Automarkt

"Personalanpassungen" stehen an IW-Studie: Autoindustrie kein Wachstumsmotor mehr

Stand: 07.09.2020, 09:41 Uhr

Die deutsche Automobilindustrie hat ihre Rolle als Wachstumsmotor in Deutschland eingebüßt. Das ist das Ergebnis einer Branchenstudie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW). Die Experten prophezeien harte Anpassungen an die neue Realität.

Die Corona-Pandemie habe "die Autoindustrie im Branchenvergleich hart getroffen", lautet ein Fazit der IW-Studie. Zunächst seien die globalen Lieferketten von einem Angebotsschock getroffen worden. "Jetzt ist die Branche mit einem Nachfrageschock konfrontiert, von dem sie sich nur langsam wieder erholt", heißt weiter.

Erschwert werde die Situation dadurch, dass bereits hohe Überkapazitäten existierten und der technologische Wandel die Geschäftsergebnisse belaste. "In der Folge steht die Autoindustrie erstmals nach einem Jahrzehnt wieder vor spürbaren Personalanpassungen und wird als Wachstumslokomotive für den Standort Deutschland zunächst ausfallen", stellen die Autoren fest.

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Corona wirkt verstärkend

Die Pandemie wirke laut IW-Studie in mancher Hinsicht verstärkend, da sie eine Branche getroffen habe, die sich bereits in einem Anpassungsprozess befunden habe: "Das erste Halbjahr 2020 war auch für die deutschen Autohersteller ein wirtschaftliches Desaster."

Die IW-Experten blicken zurück: "Im Jahr 2017 sorgte die weltweite Nachfrage nach Produkten der deutschen Automobilindustrie für fast 10 Prozent der gesamten Bruttowertschöpfung in Deutschland. Etwas mehr als 7 Prozent aller Beschäftigungsverhältnisse waren direkt oder indirekt hierauf zurückzuführen."

Fast leerer Großparkplatz, kaum Neuzulassungen

Autoflaute wegen Corona: Verkaufszahlen brechen ein. | Bildquelle: colourbox.de

Die vorangegangene goldene Dekade habe im Lauf des Jahres 2018 geendet. "Schon im Jahr 2019 schrumpfte der Weltmarkt für Automobile. Hinzukommt der voranschreitende Technologiewandel hin zum elektrischen Antriebsstrang, der insbesondere die kleinen und mittelständischen Betriebe der Zulieferindustrie vor Herausforderungen stellt."

Gutes Timing für das Herz der Industrie

Die IW-Studie erscheint einen Tag vor Beginn des Autogipfels am Dienstag, wo sich Vertreter der Automobilindustrie im Kanzleramt mit der Bundesregierung und Ländervertretern treffen. Die Mitglieder des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) seien rund 110 Wirtschafts- und Arbeitgeberverbände in Deutschland sowie Einzelunternehmen, heißt es auf der IW-Homepage.  

Markus Söder, Bayerischer Minister der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat

Bayerischer Finanzminister Markus Söder. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Die CSU forderte im Vorfeld bereits weitere Hilfen für das "Herz der Industrie", wie CSU-Chef Markus Söder die Branche bezeichnet und will die Autoindustrie mit weiteren zehn Milliarden Euro für Batteriezellforschung und -produktion in Deutschland anschieben. Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht hingegen keinen Ergänzungsbedarf zum bestehenden Konjunkturpaket.

ts