Läufern

Pro: Neustart
Gerade im wichtigen Feld der Digitalisierung könnte eine gemeinsame Bank sich neu erfinden. Beide Institute werkeln derzeit mit viel Aufwand an einer Modernisierung ihrer IT-Systeme. Zusammen könnten die Anforderungen an eine einheitliche Technik eher zu einem großen Wurf werden als getrennt.

Bankberater und Kundin

Pro: Mehr Kundschaft
Gemeinsam hätte die Bank in Deutschland rund 30 Millionen Privatkunden. Eine Größe, mit der man den Sparkassen und Volksbanken am ehesten auch in der Fläche eine dritte Kraft entgegensetzen könnte. Auch im Firmenkundengeschäft und im Private Banking wäre eine größere Kundenbasis sicher von Vorteil.

Hochhaustürme mit kaputter Europafahne als Himmel

Pro: Internationale Relevanz
Die Deutsche Bank als Branchenprimus ist unter den großen internationalen Instituten längst keine erste Adresse mehr. Zusammen mit der Commerzbank würde man aber zumindest auf der Rangliste der europäischen Institute wieder ein wenig nach oben klettern. Auch eine Wiederaufnahme in den europäischen Auswahlindex EuroStoxx 50 wäre damit wohl erreichbar. 

Olaf Scholz (SPD), Bundesfinanzminister

Pro: Rückendeckung durch die Politik
Auch aus Berlin kamen zuletzt Hinweise auf grünes Licht für eine Fusion der beiden Banken. Finanzminister Olaf Scholz soll sich einen Zusammenschluss laut Medienberichten "vorstellen" können. Der Bund hält noch 15 Prozent an der Commerzbank und hat einerseits ein Interesse an einem steigenden Aktienkurs - und will andererseits wohl auch gerne einen deutschen Banken-Champion haben.

Zwei Hände setzen Puzzleteile mit Immobilien zusammen

Contra: Schwierige Integration
Zwei Lahme machen noch keinen Gehenden, diese Erkenntnis hat im Hinblick auf die Bankenfusion eine Reihe von Anhängern. Viele Branchenexperten sehen ein gemeinsames Institut über Jahre mit den Folgen der Fusion beschäftigt. Eine Strategie, wie man am Markt besser besteht, kann dabei nur schwer entwickelt werden. Wie stark die Belastung durch eine große Übernahme im Bankensektor ist, haben die Integration der Dresdner Bank für die Commerzbank oder die der Postbank für die Deutsche Bank gezeigt.

Geldschein zu einem steigenden Pfeil gefaltet

Contra: Hohe Kosten
Die Kostenseite einer Elefanten-Hochzeit kann im Vorhinein kaum beziffert werden. Die Erfahrungen vieler Fusionen zeigen, dass die tatsächlichen Aufwendungen zumeist über den Schätzungen vor einer Fusion liegen. Gerade bei der Integration verschiedener IT-Systeme könnte sich hier kostenseitig ein schwarzes Loch für das gemeinsame Unternehmen auftun.

Blase mit Dollarzeichen und Hand mit Nadel

Contra: Too big to fail
Ein neuer Bankenriese kann im Krisenfall das Finanzsystem und die Politik vor ernsthafte Probleme stellen. Nach Ansicht mancher Experten wäre aus der Finanzkrise gerade die Lehre zu ziehen, eher mehrere kleine als wenige große Einheiten zu schaffen. Mit der Deutschen Commerzbank, dem Sparkassen-System und den Genossenschaftsbanken gäbe es nach einer Bankenfusion gleich drei Player, die man kaum in die Pleite rutschen lassen kann. Und deren Rettung wohl nur auf Kosten des Steuerzahlers möglich wäre, die Finanzkrise 2008 lässt grüßen.

Fernglas auf die Frankfurter Skyline gerichtet

Contra: Problematische Beaufsichtigung
Auch unter aufsichtsrechtlichen Erwägungen wäre eine gemeinsame Riesenbank wohl ein Problem. Nicht von ungefähr sieht BaFin-Chef Felix Hufeld eine Fusion eher als problematisch an. Die Aufsicht hatte kürzlich erst einen Sonderbeauftragten für die Deutsche Bank abgestellt, der sich dem Thema Geldwäsche widmet. Für die Finanzaufsicht könnte eine Bank inmitten eines Zusammenschlusses noch schwerer zu beaufsichtigen sein.

verzweifelter Privatanleger, Aktionär

Contra: Signal der Verzweiflung
Auch wenn die fusionierte Bank rein nach ihrer Größe international wieder mehr Beachtung finden würde: Einige Bankenexperten sehen ein Zusammengehen eher als problematisches Signal an. Keine der beiden Partner habe eine zielführende Strategie für eine eigenständige Zukunft parat gehabt. Nun versuche man es eben zu zweit - aber ebenfalls ohne einen strategischen Entwurf.

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