Nächtliche Großbaustelle mit Kränen

Stadt, Land, Fluss Investieren in Infrastruktur

von Notker Blechner

Stand: 04.09.2018, 14:58 Uhr

Der Einsturz der Autobahnbrücke in Genua zeigt, wie marode die Infrastruktur in vielen Teilen der Welt ist. In den nächsten Jahren müssen Billionen in die Sanierung von Straßen, Stromnetzen und Wasserrohre investiert werden. Anleger können an dem lukrativen krisenfesten Geschäft partizipieren.

Eingestürzte Autobahnbrücke Morandi in Genua

Eingestürzte Autobahnbrücke Morandi in Genua. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Noch sitzt der Schock in Italien tief. 43 Menschen starben, als die Brücke in Genua plötzlich zusammenbrach und sie in ihren Autos in die Tiefe riss. Doch: Genua ist überall. Was in der italienischen Hafenstadt passierte, könnte sich auch an anderen Orten der Welt wiederholen.

In Italien sind in den vergangenen Jahren mehrfach kleinere öffentliche Brücken eingestürzt wegen Geldmangels, mangelhafter Bauaufsicht und des Einflusses der Mafia. Auch in anderen Ländern gibt es "Problem-Brücken". In Frankreich zum Beispiel sind hunderte Brücken marode. Vor kurzem musste eine Autobahnbrücke nördlich von Paris gesperrt werden.

Jede deutsche achte Brücke ist marode

Selbst in Deutschland haben einige Brücken Mängel. Laut Daten des Bundesverkehrsministeriums sind rund zwölf Prozent der Brücken in einem nicht ausreichenden Zustand, zwei Prozent in einem ungenügenden Zustand. Das heißt: Nahezu jede achte Brücke ist marode. Freilich: Ein Unglück wie in Genua könnte in Deutschland nicht passieren, betont das Ministerium. Die 39.600 Brücken würden regelmäßig überprüft, heißt es aus Berlin.

Die deutsche Straßeninfrastruktur ist alljährlich ein Dauer-Aufreger. Gesperrte Brücken, große Schlaglöcher und zahlreiche Baustellen erzürnen die Autofahrer. Politiker und Parteien fordern Milliarden-Investitionen zur Sanierung der in die Jahre gekommenen Autobahnen und Straßen.

Besonders viel Handlungsbedarf gibt es in Amerika. US-Präsident Donald Trump hat schon im Wahlkampf ein umfassendes Programm zur Modernisierung der Infrastruktur angekündigt. Gut 1,5 Billionen Dollar sollen in den kommenden Jahren in die Sanierung maroder Straßen, Brücken und Bahnlinien investiert werden. Noch ist aber die Finanzierung unklar. Washington beteiligt sich nur mit 200 Milliarden Dollar, den Rest sollen private Investoren, die Bundesstaaten und die Städte aufbringen.

Weltweit Billionen-Investitionen notwendig

Nicht nur in den USA und Europa, sondern auch in den Schwellenländern ist der Bedarf groß. Die OECD hält bis 2030 Investitionen von 71 Billionen Dollar in die Infrastruktur für notwendig. Dirk Rogowski, Geschäftsführer von Veritas Investment, das einen Infrastruktur-Fonds aufgelegt hat, spricht gar von einem Bedarf von rund 94 Billionen Dollar bis 2040. Der Anstieg der Weltbevölkerung, die fortschreitende Urbanisierung und die Entwicklung der digitalen Gesellschaft verlangen enorme Investitionen. "Es besteht bis 2040 eine riesige Investitionslücke von 15 Billionen Dollar, die die öffentliche Hand nicht stopfen kann", glaubt Rogowski.

Fast die Hälfte der Infrastruktur-Investoren dürfte in den Aufbau und die Verbesserung des Transportwesens - also Straßen, Zugschienen, Bahnhöfe, Flughäfen und Häfen - fließen. Schon jetzt, so Rogowski, müssten 31,7 Millionen Kilometer Straßen weltweit instand gehalten werden. "Das ist 40 Mal zum Mond hin und zurück."

Großer Bedarf für Energie-Infrastruktur

Auch bei der Energie-Infrastruktur besteht ein riesiger Investitionsbedarf. Momentan haben noch immer 1,1 Milliarden Menschen keine direkte Stromversorgung. Bis 2030 soll laut den UN-Zielen jeder Mensch Zugang zu Elektrizität haben. Zudem steigt die globale Energienachfrage in den kommenden beiden Jahrzehnten um 40 Prozent. Daher sind neue Versorgungs- und Transportrouten nötig.

Bei der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung gibt es ebenfalls noch großen Nachholbedarf. Bis 2030 würden Investitionen von 7,5 Billionen Dollar benötigt, meinen Experten. Laut WHO haben 663 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.

China baut die Neue Seidenstraße

Besonders aktiv beim Ausbau der Infrastruktur ist derzeit China. Das Reich der Mitte treibt die neue Seidenstraße mit neuen Land- und Seerouten voran, die nach Europa und Afrika führen und bis 2049 fertiggestellt sein soll. Das Investitionsvolumen liegt bei 900 Milliarden Dollar.

Das Billionen-Geschäft lockt viele Unternehmen, Banken Versicherungen und Pensionskassen an. Sie beteiligen sich am Bau und Betrieb von Flughäfen, Maut-Autobahnen, Gas-Kraftwerken und Kläranlagen.

Mehrere Infrastruktur-Fonds für Privatanleger

Privatanleger können am Infrastruktur-Boom partizipieren - beispielsweise über direkte Investitionen in Aktien von Flughafen-, Autobahn-, Pipeline-Betreibern sowie Strom- und Wasserversorgern. Wem das zu riskant ist, der kann sein Geld in breit gestreute Infrastruktur-Fonds anlegen. Es gibt eine Reihe von Fondsgesellschaften, darunter Macquarie, Franklin Templeton, First State und Veritas Investment, die solche Fonds anbieten. Diese werfen jährlich solide Renditen ab. Der Global Infrastructure von First State schaffte auf Zehn-Jahres-Sicht eine jährliche Performance von knapp neun Prozent.

Die Infrastruktur-Firmen hätten mehrere Vorteile, betonen die Fondsanbieter. So seien sie relativ konjunkturunabhängig. Denn Straßen, Wasser-, Strom- und Telekom-Netze würden auch in schlechten Wirtschaftszeiten gebraucht. Zudem sei die Volatilität von Infrastruktur-Aktien relativ gering. Die Unternehmen verfügten über stabile Cash Flows, da Nutzungs- und Dienstleistungsverträge meist langfristig geschlossen werden.

Tatsächlich haben Infrastruktur-Fonds den Börsenturbulenzen weitgehend getrotzt. Während der FTSE Global All Cap 2011 um über sieben Prozent nachgab, verzeichnete der Ve-RI Listed Infrastructure von Veritas ein Plus von rund 15 Prozent. Ähnlich war es 2015: Der Veritas-Infrastruktur-Fonds schaffte in diesem Jahr einen Wertzuwachs von fünf Prozent, der FTSE Global All Cap hingegen gab leicht nach.

Politische Abhängigkeit als Risiko

Allerdings zeigt das Unglück von Genua, dass auch Autobahn-Betreiber massiven Risiken ausgesetzt sind. Die Aktien von Atlantia sind nach dem Brückeneinsturz um gut ein Drittel abgestürzt. Denn die Atlantia-Tochter Autostrade, das mehr als die Hälfte aller italienischen Mautstraßen betreibt, soll möglicherweise verstaatlicht werden.

Insofern bleiben Infrastruktur-Firmen letztlich politisch abhängig. Welche Folgen das haben kann, mussten die großen französischen Wasserversorger Suez und Veolia erfahren. Sie büßten mehrere teuer erworbene Konzessionen für die private Wasserversorgung in Millionen-Metropolen wie Berlin und Buenos Aires ein.

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Autobahnen im Depot Infrastruktur-Aktien und -Fonds

<strong>First State Global Listed Infrastructure A </strong><br/>Zu den besten Infrastruktur-Fonds zählt der Global Infrastructure von First State. Er hat seit seiner Auflage vor gut zehn Jahren eine Performance von 111 Prozent geschafft. Auf Sechs-Monats-Sicht beträgt das Plus 7,5 Prozent. Der Fonds ist wenig schwankungsanfällig. Die Ein-Jahres-Volatilität liegt bei lediglich etwas über neun Prozent. First State investiert in Aktien von Mautstraßen-, Eisenbahn-, Flughäfen, Satelliten- und Mobilfunknetz-Betreiber. Die größten Positionen im Portfolio sind derzeit der US-Versorger Dominian und Transurban, das Mautstraßen in Australien und Nordamerika betreibt.: Kursverlauf am Börsenplatz Fonds für den Zeitraum 5 Jahre

First State Global Listed Infrastructure A
Zu den besten Infrastruktur-Fonds zählt der Global Infrastructure von First State. Er hat seit seiner Auflage vor gut zehn Jahren eine Performance von 111 Prozent geschafft. Auf Sechs-Monats-Sicht beträgt das Plus 7,5 Prozent. Der Fonds ist wenig schwankungsanfällig. Die Ein-Jahres-Volatilität liegt bei lediglich etwas über neun Prozent. First State investiert in Aktien von Mautstraßen-, Eisenbahn-, Flughäfen, Satelliten- und Mobilfunknetz-Betreiber. Die größten Positionen im Portfolio sind derzeit der US-Versorger Dominian und Transurban, das Mautstraßen in Australien und Nordamerika betreibt.