American Society of Clinical Oncology - Symbolbild

Hoffnungsträger auf ASCO-Konferenz Krebsmedikamente mit Milliardenpotenzial

Stand: 02.06.2020, 13:24 Uhr

Pharmakonzerne gelten als Gewinner der Corona-Krise. Aber nicht nur im Kampf gegen den Virus werden wohl bald gewaltige Erlöse in den Unternehmen erzielt. Die gerade abgehaltene Branchenkonferenz ASCO zeigte, dass auch in der Krebsforschung große Umsatzhoffnungen bestehen.

Zweistellige Wachstumsraten auf Sicht von vielen Jahren sind im Geschäft mit der Medikamenten gegen den Krebs sicher, das belegen viele Studien. Bis zum Jahr 2024 sollen sich die Erlöse in diesem Bereich von 93 auf 192 Milliarden Dollar mehr als verdoppeln.

Blockbuster made in USA und der Schweiz

Was für den Gesamtmarkt gilt, stimmt auch für einzelne Produkte. "Blockbuster" werden die Medikamente genannt, die alljährlich mehr als eine Milliarde Dollar an Erlösen erzielen. Die größten Umsätze werden derzeit etwa mit Keytruda des US-Konzerns Merck & Co. gemacht, das gegen verschiedene Krebsarten eingesetzt wird. Oder mit Ibrance, einem Krebsmedikament aus dem Hause Pfizer. Auch das Blutkrebs-Präparat Imbruvica der Johnson & Johnson-Tochter Pharmalytics sorgt für Milliardenerlöse. Diese Erlöse sollen sich in den kommenden Jahren weiter deutlich ausweiten.

Umso spannender für die Branche, aber auch Aktionäre der Pharmatitel ist damit der Nachrichtenfluss, der alljährlich von der Konferenz ASCO (American Society of Clinical Oncology) kommt. Im Jahr der Corona-Epidemie fand die Konferenz komplett "virtuell", also über Präsentationen und Diskussionen an den Computerbildschirmen statt. Doch die Ausblicke, die die Unternehmen zum Teil gaben, sind mit handfesten Erlöse- und Gewinnaussichten verbunden. Und sie sorgen für Kommentare von Analysten und Kursreaktionen an der Börse.

AstraZeneca mit Doppel-Erfolg

Prominentestes Beispiel dafür ist der britische Pharmariese AstraZeneca. Das Unternehmen profitiert zu Beginn der Börsenwoche einerseits von einer Vereinbarung mit der Universität Oxford für die Herstellung und den weltweiten Vertrieb des gerade getesteten Corona-Impfstoffs. Dazu hat aber auch die US-Bank JPMorgan AstraZeneca nach dem Krebskongress auf "Overweight" eingestuft. Der Pharmakonzern sei sehr optimistisch gewesen in Bezug auf das Potenzial seines neuen Lungenkrebsmedikaments Tagrisso, so Analyst James Gordon in einer am Dienstag vorliegenden Studie.

Auch Aktien des Schweizer Pharmariesen Roche bleiben auf dem Zettel von Investoren. Roche hatte am Freitag neue Daten zu seinem Krebsmittel Alecensa veröffentlicht. Diese Ergebnisse einer Phase-III-Studie, der letzten Phase vor einer Zulassung zeigen eine erhöhte Überlebensrate bei Lungenkrebspatienten.

Gegen Brustkrebs und Leukämie

Auch Novartis, der zweite große Schweizer Branchenvertreter, lieferte neue Daten von der ASCO: zum Krebsmittel Kisqali. Dabei ist laut dem Unternehmen in mehreren Studien erneut der "Überlebensvorteil" bei einer Behandlung untermauert worden. Kisqali wird bei fortgeschrittenem oder metastasiertem Brustkrebs eingesetzt.

Der japanische Pharmakonzern Takeda hat auf der ASCO eine Kombinationstherapie mit dem Leukämie-Präparat Pevonedistat vorgestellt, die ermutigende Ergebnisse bei der Bekämpfung dieser Krebsart gezeigt hat.

Auch Merck mischt mit

Mit dem Dax-Mitglied Merck mischt auch ein deutscher Konzern im Konzert der großen in Sachen Onkologie mit. Die US-Bank JPMorgan hat die Einstufung für die Merck KGaA der Präsentation von Studiendaten auf der ASCO zwar nur auf "Neutral" mit einem Kursziel von 110 Euro belassen. Aber: Der Markt müsse seine Schätzungen für das Umsatzpotenzial von Bavencio bei Blasenkrebs wohl nach oben schrauben, schrieb Analyst Richard Vosser in einem Kommentar.

AB