Spiegelnde Immobilie in einer Hochhausfassade

Immo-Aktien und Fonds trotzen der Krise Immobilienbranche - Fels in der Brandung?

Stand: 23.03.2020, 17:48 Uhr

Zu den wenigen Aktien, die relativ resistent gegenüber der Coronavirus-Krise sind, zählen die Immobilientitel. Sie verloren deutlich weniger als der Gesamtmarkt. Auch Immobilienfonds bleiben gefragt. Wie lange bleibt das noch so?

Welche Dax-Aktie hat sich seit Jahresbeginn am besten geschlagen? Vonovia. Der Kurs der Wohnimmobilienfirma hat seit Anfang Januar lediglich 15 Prozent verloren, während der Dax um gut 35 Prozent absackte. Auch in der zweiten und dritten Börsenreihe MDax und SDax hielten sich die Verluste der Immo-Aktien in Grenzen.

Corona lässt Vonovia kalt

Vonovia sieht keine negativen Auswirkungen der Corona-Krise auf sein Geschäft. Die Krise beeinträchtige das Mietwachstum nicht, das habe sich auch schon während der Finanzkrise 2008/09 gezeigt, betonte der Dax-Konzern. Zudem habe das Geschäftsmodell von Vonovia keine relevante Lieferkette, die durch die Ausbreitung des Coronavirus unterbrochen werden könne.

Immo-Fonds verzeichnen Zuflüsse

Nicht nur Immobilienaktien, sondern auch offene Immobilienfonds können momentan noch einigermaßen dem Negativtrend trotzen. Nach Beobachtung von Scope gab es zuletzt keine nennenswerten Abflüsse in dieser Anlageklasse. Zahlreiche Fonds hätten in den letzten Wochen sogar Netto-Mittelzuflüsse erzielt.

Das war anders bei der Finanzkrise. Damals zogen Anleger massiv Gelder aus den offenen Immobilienfonds ab - und brachten sie in Liquiditätsschwierigkeiten. Viele der Fonds mussten schließen. Die Branche zog aus dem Imageschaden ihre Lektion: 2013 wurde eine Mindesthaltedauer von zwei Jahren und eine einjährige Kündigungsfrist eingeführt. Diese Regelung scheint sich nun in der Corona-Krise zu bewähren.

"Krisensicherste Assetklasse"

Die Immobilienbranche sieht sich von der Corona-Krise kaum betroffen. "Wohnimmobilien sind eine der krisensichersten Assetklassen", meint der Immobilien-Dienstleister Colliers International. Felix von Saucken, Leiter des Wohnbereichs, glaubt, dass die Assetklasse stabil aus der Coronakrise hervorgehen werde. Derzeit beobachtet Colliers keine großen Preisschwankungen oder gar Notverkäufe auf dem Immobilienmarkt. Gerade Family Offices hätten noch ausreichend Liquidität, um in diesen Bereich zu investieren. "Je größer die Unruhe in der Bevölkerung wird, desto größer wird die Nachfrage", glaubt von Saucken.

Nicht so optimistisch sind die meisten Marktakteure. Der aktuelle Immobilienstimmungsindex der Deutsche Hypo ist eingebrochen. Der Index für Wohnimmobilien sank um neun Prozent auf 127,9 Punkte. Lediglich bei Büroimmobilien blieb die Stimmung unverändert.

Kühlt der Immobilienboom ab?

Tatsächlich könnten zunehmende Mietausfälle die Renditeaussichten für deutsche Wohnimmobilien verschlechtern. Experten rechnen damit, dass der eine oder andere Kunde sein Hypothekendarlehen nicht bedienen kann. Auch wenn es hierzulande nicht zu einer Immobilienkrise wie in den USA 2008 kommen dürfte, könnte der Rückgang der wirtschaftlichen Leistung in Deutschland und der Entzug von Liquidität die Preisentwicklung dämpfen, schreibt das Immobilieninstitut Empirica.

Stefan Mitropoulos von der Landesbank Helaba glaubt, die heißeste Phase am Immobilienmarkt könnte vorbei sein. Alle Immobilienzyklen in Deutschland hätten in den vergangenen Jahrzehnten mit einer Rezession geendet, sagt der Ökonom. Wohnungskäufe seien von positiven Einkommenserwartungen abhängig: "Wer wirtschaftlich schwierige Zeiten erwartet, verschuldet sich nicht mit Hunderttausenden Euro."

Düstere Aussichten für die Gewerbeimmobilien-Branche

Am stärksten unter der Corona-Krise dürfte freilich der Gewerbeimmobilien-Bereich leiden, besonders Einzelhandels- und Hotelimmobilien. Im Nicht-Lebensmittel-Einzelhandel droht in den nächsten Wochen und Monaten eine Pleitewelle von historischem Ausmaß.

nb