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Deutschland weit abgeschlagen Fintechs: Wann kommen die Chinesen nach Europa?

Stand: 14.12.2018, 10:52 Uhr

Die deutsche Fintech-Szene hat in diesem Jahr so viel Wagniskapital eingesammelt wie noch nie: allein 778 Millionen Euro in den ersten neun Monaten. Doch im internationalen Vergleich ist das eher bescheiden. Hier dominiert vor allem ein Unternehmen.

Die deutsche Fintech-Szene brummt. Fast jeder vierte Euro, der hierzulande in Startups investiert wird, fließt in Fintechs - allen voran nach Berlin, dem mit Abstand wichtigsten Standort für Fintechs in Deutschland. Mit 778 Millionen Euro übertrifft das Volumen in den ersten neuen Monaten bereits den Wert des bisherigen Rekordjahrs 2017 von 713 Millionen Euro.

Fast drei Milliarden Euro wurden seit Anfang 2012 in deutsche Finanz-Startups investiert - eine gigantische Summe. Doch im internationalen Vergleich belegt Deutschland damit nur einen der hinteren Plätze. Großbritannien, die USA und vor allem China ziehen deutlich mehr Kapital an. Das zeigt eine aktuelle der Onlinebank Comdirect, die sich auf die Daten der Düsseldorfer Firma Barkow Consulting stützt.

Fintech Standorte in Deutschland

Fintech Standorte. | Bildquelle: Comdirect, Grafik: boerse.ARD.de

Briten haben in Europa die Nase vorn

Britische Fintechs etwa konnten zwischen 2016 und dem ersten Halbjahr 2018 Investitionen über 3,3 Milliarden Dollar verbuchen. In Deutschland erhielten Finanz-Startups im selben Zeitraum mit 2,1 Milliarden Dollar ein Drittel weniger. Insgesamt flossen in den EU-Ländern 7,1 Milliarden Dollar an Fintechs – das sind zwei Drittel weniger als in den USA.

Doch auch die dortigen Fintechs hinken den Konkurrenten aus Asien, allen voran aus China, weit hinterher. Denn dort haben Finanz-Startups zwischen 2016 und dem ersten Halbjahr 2018 gut 34,6 Milliarden Dollar eingesammelt.

Fintech-Venture Capital nach Ländern und Regionen

Fintech-Venture Capital nach Ländern und Regionen. | Bildquelle: Comdirect, Grafik: boerse.ARD.de

Chinesische Firma Ant Financial dominiert

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Ant Financial. | Bildquelle: picture alliance / Dycj/Imaginechina/dpa

Dominiert wird der Markt von dem chinesischen Unternehmen, Ant Financial, einer ehemaligen Tochter des Internet-Giganten Alibaba und Betreiberin des Bezahldienstleisters Alipay. Ant Financial erbringt Finanzdienstleistungen für rund 500 Millionen Menschen. Neben der reinen Zahlungsabwicklung, gehören zu den angeboten von Ant Financial auch die Vergabe von Krediten und Anlage-Lösungen. Zudem betreibt das Unternehmen fast nebenbei einen der größten Geldmarktfonds.

Entsprechend groß ist der Finanzierungsbedarf eines solchen Riesen. In diesem Jahr hat Ant in nur zwei Runden 18,5 Milliarden Dollar eingesammelt. Das entspricht den gesamten Investitionen in alle deutschen Startups der vergangenen zehn Jahre.

Auch viele Fintech-Unicorns in Asien

Insgesamt gibt es in Asien 13 Fintech-Unicorns, also Startups mit einer Bewertung von über einer Milliarde Dollar. Das sind zwar sechs weniger als in den USA. Mit einem Gesamtwert von 217 Milliarden Dollar sind sie aber fast vier Mal so wertvoll wie die Fintech-Unicorns in Übersee (58 Milliarden Dollar). „Es ist gut möglich, dass die Unternehmen diese Finanzkraft nutzen, um verstärkt in den europäischen Markt einzusteigen“, sagt Arno Walter, Vorstandsvorsitzender von comdirect.

lg