Roboterhand tippt auf einer Tastatur

So können Anleger vom Megatrend profitieren Künstliche Intelligenz für alle?

Stand: 04.12.2018, 14:14 Uhr

Seit Montag findet der Digital-Gipfel der Bundesregierung statt, der vor allem die Künstliche Intelligenz ins Blickfeld rückt. Auch die Entscheider in der Finanzwelt sind sich der Bedeutung bewusst. Das ergab eine Umfrage der Goethe-Universtität Frankfurt. Für Anleger gibt es einige Möglichkeiten, dem Boom zu folgen.

Am zweiten Gipfeltag in Nürnberg steht die nationale KI-Strategie im Fokus. Vor rund drei Wochen hatte die Bundesregierung bei einer Kabinettsklausur beschlossen, bis zum Jahr 2025 zusätzlich drei Milliarden Euro in die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz (KI) zu investieren. Sie gilt als Schlüsseltechnologie von morgen. Bisher haben in diesem Bereich vor allem China und die USA die Nase vorn.

Deutschland sei bei KI zwar gut im Rennen, aber noch nicht an der Spitze, sagte Bundesinnenminister Horst Seehofer am Montag. Das müsse der Anspruch sein. Der Schwerpunkt des bis Dienstag dauernden Treffens liegt auf KI, also beispielsweise selbstfahrende Autos, Roboter in der Altenpflege oder "denkende" und sprechende Computer.

Industrie fordert mehr Experten

Die deutsche Industrie hofft am Rande des Gipfels auf mehr Anstrengungen im Kampf um die besten Köpfe auf dem Gebiet. Für die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft sei der KI-Einsatz "elementar", erklärte der Maschinenbauverband VDMA. Auch der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) fordert "mehr Experten". Derzeit sind gut 10.000 Stellen für KI-Spezialisten offen.

Experten sind der Meinung, die Künstliche Intelligenz werde in den kommenden zehn Jahren etliche Branchen revolutionieren. Die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PWC rechnet mit einem Wachstumspotenzial von 15,7 Billionen Dollar bis zum Jahr 2030. Das entspricht einem Anstieg des Welt-BIPs von etwa 14 Prozent. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier sprach sich am Dienstag erneut für einen Zusammenschluss europäischer Unternehmen aus.

Kernthema in der Finanzwelt

Der deutsche Finanzsektor ist bereits heute stark geprägt. In einer aktuellen Umfrage des Center for Financial Studies der Frankfurter Goethe-Universität erwarten 90 Prozent der 400 befragten Entscheider aus Banken, Börsen, Beratungsfirmen und Aufsichtsbehörden, dass KI-Technologien künftig zu den Kernthemen der Finanzindustrie zählen werden.

Sie besäßen das Potenzial, Finanzprozesse zu verändern. Besonders in den Bereichen Risikomanagement und Controlling, in Vermögensverwaltung sowie im Privatkundengeschäft sei die KI laut den Managern relevant.

Wenige Banken mit KI-Strategie

„Die deutschen Banken müssen erhebliche Anstrengungen unternehmen, um im Bereich der Künstlichen Intelligenz nicht den Anschluss zu verlieren. Nur wenige Banken verfügen heute über eine echte KI-Strategie“, erläutert Volker Brühl, Geschäftsführer des Center for Financial Studies.

Eine menschliche und eine Roboterhand

Robo Adviser. | Bildquelle: picture alliance / dpa

In der Vermögensverwaltung spielen die Robo Advisors eine große Rolle. Insgesamt rund zwei Milliarden sollen in Deutschland in den Händen von Computerprogrammen liegen. Von einem Anlagevolumen von bis zu 35 Milliarden Euro bis 2022 sprechen einige Experten. So gut wie erhofft läuft es in der Branche aktuell aber nicht.

Hubertus Väth vom Lobbyverband Frankfurt Main Finance betont: „Der Rückstand im internationalen Vergleich in Sachen KI ist enorm." So gibt es laut einer Erhebung der Unternehmensberatungen Asgard und Roland Berger in ganz Deutschland nur 106 KI-Startups im Vergleich zu 383 in China oder rund 1.400 in den USA.

Das Programm der Bundesregierung komme spät, aber nicht zu spät. Um aufzuholen, gelte es nun, „intelligent mit Startups zu kooperieren und so die Kräfte am Finanzplatz zu bündeln", so Väth.

Einzelaktien schwierig auszuwählen

Roboter in Business-Anzügen
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Künstliche Intelligenz rüttelt Börse auf

Um auf den Megatrend auch als Privatanleger aufzuspringen, gibt es viele Möglichkeiten. Doch die Auswahl einzelner Aktien ist nicht leicht. Bislang findet sich KI vor allem in den traditionellen Bereichen der Robotik und der Informationstechnologie wieder. Die Tech-Riesen Amazon und Apple nutzen sie beispielsweise für ihre Sprachassistenten Alexa und Siri.

Besonders Halbleiterhersteller wie Nvidia, Intel oder Qualcomm profitierten in den vergangenen Jahren durch die Entwicklung von KI-Chips von dem Megatrend. Vor einigen Monaten kündigte Infineon an, Künstliche Intelligenz in der gesamten Wertschöpfungskette der Mikroelektronikindustrie zu nutzen zu wollen. Software-Unternehmen wie Microsoft, Facebook oder Google mischen ebenfalls im Geschäft mit.

Siemens: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Auch einige deutsche Unternehmen arbeiten an eigenen KI-Technologien. Neben SAP und Bosch ist Siemens ganz vorne mit dabei. Der Münchener Konzern ist Weltmarktführer bei Hochleistungsscannern und Bildinterpretation von medizintechnischen Geräten. Automobilhersteller setzen bei ihren Steuerungssystemen für autonome Fahrzeuge auf KI-Systeme.

Die Deutsche Familienversicherung, die seit Dienstag an der Börse vertreten ist, hat seit diesem Jahr ihre Prozesse komplett digitalisiert und wickelt die Schaden- und Leistungsregulierung mit Künstlicher Intelligenz ab.

Fonds und ETFs

Neben Einzelaktien gibt es auch auf KI spezialisierte Fonds. Seit März 2017 besteht etwa der Allianz Global Artificial Intelligence, der erste europäische Publikumsfonds in der Anlageklasse. Seit Auflage hat der Aktienfonds um über 17 Prozent an Wert gewonnen, das Volumen überschritt innerhalb von nur eineinhalb Jahren die Milliarden-Grenze. Größte Position im Fonds ist aktuell Nvidia, gefolgt von den Titeln von Tesla, Salesforce.com, Trade Desk und Amazon.

Eine weitere Strategie für Anleger bieten ETFs, die sich zum Beispiel an dem MSCI World Information Technology Index oder dem Stoxx AI Global Artificial Intelligence ADTV5 Index orientieren.

tb

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Intelligente ETFs Indexfonds zum Megatrend KI

<strong>I</strong><strong>Shares Automation & Robotics UCITS ETF</strong><br/>In Deutschland können Anleger auf eine Handvoll Fonds im Bereich Robotik und Automatisierung zugreifen.<br/><br/>Zu den bekanntesten gehört der von BlackRock vor zwei Jahren aufgelegte IShares Automation & Robotics UCITS ETF. Er strebt die Nachbildung der Performance des iSTOXX FactSet Automation & Robotics Index an, der sich aus Unternehmen der Industrie- und Schwellenländer zusammensetzt, die ihr Einkommen überwiegend aus Branchen erwirtschaften, die die Entwicklung von Automatik und Robotik betreffen.<br/><br/>Der ETF investiert in 103 Positionen und ist mit einer Gebühr von 0,4 Prozent nicht gerade günstig.: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra ETF für den Zeitraum 1 Jahr

IShares Automation & Robotics UCITS ETF
In Deutschland können Anleger auf eine Handvoll Fonds im Bereich Robotik und Automatisierung zugreifen.

Zu den bekanntesten gehört der von BlackRock vor zwei Jahren aufgelegte IShares Automation & Robotics UCITS ETF. Er strebt die Nachbildung der Performance des iSTOXX FactSet Automation & Robotics Index an, der sich aus Unternehmen der Industrie- und Schwellenländer zusammensetzt, die ihr Einkommen überwiegend aus Branchen erwirtschaften, die die Entwicklung von Automatik und Robotik betreffen.

Der ETF investiert in 103 Positionen und ist mit einer Gebühr von 0,4 Prozent nicht gerade günstig.