Ein Flugzeug startet am Flughafen in Düsseldorf vor dunklen Wolken

Lufthansa am Drücker Luftfahrtbranche rückt zusammen

Stand: 21.12.2017, 09:24 Uhr

Die Lufthansa gilt nicht zuletzt dank des Air-Berlin-Deals als einer der großen Gewinner der laufenden Konsolidierung der Branche. In der globalen Perspektive ist der deutsche Primus aber nur ein kleiner Fisch.

Die Börse traut der Kranichfluglinie viel zu, wie der Blick auf den Kursverlauf zeigt. Galt das Lufthansa-Papier lange Zeit als graue Maus, gehört die Aktie in diesem Jahr zu den ganz großen Gewinnern im deutschen Leitindex Dax. Kurz vor Jahresende weist das Papier eine traumhafte Wertentwicklung von 150 Prozent auf - etwa zehn Mal so viel, wie der Dax bisher zugelegt hat. Sie hat damit gute Chancen, als bester Indexwert 2017 durchs Ziel zu gehen. Was steckt hinter dem Gesinnungswandel?

Europas Luftverkehrsmarkt konsolidiert

Insbesondere die Fantasie auf eine Konsolidierung des Marktes nach der Pleite von Air Berlin, aus der die Lufthansa gerade gestärkt hervorgeht. Aber viel Zeit, sich auf diesen Lorbeeren auszuruhen, haben Firmenchef Carsten Spohr und sein Team aber wohl nicht.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr

Carsten Spohr. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Denn trotz des momentanen Höhenfluges bleibt der europäische Luftverkehrsmarkt schwierig, weil extrem zersplittert. So liegt der Weltmarktanteil der Lufthansa trotz ihrer starken Stellung in Europa bei nur drei Prozent. Damit kann Spohr nicht zufrieden sein. In seinem Markt der Zukunft braucht es vielmehr drei starke Europäer neben je drei starken Anbietern aus Nordamerika, China und dem Persischen Golf.

Das 3+2-Modell

Air France- und KLM-Flieger

Air France- und KLM-Flieger. | Bildquelle: picture alliance / AP Photo

Am europäischen Markt dürften künftig die Lufthansa in der Star Alliance, die britisch-spanische IAG mit British Airways und Iberia mit der Allianz Oneworld sowie Air France/KLM in der Allianz SkyTeam den Ton angeben.

Und die Billigflieger? Allen voran die irische Ryanair sorgt für konstanten Druck auf die Preise. Aber die Billig-Konkurrenz schwächelt derzeit. Ryanair laufen die Piloten weg, der streitbare Firmenchef O'Leary sieht sich gezwungen, erstmals überhaupt mit der Pilotengewerkschaft zu verhandeln. Hat Ryanair in seinem Wachstumskurs überzogen?

Ryanair-Chef Michael O'Leary schaut skeptisch

Michael O'Leary. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Trotzdem, das Billigflugsegment wird bei der Neuordnung des europäischen Marktes nicht verschwinden, auch Ryanair nicht. Die Nachfrage bleibt hoch, gerade in der momentanen Hochkonjunktur. Und die Bestellbücher für neues Fluggerät sind voll, was sich auch an den Kursanstiegen der Hersteller ablesen lässt.

Zwei Easyjet-Maschinen

Easyjet. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Wahrscheinlich ist, dass sich neben Ryanair und der Lufthansa-Tochter Eurowings, der Antwort des Kranichs auf Ryanair (inklusive des Löwenanteils der alten Air Berlin) noch die britische Easyjet den größten Teil des Billig-Kuchens in Europa abschneiden wird. Diese beiden Wettbewerber wird die Lufthansa wohl nicht mehr los. Noch nicht klar ist, ob die Billig-Langstrecke ein Erfolg wird, denn die Vorteile der Billigflieger auf der Kostenseite relativieren sich auf langen Flügen wegen des Kerosinverbrauchs, des größten Kostenpostens in der Bilanz jeder Fluglinie.

Die drei Weltallianzen

Mit den Luftverkehrsbündnissen Star Alliance, SkyTeam und Oneworld haben die großen Fluglinien weltweit schon jetzt ihre Reviere abgesteckt.

United-Continental Airlines Flugzeug 2016

United-Continental Airlines Flugzeug 2016. | Bildquelle: Imago

Auch in den USA, wo die Branche einen langen und erbitterten Verteilungskampf geführt hat, bestimmt ein Dreigestirn den Markt. Mit Erfolg, wie der Blick auf die höhere Rentabilität im Vergleich zu den Europäern zeigt. United Continental Airlines, das zur StarAlliance gehört, American Airlines zu Oneworld und Delta Airlines zu SkyTeam.

Flugzeuge von Emirates, Qatar Airways, Etihad und Lufthansa im Flug (Collage)

Lufthansa-Konkurrenz von Golf. | Bildquelle: Unternehmen, Montage: boerse.ARD.de

Neben den starken Europäern und Amerikanern galten lange Zeit die staatlich geförderten Fluglinien vom Persischen Golf als das Maß der Dinge. Aber auch hier spielt die derzeitige Lage der Gesellschaften den Europäern in die Hände. Etihad, das sich mit Air Berlin und Alitalia verkalkuliert hat, Qatar Airways, das unter politischen Schwierigkeiten leidet und Emirates hatten kein leichtes Jahr 2017. Auch Donald Trumps Einreiseverbote lasten auf den arabischen Fluglinien. "Unseres Erachtens ist es fraglich, ob es auf lange Sicht noch genügend Platz für drei große und wachsende Fluggesellschaften im Nahen Osten gibt", erklären die Analysten der NordLB gegenüber der "Zeit".

Eine Chance nicht nur für die Europäer, sondern auch für das vierte mächtige Dreigestirn in der Luft: Die staatlich geförderten chinesischen Gesellschaften China Southern, China Eastern und Air China.

rm