Luxus

Diamantschmuck

Wachstum verlangsamt sich Luxus-Aktien glänzen nicht mehr so stark

von Notker Blechner

Stand: 02.04.2014, 09:36 Uhr

Krim-Krise, Währungsverfall in den Emerging Markets, Konsumflaute in Südeuropa - das alles hat die Luxusgüter-Branche nicht erschüttern können. Nur in China hat die Anti-Korruptionskampagne den Hunger auf Luxus gedämpft. Die Bling-Bling-Aktien haben deshalb etwas ihren Reiz verloren.

Das Frühjahr ist für viele Reiche die ideale Shopping-Zeit. Bei angenehmen Temperaturen können sie in Europas Metropolen flanieren und in Edelboutiquen (ungestört) nach den neuesten Top-Markenuhren und angesagtesten Handtäschchen stöbern. Wer mehr Auswahl haben will, geht auf die Luxusmessen in Basel, Paris, Moskau und Shanghai, die traditionell im März und April stattfinden. Dort buhlen die Hersteller von teuren Uhren, edlem Schmuck, Markenmode und Nobelkarossen um die Gunst der Reichen und Schönen.

Besonders umworben sind die Chinesinnen und Chinesen. Sie machen inzwischen fast ein Drittel der Umsätze der Luxusgüterbranche aus - Tendenz steigend. Die chinesischen Konsumenten geben für Luxus pro Kopf acht Mal so viel aus wie Europäer, sagen Experten.

Kampf gegen Korruption drückt Luxuskonsum in China

Im vergangenen Jahr ließ die Lust der Chinesen auf Luxus aber etwas nach. Die Anti-Korruptions-Kampagne der Regierung zeigte Wirkung. Das Verbot teurer Geschenke für Beamte als Gegenleistung für andere Gefälligkeiten bekamen vor allem die Hersteller teurer Uhren und edler Tropfen zu spüren. Die Umsätze der Anbieter von teurem Cognac und Scotch gingen teils dramatisch zurück. Der französische Spirituosen-Hersteller Rémy Cointreau rechnet für das Geschäftsjahr 2013/14 mit einem prozentual deutlich zweistelligen Ergebnis-Rückgang. Die Aktie tauchte ab.

Auch andere breit aufgestellte Luxusgüter-Konzerne wie die französische LVMH oder die schweizerische Richemont litten unter der gedämpften Nachfrage im Reich der Mitte. Das weltweite Wachstum verlangsamte sich.

China-Schwäche kompensiert im Tourismus

Insgesamt aber hielten sich die Bremsspuren in Grenzen. Die meisten Konzerne konnten die China-Delle mit anderen Märkten ausgleichen. "Wir konnten China kompensieren und sind stärker in Japan und in Südamerika wie zum Beispiel Brasilien gewachsen", erklärte jüngst auf der "Baselworld" Jean-Claude Biver, Chef der LVMH-Tochter Hublot und neuer Leiter der Uhrensparte von LVMH.

Zudem habe es eine Verlagerung des chinesischen Konsums ins Ausland gegeben, berichten Fondsmanager wie Stefan Bauknecht von der DWS (Deutsche Bank Asset & Wealth Management). In Europa sei inzwischen schon fast die Hälfte der Verkäufe der Luxusgüter-Industrie auf Touristen zurückzuführen.

Diesen Trend bestätigt auch Francois Thiébaud, Chef der Schweizer Uhrenmarke Tissot aus dem Swatch-Konzern. Viele Chinesen hätten verstärkt in Hongkong und in Europa Uhren gekauft, weiß er. In China selbst seien mittelpreisige Uhren weiter stark gefragt. Die Anti-Korruptions-Kampagne habe eher hochpreisige Zeitmesser getroffen.

Uhren und Schmuck als Status-Symbol

Die Manager der Luxusindustrie geben sich auf der "Baselworld" gelassen. Der chinesische Markt werde sich normalisieren, gleichzeitig würden neue aufstrebende Märkte in anderen Schwellenländern entstehen, heißt es.

Luxusprodukte, insbesondere Uhren, Handtaschen und Lederwaren, blieben Status-Symbole - vor allem in Asien. "Die Uhr zeigt nicht die Zeit, sondern wer ich bin", sagt Hublot-Chef Biver.

Luxusaktien nicht zu teuer

Angesichts der Konjunkturabkühlung in China sind die Luxus-Aktien zuletzt dem Gesamtmarkt etwas hinterhergehinkt. "Der Sektor hat schwach performt", gibt DWS-Fondsmanager Bauknecht zu. Das könnte sich bald wieder ändern. "Luxusaktien sind inzwischen deutlich billiger und bieten ein gutes Chance-Risiko-Portfolio", meint Bauknecht. Für 2014 prophezeit er der Luxusgüter-Branche ein solides Wachstum von sechs bis acht Prozent. In den nächsten beiden Jahren dürften die Erlöse wieder kräftiger anziehen - um acht bis zehn Prozent, glaubt Bauknecht.

"Die langfristige Wachstumsstory geht weiter", meint auch Fondsmanagerin Scilla Huang Sun, die mit Andrea Gerst den Luxury Brands Fund von Julius Bär verwaltet. Sie favorisierte zuletzt Aktien von Richemont, Tiffany und Swatch. Attraktiv seien aber auch die Lederwaren-Spezialisten Tod's und Michael Kors.

Schweizer basteln an Smartwatch

Neuen Schub könnte der Uhrenbranche die "Smartwatch" geben. Tissot arbeitet nach Aussagen von Firmenchef Thiébaud an einer "intelligenten Uhr" mit Internetzugang. Swatch soll bereits mit Apple über eine Smartwach gesprochen haben. Seit langem wird über eine "iWatch" von Apple spekuliert. Vergangenes Jahr hatte Samsung die erste Smartwatch auf den Markt gebracht.

Die zunehmende Abhängigkeit der Luxus-Branche von China und den Schwellenländern birgt freilich hohe Gefahren. Sollte in China die Immobilienblase platzen oder es zu einer neuen Emerging-Markets-Krise kommen, würden sich die Aussichten für die Luxusgüter-Hersteller stärker eintrüben.

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