Ryanair-Maschinen auf dem Vorfeld des Flughafens Hahn
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Streiks und Ölpreisexplosion brocken Gewinneinbruch ein Harte Landung für Ryanair

von von Notker Blechner

Stand: 22.10.2018, 08:09 Uhr

Die Streiks und die deutlich gestiegenen Kerosin-Preise haben den irischen Billigflieger hart getroffen. Im ersten Halbjahr sank erstmals seit fünf Jahren der Gewinn. Nun droht auch noch ein harter Brexit. Er könnte die ganze Luftfahrt-Branche durcheinanderwirbeln.

Jahrelang war Ryanair-Chef Michael O'Leary der große Spaßvogel in der Luftfahrtbranche. Er witzelte über Air Berlin als Pleitekandidat, machte sich über die Lufthansa-Billigtochter Eurowings lustig und spottete über dicke oder blöde Kunden. Inzwischen aber ist dem 57-jährigen Iren der Spaß vergangen.

Ende der Rekordjagd

Kursverlauf Brent, 01.07.2017 bis 19.10.2018

Ölpreis im Höhenflug. | Bildquelle: boerse.ARD.de

Nach mehreren Rekordjahren in Folge weht dem Billigflieger heftiger Gegenwind entgegen. In der ersten Hälfte des Geschäftsjahrs 2018/19 schrumpftte der Gewinn um sieben Prozent auf 1,20 Milliarden Euro. 2018/19 wird Ryanair vermutlich erstmals seit fünf Jahren weniger Gewinn einfliegen. Die Prognose wurde auf 1,1 bis 1,2 Milliarden Euro gekürzt. Vor allem höhere Treibstoff- und Personalkosten belasten das Unternehmen. Der Ölpreis kletterte seit dem Sommer 2017 von unter 50 auf über 80 Dollar. Hinzu kommen kräftige Lohnerhöhungen, die auf die Bilanz von Ryanair drücken. Die Piloten erhalten künftig 20 Prozent mehr Gehalt.

Ryanair Sinkflug

Ryanair Sinkflug. | Bildquelle: picture alliance / NurPhoto

Dennoch hält der Tarifstreit mit den Beschäftigten an. Ryanair-Chef O'Leary will nicht nachgeben. "Wir sind nicht British Airways, wir können unseren Mitarbeitern nicht dasselbe Gehalt zahlen", sagte er. Branchenexperten rechnen in den nächsten Wochen oder Monaten mit weiteren Streiks. Gewerkschaften haben die jüngst angekündigte Schließung des Standorts Bremen und die Verkleinerung des Standorts Weetze als "Kriegserklärung" an streikende Piloten aufgenommen.

Streiks und Flugausfälle sorgen für weniger Buchungen

Ryanair-Mitarbeiter demonstrieren für bessere Arbeitsbedingungen

Streik bei Ryanair. | Bildquelle: picture alliance / Silas Stein / dpa

O'Leary bleibt gelassen. Irgendwann werde den Piloten "die Lust auf Streiks" vergehen, meinte er unlängst. "Es wird Winter. Es regnet, und unsere Piloten mögen es nicht, im Regen draußen rumzulaufen." In den vergangenen Monaten hat bereits eine beispiellose Streikwelle Ryanair durchgeschüttelt. Mitten in den Sommerferien fielen hunderte Flüge in Europa aus, weil die Flugbegleiter die Arbeit niederlegten.  

Die Flugausfälle und der Imageschaden haben schon jetzt negative Auswirkungen auf das Geschäft des Billigfliegers. O'Leary spricht von einem "Vertrauensverlust" der Kunden. In den Herbstferien und in der Weihnachtssaison müsse Ryanair nun Buchungsrückgänge verkraften. Auch die Ticketpreise fielen niedriger aus als gedacht.

Die Angst vor dem harten Brexit

Ryanair-Gründer Michael O'Leary mit einem Flugzeugmodell

Ryanair-Gründer Michael O'Leary. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Auch 2019 dürfte es wohl nicht besser werden. Neben den Streiks und den hohen Kerosinpreisen droht nun nämlich ein dritter Belastungsfaktor: der harte Brexit. O'Leary fürchtet sich vor einem ungeordneten Austritt der Briten im März 2019. Das hätte schlimme Folgen, warnt er. Mit der Freiheit am Himmel sei dann Schluss, Teile des Flugverkehrs in Europa könnten wochenlang still stehen. "Britische Flugzeuge werden dann in der EU nicht landen können. Und möglicherweise auch keine EU-Flugzeuge in Großbritannien." Das wäre sehr schmerzhaft, meinte der Ryanair-Chef bei der Präsentation des Sommerflugplans letzte Woche in Berlin. Aber Ryanair könne das überleben.

Auch andere Fluggesellschaften würde ein ungeordneter Brexit hart treffen. Mit dem Austritt aus der EU würde Großbritannien auch aus dem gemeinsamen Luftverkehrs-Binnenmarkt ausscheiden. Britische Fluggesellschaften könnten dann ihr Recht verlieren, etwa von London nach Frankfurt oder nach Mallorca zu fliegen. Umgekehrt müssten ebenfalls Flüge von Airlines aus der EU auf die britische Insel neu geregelt werden.

Auch Condor betroffen

Bei den Verkehrsrechten der Fluglinien kommt es nicht nur darauf an, wo die Gesellschaft ihren Sitz hat, sondern auch, wem sie gehört. Folglich hätte ein harter Brexit auch Auswirkungen auf deutsche Fluggesellschaften. Zum Beispiel Condor. Der deutsche Ferienflieger gehört zu 100 Prozent dem britischen Reiseveranstalter Thomas Cook. Und an Thomas Cook halten britische Aktionäre die Mehrheit.

Die Airlines wappnen sich für den Fall der Fälle. So sondieren Thomas Cook und die Tochter Condor verschiedene Modelle, um sicherzustellen, dass der Flugbetrieb dann reibungslos weitergehen könnte. "Ich glaube, dass unsere Lösung auch bei einem unkontrollierten Brexit hält", meinte kürzlich Christoph Debus, der Chef der Flugzeugflotte des Cook-Konzerns.

Eassyjet hat einen Plan B

Der britische Billigflieger Easyjet hat vorsorglich eine Tochtergesellschaft in Wien gegründet, die ihm die europäischen Flugrechte sichern soll. Easyjet sitzt zwar in Großbritannien, gehört aber teilweise dem britisch-zypriotischen Unternehmer Stelios Haji-Ioannou und seiner Familie.

Auch Ryanair hat ein Problem: Am irischen Billigflieger halten britische Investoren mit rund 54 Prozent die Mehrheit. Man werde eine Lösung finden, um deren Anteil auf 49 Prozent zu senken, verspricht Ryanair-Boss O'Leary. Die Iren erwägen, die Stimmrechte von Aktionären von außerhalb der EU zu begrenzen.

Hoffnung auf zweijährige Übergangsfrist

Noch freilich haben O'Leary und die Manager anderer Airlines die Hoffnung nicht aufgegeben, dass sich Großbritannien und die EU bis Mitte Dezember auf einen geregelten Brexit einigen. Dann bliebe eine Übergangsfrist von zwei Jahren, um ein Luftverkehrsabkommen zwischen der EU und Großbritannien auszuarbeiten. Als Verlierer sieht Ryanair-Chef O'Leary die Briten. Der Brexit sei "die dümmste Idee der Wirtschaftsgeschichte", sagt er.