Benzin-Diesel-Zapfsäule

Autoaktien unter Verkaufsdruck Keine Kaufprämie für Verbrenner

Stand: 04.06.2020, 08:41 Uhr

Enttäuschung in der Autobranche: Die Bundesregierung hat sich gegen die von der Industrie geforderte Kaufprämie für Diesel und Benziner entschieden. Stattdessen werden Elektroautos und Plug-in-Hybride mehr gefördert. Die Autoaktien geben nach.

Die Titel von Daimler sind am Morgen größter Verlierer mit einem Minus von über fünf Prozent. Die Papiere von VW verlieren über drei Prozent, die Titel von BMW über zwei Prozent. Auch die Zulieferer-Aktien wie Conti, Hella und Schaeffler büßen deutlich ein.

Die Große Koalition hat zwar am späten Mittwochabend ein 130-Milliarden-Euro-Konjunkturpaket geschnürt, dabei aber die Autoindustrie nicht bevorzugt behandelt. Eine von den Autokonzernen und den "Autoländern" Niedersachsen, Baden-Württemberg und Bayern geforderte Kaufprämie auch für neuere Verbrennerantriebe wurde nicht beschlossen.

Höhere Prämien für E-Autos und Plug-ins

Stattdessen soll es mehr Zuschuss für Elektroautos geben. Bei der bestehenden Kaufprämie für Elektroautos verdoppelt der Bund seinen bisherigen Anteil auf 6.000 Euro und nennt dies nun "Innovationsprämie" statt "Umweltprämie". "Die Prämie der Hersteller bleibt davon unberührt", heißt es in der Einigung - sie beteiligen sich bisher mit bis zu 3.000 Euro an der Prämie. Der Anschub soll bis Ende 2021 befristet werden und gilt für Autos bis 40.000 Euro.

Um der E-Mobilität weiter zu helfen, soll zudem das Programm zum Aufbau von Ladesäulen, der Batteriezellfertigung und der Forschung um 2,5 Milliarden Euro ausgebaut werden. Alle Tankstellen sollen verpflichtet werden, auch Ladepunkte für E-Autos zur Verfügung zu stellen.

Mehrwertsteuer-Senkung soll Autokäufe anschieben

Die Bundesregierung glaubt, dass sie mit der zeitlich befristeten Mehrwertsteuer-Senkung von 19 auf 16 Prozent den Autokäufern genug Anreize gebe. Die Branche profitiere von der geplanten Senkung der Mehrwertsteuer, begründete CSU-Chef Markus Söder die Entscheidung der Großen Koalition.

Reformiert wird zudem die Kfz-Steuer: Spritschlucker wie SUVs werden höher belastet. Ab Januar 2021 sollen alle Besitzer von Autos mit einem Ausstoß von mehr als 95 Gramm CO2 stufenweise mehr zahlen.

Dudenhöffer: Kein Schub für die Autoindustrie

Nach Ansicht von Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer bringt das Konjunkturpaket keinen großen Schub für die Autoindustrie. Mit dem staatlichen Rabatt für die Elektroautos und Plug-in-Hybride fördere der Bund nur einen kleinen Teilmarkt. "Es fehlt der große Schub für die restlichen 90 Prozent, und genau die bewegen unsere Wirtschaft und unser Sozialprodukt", meint Dudenhöffer.

nb