AB InBev-Chef Carlos Brito

Größter Bierbrauer der Welt Hat sich Anheuser-Busch InBev verschluckt?

von von Lothar Gries

Stand: 16.11.2018, 06:45 Uhr

Fast jedes dritte weltweit verkaufte Bier kommt aus demselben Konzern. Über Jahrzehnte hat der in Belgien ansässige Brauer InBev einen Wettbewerber nach dem anderen geschluckt. Vor zehn Jahren war es der Amerikaner Anheuser-Busch. Doch dieses Geschäftsmodell zieht nicht mehr.

Glaubt man den Prognosen einiger Experten, dürfte der Marktanteil des im flämischen Löwen ansässigen weltgrößten Bierbrauers in den kommenden Jahren kontinuierlich schrumpfen, weil in den USA sowie in den krisengeschüttelten Ländern Lateinamerikas, allen voran in Brasilien und Mexiko, der Bierkonsum stetig sinke. Zudem buhlten immer mehr Mikrobrauereien um die Gunst der Kunden. Keine guten Aussichten also für AB InBev mit seinen Marken wie Corona, Beck's oder Budweiser.

Dieser schleichende Niedergang spiegelt sich auch in den Bilanzen und Bewertungen wider. So ist das Ergebnis je Aktie im dritten Quartal mit 1,16 Dollar einen Tick niedriger ausgefallen als im gleichen Zeitraum des Vorjahres, als noch 1,19 Dollar erreicht wurden.

Aktienkurs auf Talfahrt

Auch der Aktienkurs schmilzt wie Eis in der Sonne. Zwar ist das Unternehmen mit einem Marktwert von rund 127 Milliarden Euro immer noch immer soviel wert wie die 19 anderen im Brüsseler Leitindex notierten Firmen, doch vor drei Jahren war die Bewertung von AB InBev noch doppelt so hoch. Allein seit Jahresbeginn ist der Kurs um 30 Prozent gesunken - deutlich mehr als der Gesamtmarkt.

Im September hatten Analysten von Morgan Stanley mit der Empfehlung für Unruhe gesorgt, AB InBev solle sich lieber um den Abbau der Schulden kümmern, als seine Erträge vollständig in Form von Dividenden auszuzahlen. Das Unternehmen kündigte nun an, die Dividende in diesem Jahr auf 1,80 Dollar zu kürzen, nach 2,00 Dollar für das Jahr 2017.

Größter Bierbrauer mit höchster Verschuldung

Größter Bierbrauer mit höchster Verschuldung. | Bildquelle: Bloomberg, Grafik: boerse.ARD.de

Sinkt die Kreditwürdigkeit?

Marktexperten sorgen sich, dass AB InBev seine gute Kreditwürdigkeit (derzeit mit der Note A-) verlieren könnte, falls es seine in den vergangenen Jahren angehäuften Schulden nicht rasch abbaue. Tatsächlich hat die Agentur Moody's Anfang Oktober die Bonität des Bierriesen unter Beobachtung gestellt, was Analysten als Vorboten für eine mögliche Herabstufung deuteten.

Wer ist Anheuser Busch InBev?

Wer ist Anheuser Busch InBev?

Die Keimzelle des weltgrößten Braukonzerns ist der brasilianische Brauer AmBev. Als AmBev 2004 eine Kreuzbeteiligung mit der belgischen InBev einging, war die Basis für die Gründung von AB InBev gelegt. Im Hintergrund zog der Brasilien-Schweizer Jorge Paulo Lemann die Fäden bei der Fusion. Vier Jahre später kaufte InBev den US-amerikanischen Weltmarktführer Anheuser-Busch. 2016 kam SAB Miller hinzu. Bei den Übernahmen konnte das überwiegend brasilianische Management um Carlos Brito die Banken und Investoren immer mit der gleichen Erfolgsgeschichte von AmBev in Brasilien überzeugen. Die Kunst der Manager bestand vor allem darin, nach den Übernahmen die Kosten zu senken und gleichzeitig höhere Preise durchzusetzen. Solange sie permanent Unternehmen übernehmen konnten, funktionierte dieses Modell bestens. Doch damit ist es nun wohl vorbei: Wegen seiner Marktdominanz dürfte wohl kaum eine Kartellbehörde dem Konzern weitere Übernahme von Großkonkurrenten, etwa der holländischen Heineken-Gruppe, genehmigen.

AB InBev-Bierdosen mit Budweiser-Schriftzug

AB InBev-Bier Budweiser. | Bildquelle: Imago

Mit 109 Milliarden Dollar ist der Braukonzern so stark verschuldet wie kein anderer in der Lebensmittelbranche – keine gute Ausgangsposition in Zeiten steigender US-Zinsen. Angehäuft wurde der Schuldenberg im wesentlichen durch den 2016 vollzogenen Kauf der weltweiten Nummer zwei SAB Miller für rund 100 Milliarden Euro.

Milliardenschwere Synergien

Hat sich AB InBev damit etwa verhoben? Patrick Casselman, Finanzanalyst bei BNP Paris Fortis, ist eher positiv gestimmt. Die Übernahme von SAB Miller habe AB InBev gut verdaut. Der Kurs sei genug gefallen, die Risiken inzwischen ausreichend eingepreist.

Er erwartet deshalb wieder anziehende Gewinne. Ermöglicht werden dürfte dies durch die verstärkte Ausrichtung auf Premiumbiere in Kombination mit den aus der Übernahme von SAB herrührenden Einsparungen und Synergien von insgesamt 3,2 Milliarden Dollar.

Mehr alkoholfreie Biere

Zudem habe der aus Brasilien stammende Carlos Brito auch die veränderten Marktbedingungen im Blick. So hat AB InBev zuletzt vermehrt kleinere Brauereien aufgekauft, darunter Wicked Weed Brewing aus North Carolina. Damit soll der Marktanteil im Geschäft mit Craft-Bieren ausgeweitet werden.

AB InBev-Chef Carlos Brito

AB InBev-Chef Carlos Brito. | Bildquelle: Imago

Bisher ohne messbaren Erfolge. Bis zuletzt gingen die Zahlen in den USA, wo der Konzern 25 Prozent seiner Gewinne und ein Fünftel seines Umsatzes erzielt, weiter zurück. In den ersten neun Monaten ging das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um 4,8 Prozent zurück. Die Bruttomarge sank um sechs Prozent auf 39,9 Prozent. In Brasilien dagegen ist der Verfall zunächst gestoppt. Im dritten Quartal kletterte das Ebitda um 13,8 Prozent, obwohl die Einnahmen nur um 2,1 Prozent wuchsen.

Mit einem ganzen Bündel an Maßnahmen will Brito das Geschäft deshalb weltweit ankurbeln. So soll der Absatzanteil alkoholfreier und alkoholreduzierter Getränke bis 2025 von derzeit acht auf rund 20 Prozent angehoben werden. Auch die Marketingaktivitäten werden verstärkt. Dabei will der Konzern stärker um Bier trinkende Frauen werben.

Kursverfall übertrieben?

Zudem erwartet das Unternehmen, dass das Wachstum der kleineren Spezial-Brauereien deutlich nachlässt. In 2017 legte der Gesamtausstoß nur noch um fünf Prozent zu, in diesem Jahr dürfte es noch weniger sein. Marktbeobachter sprechen von einem abflauenden Hype.

Hellen sich also die Aussichten für AB InBev bald wieder auf? Die Analysten sind überwiegend positiv gestimmt. Der klare Kursverfall seit Juli aufgrund der Sorgen um steigende Kosten, eine schwindende Bilanz und Dividendenkürzungen seien übertrieben, schrieb Analyst Andrea Pistacchi von der Deutschen Bank. Sie hält die Fundamentaldaten weiterhin für attraktiv.

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Die weltgrößten Bierbrauer Von AB InBev bis Molson Coors

AB InBev-Bierdosen mit Budweiser-Schriftzug

Anheuser-Busch InBev
Angeführt wird die Liste der weltgrößten Brauereien von Anheuser-Busch InBev. Fast jedes dritte weltweit verkaufte Bier stammt mittlerweile aus dem belgisch-brasilianisch-amerikanischen Konzern. Das Unternehmen besitzt über 200 Marken wie Budweiser, Beck's oder Hasseröder. 2003 übernahm InBev die Spaten-Löwenbräu-Gruppe. Der letzte große Coup war im Oktober 2015 die Übernahme der weltweiten Nummer 2 SABMiller für fast 100 Milliarden Euro.