Kaffeebohnen

JAB gegen Nestlé Der Kampf um die braune Bohne

von Notker Blechner

Stand: 26.07.2018, 06:45 Uhr

Der Kaffee-Markt ist derzeit kräftig in Bewegung. Ob Pads, Kapseln oder Espresso-Bohnen - Nestlé und der Reimann-Clan expandieren und liefern sich eine regelrechte Schlacht um die braune Bohne. Wer gewinnt den Kaffee-Krieg?

Mit Nescafé und Nespresso setzte der Schweizer Nahrungsmittelriese Nestlé Trends, die ihm die Vormachtstellung auf dem globalen Kaffee-Markt sicherten. Gut ein Fünftel des Weltmarkts dominiert Nestlé. Bei löslichem Kaffee liegt der Marktanteil der Nestlé-Marke Nespresso gar bei rund 50 Prozent.

Doch der Thron wackelt, die Konkurrenz kommt immer näher. Der größte Rivale, die JAB-Holding, die Beteiligungsgesellschaft der deutschen Unternehmerfamilie Reimann, hält inzwischen bereits 12 Prozent am weltweiten Kaffeemarkt und erwirtschaftet 9,5 Milliarden Euro mit der braunen Bohne.

JAB auf teurer Kaffeefahrt

In den letzten sechs Jahren hat JAB mehrere Millionen für die Einkaufstour auf der "Kaffeefahrt" ausgegeben. Die Beteiligungsgesellschaft schluckte die amerikanische Kaffeemarke Peet's, die holländische D.E. Master Blenders mit den bekannten Marken Senseo und Douwe Egberts sowie die Kaffeesparte von Mondelez mit der Marke Jacobs. Der größte Zukauf war die Übernahme des führenden US-Kapsel-Herstellers Keurig Green Mountain für knapp 14 Milliarden Dollar 2015.

"Wir wollen einen globalen Herausforderer aufbauen", sagt Peter Harf, Top-Manager der JAB Holding. Mit niedrigeren Preisen versucht der in Luxemburg ansässige Konzern Nestlés Dominanz zu brechen. Vor kurzem hat Jacobs eine Aluminium-Kaffeekapsel für 25 Cent auf den Markt gebracht - 11 Cent billiger als die Kapsel von Nespresso. Es droht ein Preiskrieg im Kaffeekapsel-Geschäft.

Nestlé kontert mit Starbucks-Deal

Nestlé: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Doch so einfach ist der Kaffee-Weltmarktführer nicht zu besiegen. Das Nestlé-Imperium hat inzwischen zurückgeschlagen. Binnen kurzer Zeit machten die Schweizer drei Deals im Kaffeegeschäft: sie kauften die Premiumkaffee-Kette Blue Bottle, die Bio-Kaffee-Marke Chameleon und im Juni für sieben Milliarden Dollar das Einzelhandelsgeschäft von Starbucks in den USA. Mit der neuen Kaffee-Marke will Nestlé neue Märkte erschließen und sein eigenes Angebot erweitern. Starbucks-Kapseln sollen bald in den Kapsel-Systemen von Nespresso und Dolce Gusto angeboten werden. Und im Laufe des nächsten Jahres könnte der Starbucks-Röstkaffee in die europäischen Supermärkte kommen.

Der neue Nestlé-Chef Mark Schneider sieht Kaffee als einer der zentralen vier Bereiche, die das Wachstum des Nahrungsmittel-Riesen wieder auf Niveaus von früher bringen sollen. Denn das Geschäft mit der Bohne boomt. Analysten rechnen mit jährlichen Wachstumsraten von sechs Prozent auf dem weltweiten Kaffee-Markt. Der Durst auf Kaffee ist ungebrochen: Der Konsum steigt jährlich um zwei Prozent.

Großes Potenzial in Schwellenländern

Gerade in Schwellenländern ist noch riesiges Potenzial. Die Chinesen und Inder trinken immer noch deutlich mehr Tee als Kaffee. Sobald auch diese auf den Koffein-Geschmack kommen, könnte der Markt noch stärker explodieren. Manche Experten  sehen Kaffee schon als das schwarze Gold.

Das Geschäft wachse nicht nur in den Emerging Markets, sondern auch durch den Trend zu immer höherwertigem Kaffee, meint Nestlé-Manager Carsten Fredholm. "Die Leute sind bereit, für gute Qualität zu bezahlen." Der Kampf um die braune Bohne dürfte also ungebremst weiter gehen…

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Vom Wohltäter zum Lebensmittel-Multi Die Nestlé-Geschichte

Unternehmensgründer Henri Nestlé

Unternehmensgründer Henri Nestlé: Der eigentliche Gründungsvater des Schweizer Nahrungsmittelkonzerns war… ein Deutscher. Der Frankfurter Apotheker Heinrich Nestle wanderte Mitte des 19. Jahrhunderts in die Schweiz aus. In Vevey am Genfer See tüftelte er an einem Mittel für Säuglinge, die nicht gestillt werden konnten. So erfand er das "farine lactée", das so genannte Kindermehl, eine Kombination aus Kuhmilch, Weizenmehl und Zucker.