Mitarbeiterin der Abteilung für Medizintechnik der Carl Zeiss AG in Jena

Alcon und Carl Zeiss Meditec Die Corona-Spur in den Bilanzen der Augenheilkonzerne

Stand: 07.04.2020, 11:48 Uhr

Krankenhäuser sind im Notfallmodus, alle planbaren Operationen werden verschoben, um Platz für Coronapatienten zu garantieren. Das sind schlechte Nachrichten für Patienten, die beispielsweise auf Augenoperationen warten. Auch einige Medizintechnik-Konzerne leiden unter den Beschränkungen.

Grundsätzlich gehören Aktien der Unternehmen aus dem Medizintechnikbereich zu den sogenannten defensiven Werten, die sich auch in Zeiten der Konjunkturschwäche oder gar Rezession einigermaßen beständig entwickeln. Schließlich gehören gesundheitsrelevante Leistungen nicht zu den Dingen, an denen die Bürger zuerst sparen. Die Besonderheiten der Coronakrise aber zeigen, dass auch Unternehmen aus dieser Branche hart getroffen werden können.

Carl Zeiss Meditec: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
109,80
Differenz relativ
-0,90%

Hintergrund ist die schlichte Tatsache, dass durch die Pandemie medizinsche Kräfte im Kampf gegen das Virus gebunden sind. Hinzu kommt gewiss noch die Vorsicht vieler Patienten, die aktuell schon aus Gründen des eigenen Schutzes tendenziell von Arzt- oder Klinikbesuchen absehen, wenn sie nicht zwingend erforderlich sind.

Alcon: Abschied von der Dividende

Das zeigt auch die Quartalsbilanz des Schweizer Augenheilkonzerns Alcon, der heute die Prognose für das laufende Jahr zurückzog. Zur Eindämmung des Coronavirus hätten viele Länder Einschränkungen erlassen, die zum Aufschub von Augen-Behandlungen führten, teilte das Management mit. Dies werde sich in den Ergebnissen des Konzerns niederschlagen. Einen neuen Ausblick gab der Konzern nicht.

Bisher hatte Alcon für 2020 einen Anstieg der währungsbereinigten Verkaufserlöse um fünf bis sechs Prozent in Aussicht gestellt und bei der bereinigten operativen Marge einen Wert von 17,5 bis 18,5 Prozent angepeilt. Zudem wolle die ehemalige Novartis-Tochter die Ausschüttung einer Dividende in das Jahr 2021 aufschieben, um die Barmittel des Unternehmens zu schonen.

"Verlässliche Prognose nicht möglich"

Vor wenigen Tagen hatte bereits der deutsche Medizintechnikkonzern Carl Zeiss Meditec seine Prognose zurückgenommen, der ebenfalls auf Augenheilkunde und auch Mikrochirurgie spezialisiert ist. Es werde wegen der sich weltweit ausbreitenden Lungenkrankheit Covid-19 eine "signifikante Beeinträchtigung" der Geschäftsentwicklung im zweiten Geschäftshalbjahr erwartet, teilte der MDax-Konzern mit. "Eine verlässliche Vorhersage der Geschäftsentwicklung ist derzeit nicht möglich." Sobald eine neue Prognose möglich ist, werde diese unverzüglich veröffentlicht.

In den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres 2019/20 habe der Umsatz laut vorläufigen Daten bei rund 715 Millionen Euro gelegen. Im Vorjahr waren es 667,2 Millionen.

Modell einer Intraokularlinse, die bei Grauem Star die natürliche Augenlinse ersetzen kann

Modell einer Intraokularlinse von Carl Zeiss Meditec. | Quelle: picture-alliance/dpa

Aktie recht stabil

Analysten sind davon nicht überrascht. Der zurückgenommene Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr zeige, dass die Corona-Krise dem Hersteller von Medizintechnik zusetzen dürfte, schreibt die Commerzbank. Die Analysten reduzierten die Annahmen für den Umsatz und das operative Ergebnis. Vorerst gebe es für den Medizintechniker starken Gegenwind, lesen die Experten von Kepler Cheuvreux aus den Zahlen heraus. Es bleibe zu hoffen, dass die Belastungen auf das zweite Geschäftshalbjahr begrenzt bleiben.

Die Anleger sind vergleichsweise entspannt. Die Aktie kehrte zurück über die Marke von 90 Euro und büßte in den vergangenen vier Wochen rund fünf Prozent ein. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben - außerdem scheinen die staatlichen Maßnahmen gegen das Virus langsam Wirkung zu zeigen.

ts