Technologie

Nokia 9000 Communicator

20 Jahre Smartphone Ist die Zeit der Edel-Handys vorbei?

Stand: 15.08.2016, 13:51 Uhr

Am 15. August 1996 präsentierte Nokia mit dem "9000 Communicator" das erste Smartphone der Welt. Nach 20 Jahren erstarken jetzt die Billiganbieter. Für Apple wird es langsam enger.

Ereilt Apple das gleiche Schicksal wie Nokia? Eine Frage, die man sich durchaus stellen kann. Die Finnen waren zwar die ersten mit einem Gerät, das wir heute als Smartphone bezeichnen, die Handysparte ist zwischenzeitlich aber an Microsoft verkauft und von den Amerikanern komplett aufgelöst worden. In nicht einmal neun Jahren nach der Veröffentlichung des ersten Apple iPhone existiert die Sparte für Mobiltelefone beim damaligen Weltmarktführer Nokia de facto nicht mehr. Allerdings könnte das Unternehmen bald auf die Bühne zurückkehren.

Herber Rückschlag für Apple

Das erste iPhone, damals vorgestellt von Apples Gründervater Steve Jobs, hat den Markt für Mobiltelefone komplett auf den Kopf gestellt. Bis zum April dieses Jahres hat das iPhone dem Konzern jedes Jahr noch größere Umsätze und noch höhere Gewinne beschert. Doch dann war Schluss. Erstmals seit 13 Jahren musste Apple-Chef Tim Cook für sein Unternehmen einen Einnahmenrückgang vermelden. Und der fiel mit satten 13 Prozent mehr als deutlich aus. Der Aktienkurs stürzte daraufhin bis Ende April um rund neun Prozent auf unter 94 Dollar ab. Im Quartalsbericht vom 26. Juli 2016 stehen noch mal 27 Prozent Einnahmenminus. Analysten hatten im Vorfeld allerdings ein noch schlechteres Ergebnis erwartet, weshalb sich der Kurs daraufhin wieder leicht erholte.

Apple wurde mittlerweile von seinem größten Konkurrenten Samsung überholt. Die Südkoreaner beherrschen inzwischen rund ein Viertel des Weltmarkts für Smartphones und verkünden parallel noch Umsatzrekorde dank des neuen Galaxy-S7-Modells. Apple hat nur noch knapp 15 Prozent Marktanteil. Und die Billiganbieter holen weiter auf. Nach Berichten des Marktforschungsunternehmens Gartner stieg der weltweite Umsatz mit Smartphones Anfang 2016 zwar um knapp vier Prozent, profitieren konnten davon aber vor allem die chinesischen Anbieter mit deutlich günstigeren Modellen.

Apple ist vom iPhone abhängig

Für die Konzernoberen sind diese Zahlen zumindest diskussionswürdig. Denn nicht nur viele Kunden scheinen vom iPhone abhängig zu sein. Apple machte 2015 mehr als 60 Prozent seines Umsatzes mit dem Mobiltelefon. Der Einnahmenrückgang vom April ist deshalb auch zum größten Teil im verlangsamten Smartphonegeschäft zu finden. Als Steve Jobs 2007 in Cupertino das erste iPhone präsentierte, erzielte Nokia nur knapp 50 Prozent seines Umsatzes mit Mobiltelefonen.

Umsatzbringer Apple

Apples Umsatzbringer. | Bildquelle: Visual Capitalist, Grafik: boerse.ARD.de

Deutsche wollen langlebigere Smartphones

Pünktlich zum 20. Geburtstag des Smartphones veröffentlicht das Marktforschungsinstitut Ipsos Mori im Auftrag von Greenpeace eine Umfrage zum Kaufverhalten der Kunden. Demnach wünschen sich die Kunden, dass die Hersteller künftig seltener neue Geräte auf den Markt bringen. Wie die Grafik von Staitsta zeigt, sind die Befragten in den Industrieländern der Ansicht, es kämen im Jahr zu viele neue Smartphonemodelle auf den Markt. In Deutschland gab sogar ein Drittel der Befragten an, die kurzen Zyklen würden sie zu sehr unter Druck setzen, ständig ihre vermeintlich veralteten Geräte durch neue zu ersetzen. Und das, obwohl von Version zu Version kaum noch technologische Weiterentwicklungen stattfinden. Sowohl Samsung als auch Apple veröffentlichen einmal im Jahr ein neues oder ein verbessertes Modell.

Zustimmung zur Aussage, dass Hersteller zu viele neue Modelle pro Jahr veröffentlichen

Zu viele neue Smartphones?. | Bildquelle: Statista, Montage: boerse.ARD.de

Nach einem Bericht der japanischen Wirtschaftszeitung "Nikkei" soll Apple aber bereits seit Monaten planen, künftig nur noch alle drei Jahre ein neues Smartphone zu verkaufen. Begründet wird das genau mit diesen fehlenden technischen Innovationen, aber auch mit der sinkenden Nachfrage. Von Samsung sind bisher keine vergleichbaren Pläne bekannt.

Ein alter Bekannter

Trotz eines zunehmen schwieriger werdenden Weltmarkts für Smartphones macht Nokia offenbar Anstalten, in den Kreis der Hersteller zurückzukehren. Ob es in den höherpreisigen Sektor gehen soll oder sich die Finnen mit den chinesischen Billiganbietern messen wollen, ist noch nicht bekannt. Durch eine Verlängerung der Produktzyklen bei Apple könnte für den einstigen Weltmarktführer aber eine Lücke entstehen, auf die Samsung sicher auch schon ein Auge geworfen haben dürfte.

Der Rattenschwanz sinkender Absatzzahlen

Zumindest fraglich ist, ob Apple seinen Marktanteil behaupten kann, wenn die regelmäßig gehypten Apple-Präsentationen neuer Geräte demnächst weiter auseinander liegen und die Kunden weiter zu billigeren Produkten tendieren. Und unter längeren Produktzyklen könnte nicht nur Apple leiden, sondern auch die sehr zahlreichen Zulieferer. Für September wird jetzt erstmal die Veröffentlichung des neuen iPhone 7 erwartet. Vielleicht hat sich auch deshalb der Kurs der Apple-Aktie stabil bei rund 108 Dollar eingependelt. Es ist also definitiv zu früh, um vom schlimmst möglichen Ausgang auszugehen.

mb

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Nokia - vom Gummistiefel zum Netzwerk Die bewegte Geschichte

Erstes Logo von Nokia von 1865 und Porträt des Gründers Fredrik Idestam

Unten am Fluss
Die Geschichte von Nokia beginnt für einen Handykonzern recht früh - nämlich bereits 1865. Damals baute der Ingenieur Fredrik Idestam in Tampere im Südwesten Finnlands eine Papierfabrik. Ein paar Jahre später entstand eine zweite in der Nähe des Flusses Nokianvirta - daher auch der Konzern-Name "Nokia".