Stethoskop, im Hintergrund eine EKG-Kurve auf einem Monitor

Krankenhäuser erhalten Finanzhilfe Kliniken in der Krise: Droht ein finanzieller Engpass?

von Till Bücker

Stand: 27.03.2020, 15:33 Uhr

Volle Betten, zusätzliche Ausrüstung, verschobene Behandlungen, staatliche Hilfen: Deutschlands Krankenhäuser stehen während der Corona-Pandemie im Fokus. Werden sie finanziell einknicken oder sogar gestärkt aus der Krise hervorgehen?

Europas größter privater Klinikbetreiber Fresenius warnt vor Kapazitätsengpässen und blickt sorgenvoll in die Zukunft, sieht seine wirtschaftliche Lage aber gelassen. "Unser Betrieb läuft weiter und unsere Produkte werden mehr denn je gebraucht", sagte Stephan Sturm, Vorstandsvorsitzender des Bad Homburger Dax-Konzerns der "Wirtschaftswoche".

Die zu Fresenius gehörende Gesellschaft Helios stockt wegen der Corona-Pandemie die Zahl ihrer Intensivbetten in Deutschland um zwei Drittel auf. So soll die Zahl im Krankenhausnetzwerk von aktuell rund 900 auf mehr als 1.500 steigen. Es sei zwar mit negativen, aber nicht mit wesentlichen finanziellen Effekten für Helios zu rechnen, teilte Deutschlands größter Betreiber am Freitag mit.

Dr. Francesco De Meo

Dr. Francesco De Meo. | Bildquelle: Helios

Allerdings steht diese Prognose unter der Annahme, dass sich die Pandemie im Sommer deutlich abschwächt. Die Gesellschaft sei laut Helios-Chef Francesco De Meo "bestens aufgestellt im gemeinsamen Kampf gegen Covid-19".

Und auch das Rhön-Klinikum sieht sich gut gerüstet. Die fünf Standorte seien auf die steigende Zahl von Corona-Patienten organisatorisch und medizinisch vorbereitet. Aber: Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Krise auf das Unternehmen seien derzeit noch nicht absehbar, erklärte das Unternehmen in dieser Woche. Für 2020 rechnet der Konzern mit einem Umsatzanstieg von fünf Prozent bis hin zu einem Umsatzrückgang von fünf Prozent.

Einbruch oder Chance?

Wirtschaftlich und finanziell kann so ziemlich alles passieren. Denn die Kliniken müssen schließlich Operationen und Behandlungen verschieben - das bedeutet weniger Einnahmen. Zudem haben sie massive Mehrkosten durch zusätzliche Intensivbetten oder Schutzausrüstungen. Zur Aufstockung werden unter anderem Operationssäle mit bereits installierten Beatmungssystemen auf- und umgerüstet.

Bundesminister für Gesundheit Jens Spahn

Bundesminister für Gesundheit Jens Spahn. | Bildquelle: imago images / Christian Spicker

Deshalb hat die Bundesregierung am Mittwoch Finanzhilfen für das Gesundheitswesen beschlossen. Am Freitag stimmte nun auch der Bundesrat zu. "Ärzte, Pflegekräfte - alle, die im Gesundheitswesen arbeiten, brauchen gerade jetzt unsere volle Unterstützung. Deswegen kompensieren wir Einnahmeausfälle, bauen Bürokratie ab und setzen Sanktionen aus", erklärte Gesundheitsminister Jens Spahn.

So erhalten Krankenhäuser einen finanziellen Ausgleich für die Verschiebung von Behandlungen und Zuschläge bei neuen Anschaffungen. Trotzdem plant beispielsweise die Schön-Klinik in Hamburg aus Angst vor Liquiditätsengpässen Kurzarbeit.

Folgen noch unklar

"Wir können am heutigen Tage nicht einschätzen, wie sich die Situation in den kommenden Wochen und Monaten entwickelt. Daher lässt sich auch nicht sagen, mit welchen finanziellen Auswirkungen zu rechnen ist", erklärt Thomas Bublitz, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Privatkliniken (BDPK) auf Anfrage von boerse.ARD.de.

Thomas Bublitz ist Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Privatkliniken. Foto: Ines Lindenau. | Bildquelle: BDPK

Der BDPK vertritt über 1.000 private Kliniken in Deutschland. Der Verband sei dankbar, dass die Bundesregierung in einem schnellen Verfahren das große Gesetzespaket verabschiedet hat, das viele Regelungen zu finanziellen Hilfen enthält. Klinikverbände hatten das Hilfsprogramm nachdrücklich gefordert. Auch der BDPK hatte vor einer Pleitewelle gewarnt.

Offen bleibe jedoch die Frage, warum Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen für Mütter, Väter und Kinder sowie für Kliniken ohne Versorgungsauftrag, die für Privatpatienten zur Verfügung stehen, nicht bedacht worden sind. Auch sie würden in Teilen bereits für die Unterstützung in der Krise herangezogen werden, so Bublitz.

Klinik-Aktien mit schwankenden Kursen

In Deutschland betreibt Fresenius unter der Marke Helios 86 Krankenhäuser. Die Lage ist für den Konzern fordernd - doch die finanzielle Zukunft könnte sogar positiv sein. Der Aktienkurs hat sich dennoch seit Anfang des Jahres bis Mitte März fast halbiert. Seitdem konnte das Papier aber wieder um mehr als 32 Prozent zulegen.

Allein am vergangenen Freitag kam es zu einem Kurssprung von zeitweise 14 Prozent, nachdem Spekulationen über eine mögliche Verstaatlichung privater Krankenhäuser in Spanien beflügelten. Fresenius wies die Gerüchte zurück. Die Privatbank Berenberg senkte das Kursziel in einer aktuellen Analyse kräftig von 72,10 auf 59,50 Euro, beließ ihre Einstufung aber auf "Buy". Am Freitag hält sich das Papier im Vergleich zum Dax wacker.

Der Titel der Konzerntochter Fresenius Medical Care konnte sich dagegen noch nicht erholen. Nach dem Zwischenhoch im Februar rauschte die Aktie um knapp 26 Prozent in den Keller. Der größte Geschäftsbereich des Konzerns ist auf Dienstleistungen für Dialysepatienten, insbesondere in den USA spezialisiert. Die chronisch erkrankten Menschen müssen auch in der Coronakrise behandelt werden. Die Umsatzrückgänge sollten sich also in Grenzen halten.

Übernahmeangebot für Rhön-Klinikum

Nach einem kurzen Rückfall steht die Rhön-Aktie sogar rund 13 Prozent besser da als vor der Krise Anfang Februar. Der Klinikbetreiber steht vor einer tiefgreifenden Veränderung: Ein Übernahmeangebot des Hamburger Konkurrenten Asklepios von 18 Euro pro Aktie steht im Raum, es ist bereits öffentlich angekündigt.

Hart trifft die Krise womöglich auch die M1 Kliniken. Der börsennotierte Spezialist für plastische und ästhetische Schönheitsmedizin hat alle Behandlungen bis Mitte April abgesagt. Stattdessen will das Berliner Unternehmen eine Kooperation mit Gesundheitsämtern schaffen und Teststandorte zur Verfügung stellen. Die Aktie knickte seit Ende Januar zeitweise um mehr als die Hälfte ein.

Wie volatil die Klinik-Aktien in diesen Tagen sein können, zeigt ein Beispiel in Großbritannien. Die angekündigte Zusammenarbeit mit der staatlichen Krankenversicherung NHS bescherte dem Krankenhausbetreiber Spire den größten Kurssprung der Firmengeschichte. Die Aktie stieg am Montag in der Spitze um fast 25 Prozent. Das Unternehmen öffnet seine Häuser vorübergehend für Kassenpatienten. In der Vorwoche war der Kurs noch um mehr als Viertel eingebrochen.