Hochhaustürme mit kaputter Europafahne als Himmel

Bankenstudie zeigt Versäumnisse auf Europas Banken bleiben anfällig

Stand: 04.06.2019, 15:54 Uhr

Sparen ist auch keine Lösung: Europas größte Banken haben sich im vergangenen Jahr weiter auseinander entwickelt. Im Krisenfall sind einige Branchenvertreter laut einer Studie des Beratungsinstituts zeb nicht allzu gut aufgestellt. Die beiden börsennotierten deutschen Vertreter gehören nicht zu den Top-Instituten.

Die Gewinnausbeute des vergangenen Jahres lässt die Deutsche Bank und die Commerzbank auch in der am Dienstag erschienenen Studie eher ins Hintertreffen geraten. Bei der Eigenkapitalrendite nach Steuern (RoE) kam die Deutsche Bank im vergangenen Jahr 2018 gerade einmal auf 0,5 Prozent, bei der Commerzbank waren es 3,3 Prozent.

Im Konzert der 50 größten europäischen Banken sind die beiden einzigen deutschen Vertreter damit weit abgeschlagen. Im Schnitt stieg die wichtige Renditekennziffer sogar von 6,6 auf 7,2 Prozent. Spitzenwerte erreichten hier die Konkurrenten Swedbank (Schweden) mit 15,6 Prozent, die belgische KBC Bank (14,8 Prozent) und auch die österreichische Raiffeisen International (12,8 Prozent).

Auch bei der Cost-Income-Ratio, einer Kennziffer, bei der die Kosten etwa für Personal und den gesamten Geschäftsbetrieb den Einkünften der Banken gegenüber gestellt werden, liegen Deutsche Bank und Commerzbank weit hinten im Branchenvergleich. Die Institute verdienen zu wenig Geld für ihre Aufwendungen, oder aber: Die Kosten sind immer noch zu hoch.

Digitalisierung statt Sparen

Die Forscher des zeb sehen im reinen "Costcutting" ohnehin nicht die Lösung auf die Frage, wie Großbanken in Europa wieder profitabler werden können. Richtige und strategisch sinnvolle Entscheidungen der Institute seien dazu weit besser geeignet. Laut der Studie haben sich solche Banken in den vergangenen Jahren deutlich besser im Wettbewerb positionieren können, die schnell auf die viel beschworene Digitalisierung gesetzt haben. Deren Profitabilität lag mit durchschnittlich 9,2 Prozent des Eigenkapitals deutlich über dem "Rest" größte Top 50 Institute nach Bilanzsumme.

In der Studie schneiden da die genannten drei Banken, aber auch die Nordea Bank aus Finnland, die dänische Danske Bank oder ABN Amro aus den Niederlanden in Sachen Effizienz und Profitabilität am besten ab.

Wehe, wenn die "BigTechs" kommen

Die Studie verweist darauf, dass Institute, die in dieser Hinsicht nicht ihre Aufgaben gemacht haben, gleich unter zwei Aspekten angreifbar bleiben. Einerseits können sie neuen Playern im Finanzdienstleistungsmarkt wie Fintech-Konzernen oder den "BigTechs" wie Amazon oder Google kaum Paroli bieten, wenn diese sich zum umfassenden Markteintritt entschließen.

Zum anderen lassen auch weitere Krisenerscheinungen im Bankensystem wohl nicht wirklich gut überstehen. Selbst im "wahrscheinlichsten Szenario" würden die Banken im Jahr 2023 "schlechter kapitalisiert und weniger profitabel sein als heute".

EZB erwartet rückläufige Gewinne

Damit zielt die Studie in eine ähnliche Richtung wie der kürzlich erschienene EZB-Finanzmarktstabilitätsbericht. Auch hier ist die Botschaft: Die Profitabilität europäischer Banken reicht nicht aus, um sie ausreichend krisenresistent zu machen. Die Währungshüter rechnen sogar damit, dass die Gewinne in der Branche in diesem Jahr wieder sinken werden, die Niedrigzinspolitik lässt grüßen. Keine Entwarnung also im Bankensektor.

AB