Branchen

Gestapelte Batterien

Wachstumsmarkt Batterie Lithium: Energie fürs Depot

Stand: 07.10.2016, 16:15 Uhr

Die Nachfrage nach Batterien auf Basis der Lithium-Ionen-Technik steigt steil an. Elektroautos oder solare Speichersysteme werden in den kommenden Jahren millionenfach verkauft. Die "Lithium-Hausse" erfasst viele Branchen.

Lithium ist das leichteste, feste Element auf der Erde. Das Metall schwimmt auf Wasser und ist ein sehr reaktionsfreudiges Element. Das ist der Hauptgrund dafür, dass sich Litihium in vielen Batterien und Akkus wiederfindet. Das federleichte Smartphone genauso wie der Elektroflitzer von Tesla mit 500 Kilometer Reichweite wären ohne Lithium-Ionen-Akkus derzeit technisch kaum realisierbar.

Preistreiberei beim Rohstoff

Kein Wunder, dass das Element heiß begehrt ist und die Preise für Lithium in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen sind. Für eine Tonne Lithiumcarbonat müssen in diesem Jahr mehr als 7.000 Dollar bezahlt werden. An einigen ungeregelten Spotmärkten, so etwa in China, wurden aber auch schon über 20.000 Dollar je Tonne für den Rohstoff bezahlt.

Preisentwicklung bei Lithium-Hydroxid und Lithium-Karbonat

Preisentwicklung bei Lithium. | Bildquelle: Benchmark Mineral Intelligence, Grafik: boerse.ARD.de

Mit der hohen Nachfrage aus Richtung der Batterienhersteller wurde allerdings auch das Angebot ausgeweitet. Die australische Bank Macquarie hält mittelfristig sogar einen Angebotsüberhang für möglich. Doch das könnte in der Nachbetrachtung womöglich auch nur ein kleiner Dip in der Preisentwicklung sein. Vor allem die Autoindustrie sorgt für einen gewaltigen Lithium-Hunger. So entspricht etwa der Monatsverkauf der in den Teslas verbauten Lithium-Ionen-Akkus allein rund 30 Millionen iPhone-Energiezellen.

Ein Fünftel Marktanteil?

Und dass in den E-Auto-Industrie der Trend gerade erst eingesetzt hat, darüber ist sich die Mehrzahl der Experten einig, auch wenn die Verkaufszahlen in Deutschland noch gering sind. Gerade in China wird der Elektroauto-Boom angeheizt. Dort stiegen die Verkaufszahlen in den ersten acht Monaten des Jahres von 109.000 auf 240.000 verkauften Strom-Karrossen. Die Regierung will bis 2020 zwei Millionen Elektroautos auf die Straßen bringen. Laut Macquarie werden in wenigen Jahren rund 4,5 Millionen Elektroautos jährlich zugelassen. Dies entspricht zwar nur einem Fünftel des Gesamtmarkets, doch die Fahrzeuge werden 80 Prozent des gesamten Batteriebedarfs stellen.

Großspeicher, basierend auf Lithium-Batterien am Fraunhofer Institut für Fabrikbetrieb und -automatisierung in Magdeburg

Großspeicher am Fraunhofer Institut in Magdeburg. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Die übrigen Teile des Batteriemarktes werden vor allem von mobilen Batterien wie in Smartphones oder Laptops bestritten. Dazu kommt aber eine ebenfalls wachsende Zahl von stationären Energiespeichern. Sowohl Energieversorger nutzen solche Speicherlösungen, um Energiespitzen abzufedern, wie sie etwa durch Erneuerbare Energien auftreten.

Energietanks für Versorger

Aber auch private Häuslebauer werden wohl in den kommenden Jahren immer häufiger auf "smarte" Energiespeicher zurückgreifen. Sie können Strom aus einer eigenen Solaranlage zwischenspeichern und bei Bedarf selbst nutzen oder ins öffentliche Netz einspeisen.

Nicht von ungefähr schaffen verschiedene Hersteller Kapazitäten für den Hunger nach Energie per Lithium-Ionen-Batterie. Stellvertetend dafür etwa die Gigafactory des Elektroauto-Herstellers Tesla. Aber auch die Größen der "klassischen" Batteriebranche wie der US-Konzern Johnson Controls oder die südkoreanischen Branchengrößen Samsung und LG schaffen weitere Kapazitäten.

Kleine und große Produzenten

Auf den Lithium-Boom haben sich auch eine Reihe junger Minengesellschaften gestürzt, die in Abbaugebieten wie Kanada oder Australien nach dem Rohstoff schürfen. Ihre Aktien haben in den vergangenen Monaten ebenso profitiert wie die der wenigen großen Produzenten, etwa die US-Firma Albemarle oder die chilenische Sociedad Quimica (s.a. unsere Chartserie: Aktien für die Lithium-Wette).

Nächster Quantensprung Festkörper-Batterie

In Sachen Elektroautos läuft zudem die Forschung auf hohen Touren. Automobilzulieferer Bosch hat etwa für 2020 einen neuen Festkörperakku angekündigt, der deutlich leichter und weniger brandgefährdet ist. Damit könnte sich das Reichweiten-Problem der Strom-Flitzer vielleicht in wenigen Jahren erledigt haben. Auch die Batterien neuen Typs enthalten natürlich: Lithium.

AB