Ein Flugzeug startet am Flughafen in Düsseldorf vor dunklen Wolken

Wegen Nachfrageeinbruch Fluggesellschaften: Mit Sparpaketen gegen das Virus

Stand: 28.02.2020, 12:38 Uhr

Immer mehr Fluggesellschaften stemmen sich mit Sparprogrammen gegen den Nachfrageeinbruch durch die Corona-Epidemie. Nach der Lufthansa trifft es unter anderem auch British Airways und den Billigflieger Easyjet.

Der Rivale Finnair, der sonst viele Flüge nach Asien anbietet, warnte am Freitag, dass das Ergebnis 2020 deutlich unter dem des Vorjahres liegen werde. Die Billigfluggesellschaft AirAsia X aus Malaysia verschob die Abnahme von 78 Airbus A330neo und will die Flotte verkleinern.

Das könnte 100 Millionen Dollar in die klammen Kassen des Konzerns spülen, der sich auf Langstreckenflüge spezialisiert hat, erklärte AirAsia X. Fünf A330 will die Fluggesellschaft vorzeitig an die Leasingfirmen zurückgeben. Vor dem Ausbruch des Coronavirus erwirtschafte AirAsia X rund 30 Prozent des Umsatzes mit Flügen von und nach China. Die Aktien fielen am Freitag um fünf Prozent auf ein Rekordtief.

Airlines wagen keine Prognose mehr

IAG, zu der neben British Airways auch Iberia und Aer Lingus gehören, wagte am Freitag keine Prognose für 2020. "Die Situation ändert sich schnell", sagte der scheidende IAG-Chef Willie Walsh. Die Branche habe aber auch schon andere Herausforderungen überstanden, beschwichtigte der Luftfahrt-Veteran, der auf Jahrzehnte im Top-Management von Fluggesellschaften zurückblickt und Ende März sein Amt als IAG-Chef an den bisherigen Iberia-Chef Luis Gallego übergibt.

In den nächsten Tagen werde IAG weitere Flüge in Europa streichen, kündigte der Konzern an. British Airways hatte in den vergangenen Tagen Flüge nach Italien, Singapur und Südkorea vom Flugplan genommen. Bereits Ende Januar waren alle Flüge nach China abgesagt worden. 2019 ging das operative Ergebnis von IAG um 5,7 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro zurück.

Einstellungsstopp bei Easyjet

Easyjet sprach von einem "signifikanten" Nachfragerückgang in Norditalien. Auch in anderen europäischen Märkten spüre der Billigflieger ein geringeres Interesse an Flügen. Deshalb werde der Konzern einige Flüge streichen, vor allem nach Italien, und seinen Flugplan an die Nachfrage anpassen.

Easyjet kündigte zudem unter anderem einen Einstellungsstopp, einen Verzicht auf Gehaltserhöhungen sowie die Verschiebung nicht unbedingt nötiger Projekte an. Auch Easyjet wagte keine Aussage zur Prognose.

Die Aktien von Easyjet, die in diesem Jahr bereits 22 Prozent eingebüßt haben, verloren am Morgen weitere fünf Prozent. Die IAG-Papiere fielen um mehr als sieben Prozent. Für Finnair ging es um mehr als fünf Prozent abwärts.

Lufthansa und Fraport reagieren

In den vergangenen Tagen hatten unter anderem bereits die Lufthansa und Air France-KLM auf die Kostenbremse getreten. Bei der Kernmarke Lufthansa sollen Neubesetzungen von Stellen gestrichen oder zumindest verschoben werden. Auch durch unbezahlten Urlaub oder Teilzeit sollten Personalkosten gesenkt werden. Außerdem soll in der Verwaltung bei den Ausgaben gespart werden. Die Lufthansa hat bis zum Ende des Winterflugplans Ende März alle Passagierflüge nach Festland-China ausgesetzt.

Auch der Flughafenbetreiber Fraport leitet Sparmaßnahmen ein. Die Verwaltungs- und Betriebskosten würden gesenkt, neue Mitarbeiter nur noch in Einzelfällen eingestellt, teilte der Betreiber des Flughafens in Frankfurt am Donnerstag mit, ohne die Pläne genau zu beziffern.

Den Beschäftigten werde angeboten, unbezahlten Urlaub zu nehmen oder ihre Arbeitszeit vorübergehend zu reduzieren. "Fraport überprüft die derzeitigen Maßnahmen kontinuierlich und wird diese gegebenenfalls anpassen." Die Ergebnisbelastungen seien derzeit noch nicht absehbar.

lg/dpa/rtr