Commerzbankturm spiegelt sich in Deutsche Bank-Logo
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Commerzbank und Deutsche Bank im Fokus Gespräche über Bankenfusion - die Börse jubelt

von Angela Göpfert

Stand: 18.03.2019, 13:52 Uhr

Wenn Politiker Kurse machen: Der Bund will die Fusion von Commerzbank und Deutsche Bank. Unbedingt. Die Zustimmung der Börse hat Berlin schon einmal.

Sie reden also. Lange wurde darüber spekuliert, doch seit dem Wochenende sind die Fusionsgespräche zwischen der Deutschen Bank und der Commerzbank offiziell. Die Börsenreaktion fällt zunächst uneingeschränkt positiv aus: Die Aktie der Deutschen Bank steigt am Montag in der Spitze um 5,3 Prozent auf 8,23 Euro und ist damit der größte Gewinner im Dax.

Commerzbank ist "eine gute Wahl"

Noch deutlicher bergauf geht es für die Aktie der Commerzbank: Das Papier schnellt um bis zu 7,7 Prozent auf 7,70 Euro in die Höhe und erobert so den Spitzenplatz im MDax.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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6,36
Differenz relativ
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Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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-0,50%

Für den renommierten Bankenexperten Kian Abouhossein von JPMorgan ist das nicht verwunderlich. Schließlich sei die Commerzbank "für jede am attraktiven deutschen Markt interessierte Bank eine gute Wahl".

Ein Schnäppchen? Nicht unbedingt…

Dieter Hein, Fairesearch

Steht einer Bankenfusion skeptisch gegenüber: Dieter Hein, Fairesearch. | Bildquelle: Unternehmen, Montage: boerse.ARD.de

Diese Meinung teilen indes nicht alle Bankenexperten: So betont Dieter Hein vom unabhängigen Frankfurter Analysehaus Fairesearch im Gespräch mit boerse.ARD.de:

"Beide Banken sind im europäischen Vergleich bei den Bewertungen die schlechtesten, sprich die billigsten. Sowohl bei der Deutschen Bank als auch bei der Commerzbank kann man für 25 Cent einen Euro Eigenkapital kaufen. Da muss man sich schon fragen: Warum hat das noch keiner gemacht? Ganz einfach deshalb, weil es diese Banken selbst unter den ausgezeichneten ökonomischen Rahmenbedingungen, die wir hierzulande seit Jahren haben, nicht geschafft haben, Geld zu verdienen."

Demonstratives Desinteresse

Tatsächlich gibt es zu denken, dass schon so viele große europäische Institute bei der Commerzbank abgewunken haben. Darunter die französische BNP Paribas, die italienische UniCredit und die Schweizer UBS.

Die ablehnende Haltung der europäischen Geldhäuser hat dabei einen guten Grund: Die Commerzbank befindet sich aktuell in einem tiefgreifenden Umbauprozess. Solange die Bank noch nicht auf festem Fundament steht, mag da kein Konkurrent so recht zugreifen.

Auch die Deutsche Bank nicht. Seine ablehnende Haltung gegenüber einer Fusion hat Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing in jeder nur erdenklichen Situation klar geäußert. Erst am Sonntag betonte er in einer Nachricht an die Mitarbeiter, dass eine Fusion keineswegs ausgemachte Sache sei.

Christian Sewing

Will eigentlich zum jetzigen Zeitpunkt gar nicht fusionieren: Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing. | Bildquelle: Imago

Das Berliner Kalkül

Nur: Berlin will die Fusion. Denn zehn Jahre nach der Finanzkrise ist die Commerzbank immer noch teilverstaatlicht. Am 8. Januar 2009 erhielt der Bund einen Anteil von 25 Prozent an der Commerzbank – heute sind es immer noch 15 Prozent.

Das Kalkül von Finanzminister Olaf Scholz & Co. liegt dabei klar auf der Hand: Der Bund hofft bei einer Fusion von Deutsche Bank und Commerzbank auf ein einträgliches Geschäft. Und seine Hoffnung ist auf den ersten Blick durchaus begründet.

So ist zumindest JPMorgan-Bankenexperte Abouhossein überzeugt, dass für die Commerzbank ein Bewertungsaufschlag gezahlt werden müsse, also eine Prämie auf den aktuellen Aktienkurs.

Ein Verlustgeschäft für den Steuerzahler

Doch so hoch kann diese Prämie gar nicht sein, dass sie an den Einstiegskurs des Bundes bei der Commerzbank herankommt: Im Januar 2009 notierte die Commerzbank-Aktie bei über 30 Euro, heute ist sie noch nicht einmal ein Viertel dessen wert.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 10 Jahre
Kurs
6,36
Differenz relativ
-2,24%

Eines ist somit gewiss: Selbst wenn der Bund die Deutsche Bank und die Commerzbank erfolgreich zu einer Fusion drängen können - für den Bund und damit auch für die deutschen Steuerzahler ist und bleibt das Engagement bei der Commerzbank ein dickes Minusgeschäft.