Elektrotankstelle am Potsdamer Platz in Berlin

Jetzt wird gegengesteuert Haben Sie auch "Ladeangst"?

Stand: 18.09.2019, 09:35 Uhr

Ladeangst - Substantiv, feminin - bedrückendes Gefühl, Skepsis gegenüber der Reichweite eines Elektroautos. Eine ernsthafte Hürde auf dem Weg zur elektromobilen Zukunft. Die Autobauer versuchen gegenzusteuern.

Kennen Sie das? Sie müssen dringend aus dem Haus, aber der Akku Ihres Smartphones ist im roten Bereich? Weniger als 20 Prozent Batterieladung. Ein ungutes Gefühl! Und ähnlich dem der "Ladeangst" bei Elektroautos. Angst, plötzlich auf der Autobahn keinen Strom mehr zu haben und weit und breit keine Elektrotankstelle in Sicht.

Ladeinfrastruktur mangelhaft

Traditionelle Tankstellen in Deutschland zu finden ist keine große Schwierigkeit. Wer allerdings Ladestationen für Elektroautos sucht, der braucht schon ein Adlerauge. Im aktuellen Koalitionsvertrag hatte sich die Bundesregierung das Ziel gesteckt, bis 2020 mindestens 100.000 Ladestationen in Deutschland gebaut zu haben. Derzeit sind wir noch weit entfernt davon.

Der Bundesverband der Energie - und Wasserwirtschaft (BDEW) zählt derzeit 20.650 öffentlich zugängliche Ladepunkte. Dabei seien Hamburg, München und Berlin mit deutlichem Vorsprung gegenüber anderen Städten, am besten abgedeckt.

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Der Volkswagen-Konzern drängt auf mehr Rückhalt der Politik beim Ausbau des Ladenetzes für Elektroautos. "Die Ladeinfrastruktur wird immer mehr zum entscheidenden Faktor für den schnellen Durchbruch der E-Mobilität in Deutschland", sagte Thomas Ulbrich, Vorstand für E-Mobilität bei VW im Juni. Ein Elektroauto zu laden, müsse genauso einfach sein, wie das Laden eines Smartphones.

Ladeangst überwinden

Die Ladeangst der Deutschen ist im Hause VW ein großes Thema. Die auf der IAA präsentierten I.D.-Modelle sollen im kommenden Jahr auf den Markt kommen. Dafür ist eine funktionierende und breite Ladeinfrastruktur notwendig. Bis 2025 will der VW-Konzern an seinen europäischen Standorten, bei Händlern und in großen Städten insgesamt 36.000 Ladepunkte errichten. E-Tankstellen müssten für die Bürger im öffentlichen Raum sichtbar sein, heißt es aus Wolfsburg.

VW ID.3

VW ID.3. | Bildquelle: Volkswagen

Fachleute aus Spieleindustrie gefragt

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Um Elektrofahrzeugen zum Erfolg zu verhelfen, geht der Stuttgarter Automobilkonzern Daimler ungewöhnliche Wege. Der Konzern sucht derzeit verstärkt Fachleute aus der Spieleindustrie. Um die Reichweitenangst bei Batterieautos zu mindern, könnten Elemente aus der Spielewelt in die grafischen Benutzeroberflächen der Autos integriert werden, erklärt Daimler-Entwicklungsvorstand Markus Schäfer. So könnte es gelingen, Autofahrer spielerisch zu einer effizienten Fahrweise zu bringen. Tests mit Probanden seien positiv ausgefallen, insbesondere auf dem asiatischen Markt werde das gut angenommen, sagt Schäfer.

ms/rtr/dpa