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Autonomes Fahren in fünf Schritten Der lange Weg zum echten Robo-Auto

Stand: 28.08.2018, 15:40 Uhr

Das vollständig autonome Fahren ist derzeit noch eine kühne Zukunftsvision. Doch Auto-Hersteller, Zulieferer und Technologiekonzerne arbeiten fieberhaft und mit großem Aufwand daran, die Vision Wirklichkeit werden zu lassen. Dabei werden üblicherweise fünf Phasen der Entwicklung unterschieden.

Schöne neue Welt: Das Auto, das seinen Besitzer selbständig vom Flughafen abholt, eine Fahrt zum Arbeitsplatz oder zum Einkauf vollautomatisch unternimmt, während der "Ex-Fahrer" die Zeitung liest. Die Zukunftsvision, die wohl viele Unfälle vermeiden, die Straßen von Staus befreien und Mobilität für viele Menschen neu möglich machen wird, sie ist derzeit (leider) noch einige Jahre - oder sogar Jahrzehnte - entfernt. Die fünf Stufen, in denen sich der Weg bis zum "voll- autonomen" Fahren abspielt, zeigen die Hürden der Technik auf.

Die Ausgangslage: Auch als "Level null" bezeichnet. Dabei muss der Fahrer alles zur Steuerung des Fahrzeugs ohne Unterstützung erledigen. Er fährt, lenkt, bremst, gibt Gas und achtet auf seine Umgebung. Das Fahrzeug unternimmt keinerlei Eingriffe, soll heißen, es hat dazu keine technischen Voraussetzungen.

Schritt eins: Diese Phase hat in vielen Fahrzeugen bereits begonnen. Denn das "assistierte Fahren" ist vielfach Realität, gerade in besser ausgestatteten Autos. Dabei das Fahrzeug den Fahrer mit bestimmten Assistenzsystemen, zum Beispiel mit einem Totwinkel-Warner, einem Spurhalte-Assistenten oder einer Berganfahrhilfe. Selbst der Tempomat, der die Geschwindigkeit und mittlerweile auch oft den Abstand zum Vordermann regelt, gehört schon zum assistierten Fahren. Hierbei gilt für den Fahrer generell: Er muss dabei immer das Lenkrad in der Hand halten und auf den Verkehr achten.

Daimler - selbstfahrendes Auto

Daimler: Selbstfahrendes Auto. | Quelle: Unternehmen

Schritt zwei: Hier wird vom "teilautomatisierten Fahren" gesprochen: Das Auto kann einzelne Aufgaben für den Fahrer übernehmen. In diesem technologischen Stadium befinden sich die meisten Hersteller aktuell. Das Fahrzeug ist in der Lage, automatisch einzuparken oder verfügt über eine Spurhaltefunktion. Der Stauassistent kann bereits ohne Eingriff des Fahrers im Stau beschleunigen, bremsen und dem vorausfahrenden Fahrzeug folgen. Beispiele für Fahrzeuge in dieser Stufe sind die E-Klasse von Mercedes, der Q7 von Audi, der 7er von BMW oder der Autopilot von Tesla. Wie in Stufe eins gibt es auch hier Einschränkungen etwa durch schlechtes Wetter, denn verschmutzte Sensoren behindern die Elektronik.

Selbstfahrendes Auto

Volvo: Selbstfahrendes Auto. | Bildquelle: Volvo

Schritt drei: Das "hochautomatisierte Fahren". Hier übernehmen die Systeme die Fahrt schon fast komplett. So kann ein Fahrzeug etwa auf Autobahnen die komplette Steuerung übernehmen und sogar Überholmanöver ausführen oder ausweichen. Der Fahrer wird erst nach einer Vorwarnzeit aufgefordert, das Lenkrad zu übernehmen. Er muss allerdings während der gesamten Zeit das Geschehen auf der Straße im Blick haben, um notfalls eingreifen zu können. Der entscheidende Sprung zum zweiten Level: Nun beginnt das Auto auch mit seiner Umwelt zu kommunizieren und kann Daten mit anderen Fahrzeugen austauschen. Technisch ist die Industrie an diesem Punkt angekommen, Testfahrzeuge sind schon weltweit unterwegs, allerdings bislang nur auf Autobahnen.

Schritt vier: Nun spricht man von "Vollautomatisierung". Dabei übernimmt das Fahrzeug im Prinzip alle Funktionen, die zum Fahren gehören. Erst wenn es die Situation erfordert, also wenn sie für das System nicht zu bewältigen ist, wird die Kontrolle abgegeben. Nun parkt das Fahrzeug selbständig, bewegt sich alleine auch auf Landstraßen und in der Stadt. Ampeln melden dem Auto Rot- oder Grünphasen, andere Fahrzeuge melden einen Spurwechsel an. Der Sprung auf dieses Level wird derzeit für die Jahre 2020 bis 2022 erwartet.

Schritt fünf: Erst beim echten autonomen oder "fahrerlosen Fahren" wird der Mensch im Prinzip überflüssig. Der Wagen und das System brauchen lediglich eine Zieleingabe und die Freigabe zum Start. Dann steuert das Fahrzeug vollautomatisch das Ziel an. Autos sind hier nicht mehr mit einem Lenkrad ausgestattet. Bis die voll autonomen Autos auf unseren Straßen auftauchen, werden nach Expertenschätzungen noch etwa zehn Jahre vergehen. Bis sie zugelassen und "Alltag" geworden sind, vielleicht noch einige Jahre mehr.

Die computergenerierte Grafik zeigt, wie autonomes Fahren in der Zukunft aussehen könnte

Die computergenerierte Grafik zeigt, wie autonomes Fahren in der Zukunft aussehen könnte. | Bildquelle: dpa

AB