Mit einer chinesischen Fahne bedecktes Auto

Studie von EY zur Autoindustrie im zweiten Quartal Jedes zweite Auto ging nach China

Stand: 10.09.2020, 08:44 Uhr

Die Pandemie hat der weltweiten Autoindustrie ein tiefrotes zweites Quartal beschert. Auch die Umsätze brachen dramatisch ein. Nur ein Konzern kann sich verbessern. Und ohne den chinesischen Markt wären die Zahlen noch verheerender ausgefallen.

Dass es der Autoindustrie schlecht geht, ist täglich an den Hiobsbotschaften über Stellenabbau und Werksschließungen zu lesen. Das Beratungsunternehmen EY hat nun erstmals Zahlen zur Umsatz- und Ergebnisentwicklung im zweiten Quartal veröffentlicht. Und die offenbaren das ganze Ausmaß der Krise in der besonders für Deutschland so wichtigen Branche.

Danach haben die 17 größten Autokonzerne der Welt im abgelaufenen Quartal insgesamt einen operativen Verlust von 10,8 Milliarden Euro eingefahren, nach einem positiven operativen Ergebnis von 21,8 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Als einziger Autobauer konnte Tesla sein Ergebnis verbessern.

"Einen derartigen Einbruch hat es noch nie gegeben"

Beim Umsatz war die Entwicklung noch dramatischer: Alle untersuchten Unternehmen verzeichneten Umsatzeinbußen, die von fünf Prozent (Tesla) bis 57 Prozent (Mitsubishi) reichten. Die deutschen Konzerne verbuchten zusammen einen Umsatzrückgang um 32 Prozent, im Durchschnitt lag der Umsatzrückgang der analysierten Unternehmen bei 41 Prozent. Die französischen und die US-Konzerne mussten sogar Einbußen von knapp 50 Prozent hinnehmen.

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"Einen derartigen Einbruch bei Umsatz, Gewinn und Absatz hat es noch nie gegeben", erklärt Constantin M. Gall, Leiter des Bereichs Automotive & Transportation bei EY. Die Pandemie habe die weltweite Automobilindustrie zeitweise fast zum Stillstand gebracht – mit entsprechend katastrophalen Folgen für die Umsatz- und Gewinnentwicklung.

Besonders heftig war der Einbruch in Westeuropa, wo der Absatz um 53 Prozent zurückging. In den USA lag das Minus bei 34 Prozent. Einziger Lichtblick im zweiten Quartal war China. Dort gelang ein kleines Absatzplus von einem Prozent, nachdem allerdings wegen des Lockdowns im ersten Quartal ein überdurchschnittlich starker Rückgang von 38 Prozent verzeichnet worden war.

China wichtigste Stütze für deutsche Autobauer

Der zwanzigmillionenste VW läuft in China vom Band

Der zwanzigmillionenste VW läuft in China vom Band. | Bildquelle: imago images / Xinhua

Im zweiten Quartal entwickelte sich der chinesische Absatzmarkt zum wichtigsten Stützpfeiler der Autobranche – besonders der deutschen Hersteller. Die drei deutschen Autokonzerne konnten ihren Absatz dort um fünf Prozent steigern, während der chinesische Gesamtmarkt nur um zwei Prozent stieg. Dadurch kletterte der Anteil Chinas am weltweiten Absatz der deutschen Autobauer von 33 auf 51 Prozent.

"Nie war der chinesische Markt so wichtig für die Automobilindustrie wie in diesen Monaten", betont Peter Fuß, Partner bei EY. Die starke Präsenz in China und die gute Entwicklung auf dem dortigen Markt habe auch dafür gesorgt, dass der weltweite Absatzrückgang bei den deutschen Autokonzernen mit 32 Prozent weniger heftig ausfiel als bei den meisten anderen großen Autokonzernen.

Viele Tausend Arbeitsplätze in Gefahr

Eine V-förmige Erholung dürfte es in der Branche nicht geben. Das dritte Quartal werde zwar deutlich besser ausfallen als das zweite, prognostizieren die EY-Experten, doch wegen der mit Elektrifizierung verbundenen Investitionen dürften sich die Margen nur langsam erholen, der Absatz werde frühestens 2022 wieder das Vorkrisenniveau erreichen.

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Jetzt komme alles auf den Prüfstand, sagt Gall: "Investitionen, die nicht unbedingt nötig sind, werden verschoben. Und die Konsolidierung beschleunigt sich – diese Krise werden nicht alle Autohersteller und erst recht nicht alle Zulieferer überleben.“ Die Konzerne würden näher zusammenrücken und sehr viel enger zusammenarbeiten müssen als bisher.

Auch Arbeitsplatzverluste im großen Stil seien unvermeidlich. Erste Auswirkungen zeigen sich bei den Zulieferern wie Continental und Schaeffler, die bereits den Abbau von vielen Tausend Arbeitsplätzen angekündigt haben. Das große Erwachen werde aber erst im nächsten Jahr kommen, so EY-Experte Fuß. Dann werde es eine brutale Auslese geben.

Übrigens war Tesla im zweiten Quartal mit einer Marge von 5,4 Prozent der profitabelste Autokonzern der Welt vor Hyundai (2,7 Prozent).

lg