Einkaufswagen mit Lebensmitteln

Beliebte Branche im Abschwung Konsumaktien: Derzeit gibts nichts Schöneres

Stand: 16.05.2019, 15:12 Uhr

In unruhigen Zeiten greifen viele Profi-Anleger gern zu den sonst eher verschmähten Konsumaktien wie Nestlé, Procter & Gamble und anderen Herstellern dieser Branche.

Europas Wirtschaft steuert auf einen Abschwung zu, auch wenn eine Rezession wohl vermieden werden kann. Reihenweise wurden die Wachstumsprognosen nach unten revidiert - auch und gerade in Deutschland. In solchen Zeiten verschlechtern sich auch die Gewinnperspektiven der Unternehmen.

Bereits im abgelaufenen ersten Quartal haben zwei Drittel der Dax-Unternehmen einen Gewinnrückgang hinnehmen müssen. In solch unruhigen Zeiten sind dann Aktien von Unternehmen gefragt, deren Ergebnisse weniger stark von der Konjunktur abhängen und entsprechend weniger schwanken.

Hersteller des täglichen Bedarfs

Zu diesen sogenannten defensiven Sektoren zählen neben Versorgern und Telekomanbietern auch Hersteller von Konsumgütern des täglichen Bedarfs wie Nahrungsmittel, Waschmittel oder der Körperpflege. Auch die Tabakhersteller zählen dazu, denn die Sucht ist manchmal stärker als jede Wirtschaftskrise.

In den USA gehören in diese Kategorie Coca-Cola, Pepsi, Philip Morris, Colgate-Palmolive, Kimberly-Clark, der Supermarktriese Walmart, Procter & Gamble oder Kraft Heinz. In Europa sind es Nestlé, Danone, Unilever oder der Brauereigigant Anheuser-Busch InBev. Hierzulande zählen die Dax-Mitglieder Henkel und Beiersdorf dazu.

Solide Finanzen

Selbst Investmentlegende Warren Buffett hat die Branche mit seinem Engagement entdeckt: 2013 übernahm er gemeinsam mit der brasilianischen 3G Gruppe die US-Ketchup-Marke Heinz und fusionierte sie zwei Jahre später mit Kraft Foods. Allerdings erwies sich der Einstieg als Flop, der Gewinn von Kraft-Heinz brach ein, die Aktie ebenfalls. Doch der Fall von Kraft Heinz ist eher eine Ausnahme, die die Regel bestätigt.

Insgesamt hat die Branche ihren Anlegern Freude bereitet. Der Grund für das Interesse der Groß- und Kleinanleger an den Herstellern von Softdrinks, Fertignahrung, Sportartikeln, Sonnencreme und ähnlichem ist oft der gleiche: Die Konzerne verfügen meist über solide Bilanzen mit geringer Verschuldung. Sie erscheinen außerdem häufig wie riesige, unübersichtliche Konglomerate mit zahlreichen Aktivitäten und komplexen Strukturen.

Aktien von Nestlé gefragt

Der Vorteil: Die Schwäche in einer Sparte kann durch die Stärke in einer anderen ausgeglichen werden. Und die Hedgefonds und Investmentbanken wittern die Chance, mit der Ausgliederung und dem Verkauf von unrentablen Unternehmensteilen Synergien zu heben und Geld zu verdienen.

Auch der neue Nestlé-Chef Mark Schneider, der zuvor den Dax-Konzern Fresenius auf Rendite getrimmt hatte, beweist wie die Rendite von Riesentankern wie dem Nahrungsmittelhersteller gesteigert werden kann. Ein Blick auf den Aktienkurs zeigt, dass seine Strategie von Erfolg gekrönt ist: die Nestlé-Aktie ist in den letzten Monaten auf den höchsten Stand seit 20 Jahren geklettert.

Procter & Gamble auf Höchststand

Damit sind die Schweizer nicht allein: Die Papiere von Procter & Gamble sind bei über 100 Dollar je Aktie auf den höchsten Stand ihrer Geschichte geklettert. Selbst der im Umbau steckende Walmart-Konzern notiert nahe an seinen Höchstständen.

Viele dieser Firmen dürften auch einer Rezession trotzen. Weil ihre Produkte die Grundbedürfnisse der Menschen abdecken. Nach dem Motto: Gegessen und getrunken wird immer. Und Körperpflege steht auch immer auf dem Programm.

lg