Hochhaustürme mit kaputter Europafahne als Himmel

Global Risk Report der Boston Consulting Group Europas Banken machen Milliardenverluste

Stand: 27.03.2019, 15:01 Uhr

Nicht nur deutsche, sondern auch europäische Banken sind international kaum wettbewerbsfähig. Seit 2013 haben sie laut der neuesten BCG-Studie hohe Verluste angehäuft. Dagegen sind die amerikanischen und asiatischen Rivalen hochprofitabel.

Wie die Strategieberatungshaus Boston Consulting Group in seinem alljährlich erscheinen Global Risk Report ermittelt hat, droht Europas Bankenbranche zunehmend den Anschluss an die US-Konkurrenz zu verlieren. Im Zeitraum von 2013  bis 2017 haben die europäischen Geldinstitute einen Verlust von 465 Milliarden Euro erlitten, während die amerikanischen Banken einen "economic profit", also einen Gewinn abzüglich Risiko- und Kapitalkosten, von 195 Milliarden Euro einfuhren.

US-Banken hängen Europas Institute ab

Alleine 2017 lag das Minus von Europas Banken bei 71 Milliarden Euro. Dagegen schafften die US-Institute einen Gewinn von 41 Milliarden Euro – dank steigender Zinsen. Im globalen Durchschnitt verdienten Banken 2017 gut 68 Milliarden Euro. Das waren allerdings 40 Millionen Euro weniger als im Vorjahr. Auf Vier-Jahres-Sicht betrug der Gewinn der Banken weltweit 503 Milliarden Euro.

Einen großen Anteil daran haben die asiatischen Banken. Sie verdienten in den vier Jahren von 2013 bis 2017 rund 655 Milliarden Euro. Zuletzt verlangsamte sich aber auch hier die Gewinndynamik.

Gewinne und Verluste der Banken 2013-2017

Gewinne und Verluste der Banken 2013-2017. | Bildquelle: Boston Consulting Group, Grafik: boerse.ARD.de

Fast 400 Milliarden Euro Strafen seit der Finanzkrise

Der Schwung in der ersten Hälfte dieser Dekade sei inzwischen in allen größeren Märkten abgeflaut, heißt es in dem Bericht. Ein Grund dafür sind die höheren Kosten, die die Gewinne belasten. Die von Regulatoren und Aufsehern verhängten Geldbußen stiegen 2017 um fünf Milliarden auf 27 Milliarden Euro. Seit der Finanzkrise 2007/08 summierten sich die Strafen auf 372 Milliarden Euro.

Um die Profitabilität zu steigern, sollten die Banken die Kosten senken und ihre Preis- und Risikomanagementsysteme verbessern, empfiehlt die Boston Consulting Group. Eine Digitalisierung des Risikomanagements und des Treasury würde hier helfen. Wettbewerbs- und Kostendruck würden die Banken dazu zwingen, den schlanken Stil von Tech-Unternehmen nachzuahmen. Nach Ansicht der BCG-Berater müssten Banken ihr Geschäftsmodell in Richtung Plattformen und digitale Kanäle öffnen - als Antwort auf die Fintechs sowie neue Player im Bankengeschäft wie Apple, Google und Alibaba.

nb

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