Essenslieferung per Fahrradkurier
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Kleiner Börsen-Hype "Essen auf Rädern" boomt

Stand: 25.09.2017, 11:08 Uhr

Ob Pizza, Sushi oder Burger - immer mehr Menschen haben keine Lust oder Zeit zum Kochen und bestellen ihr Essen online. Davon profitieren Internet-Lieferdienste, die rasant wachsen. Auch an der Börse sind sie heiß begehrt. Experten warnen aber vor Euphorie.

Sie gehören inzwischen zum Bild in vielen Großstädten: Fahrradkuriere in grellbunten Farben, die mit riesigen Rucksäcken auf dem Rücken durch den Verkehr sausen. Sie holen per Internet bestelltes Essen von Restaurants, Imbissen oder Fast-Food-Ketten ab und liefern direkt zum Kunden.

Dafür kassieren die Lieferdienste satte Provisionen von bis zu 30 Prozent je Bestellung. Die Restaurants wiederum gewinnen neue Zielgruppen und können ihren Absatz in umsatzschwachen Zeiten - zum Beispiel bei schlechtem Wetter - erhöhen.

Lukratives Milliardengeschäft

Das als "Essen auf Rädern" belächelte Liefergeschäft hat sich längst zu einem Milliarden-Business entwickelt. Laut einer Studie von McKinsey setzt die Branche weltweit mehr als 80 Milliarden Euro um. Das Potenzial ist groß. In Zukunft werden sich immer mehr Menschen Essen nach Hause bestellen, der Markt dürfte weiter steil wachsen.

Noch wird der Markt von einer Hand voll Unternehmen dominiert. Zu den führenden Adressen zählen Grubhub aus den USA, Just Eat aus Großbritannien und Takeaway.com aus den Niederlanden. Sie wickeln seit Jahren Essensbestellungen übers Internet ab und haben den Markt weitgehend unter sich aufgeteilt. Aus Deutschland drängt zunehmend die 2011 gegründete Start-up Delivery Hero in den Weltmarkt. Das Berliner Unternehmen, bei dem 2015 Rocket Internet als Großaktionär einstieg, hat in den letzten Jahren Millionen investiert, um in über 40 Ländern zu expandieren.

"Pizzakrieg" zwischen Delivery Hero und Lieferando

In Deutschland konkurriert Delivery Hero mit den Marken Pizza.de, Lieferheld, Foodora und Foodpanda mit Takeaway.com, der 2014 den Berlinern Lieferando vor der Nase wegschnappte. Seither tobt eine regelrechte "Pizzaschlacht" zwischen den beiden Lieferdiensten in deutschen Großstädten.

Der Markt ist hart umkämpft. Delivery Hero und Takeaway.com müssen viel Geld in Werbung stecken, um Marktanteile zu gewinnen. Zudem drohen neue Anbieter, ihnen das Geschäft streitig zu machen. Facebook, Amazon mit AmazonFresh sowie der Fahrdienstvermittler Uber mit UberEats wollen mit von der (Liefer-)Party sein. Amazon-Prime-Kunden können mittlerweile Pizza und Pasta über das Restaurants-Tool bestellen. Facebook testet die Funktion "Order Food" in den USA.

Vermögensverwalter Hendrik Leber von Acatis sieht die Online-Essenslieferdienste skeptisch. Das sei ein knüppelhartes Geschäft, meint er gegenüber n-tv. "Es kann sein, dass es erst gut läuft, aber schon der nächste Konkurrent, der kommt und die Preise kaputtmacht, zerstört mein Geschäftsmodell wieder", sagt er.

Börse hat Hunger auf Onlene-Essen-Lieferanten

An der Börse freilich haben die Anleger noch nicht ihren Appetit für die Online-Food-Lieferanten verloren. Im Gegenteil. Die Aktien von GrubHub, JustEat und Takeaway haben zuletzt kräftig zugelegt und Rekordhochs erklommen. Auch der im Sommer erfolgte Börsengang von Delivery Hero war bisher recht erfolgreich. Die Aktien notieren gut 38 Prozent über ihrem Ausgabekurs und sind inzwischen schon in den SDax aufgestiegen.

Dabei schreibt das Berliner Start-up immer noch tiefrote Zahlen. 2016 machte Delivery Hero einen Verlust von fast 200 Millionen Euro. Dagegen machen die Pioniere Grubhub und JustEat Gewinne.

Geteilte Meinungen zu Delivery Hero

Acatis-Vermögensverwalter Leber rät Anlegern denn auch, eher auf profitable Online-Essenslieferanten zu setzen. Von Delivery Hero lässt er die Finger. Er sieht dort kein wirklich dauerhaftes Erfolgsmodell.

Andere Analysten sind optimistischer. Die Privatbank Berenberg empfiehlt Delivery Hero zum "Kauf" – allerdings nur mit Kursziel 33,20 Euro. Das Bankhaus Lampe traut den Aktien mittelfristig gar einen Kursanstieg auf 40 Euro zu.

Schwieriges Umfeld für Kochbox-Anbieter

Weit weniger euphorisch wird der Markt für Lebensmittel-Lieferanten gesehen. Der Kochbox-Anbieter Blue Apron floppte bisher an der Börse. Nun strebt der Blue-Apron-Konkurrent Hello Fresh aus dem Rocket-Internet-Imperium im zweiten Anlauf an die Börse. Vor zwei Jahren wurden die IPO-Pläne auf Eis gelegt. Momentan wird Hello Fresh als eines der wenigen deutschen Unicorns mit über zwei Milliarden Dollar bewertet.

Unternehmen wie Hello Fresh oder Blue Apron liefern Lebensmittel nach Hause, mit denen die Kunden nach Rezept Menüs zusammenstellen und kochen können. Der Kochbox-Markt wächst stark. Neue Player wie AmazonFresh oder auch Supermarkt-Ketten wie Rewe könnten aber den Wettbewerb verschärfen.

nb

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Essenslieferanten an der Börse Von Delivery Hero bis Takeaway

<b>Delivery Hero</b><br />Das 2011 gegründete Berliner Start-up legte Ende Juni ein beeindruckendes Börsendebüt hin. Die Aktie schoss gleich am ersten Handelstag um neun Prozent nach oben und eilte von Rekordhoch zu Rekordhoch. Aktuell notiert der Titel 38 Prozent über dem Ausgabekurs. Delivery Hero liefert in über 40 Ländern Essen aus. In Deutschland ist das Unternehmen mit den Marken Pizza.de, Lieferheld, Foodora und Foodpanda präsent. Zwar wächst Delivery Hero rasant – 2016 stieg der Umsatz um fast 80 Prozent –, schreibt aber immer noch tiefrote Zahlen. 2016 fiel ein Verlust von 195 Millionen Euro an. Das ist fast so viel wieder Umsatz (297 Millionen).: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 3 Monate

Delivery Hero
Das 2011 gegründete Berliner Start-up legte Ende Juni ein beeindruckendes Börsendebüt hin. Die Aktie schoss gleich am ersten Handelstag um neun Prozent nach oben und eilte von Rekordhoch zu Rekordhoch. Aktuell notiert der Titel 38 Prozent über dem Ausgabekurs. Delivery Hero liefert in über 40 Ländern Essen aus. In Deutschland ist das Unternehmen mit den Marken Pizza.de, Lieferheld, Foodora und Foodpanda präsent. Zwar wächst Delivery Hero rasant – 2016 stieg der Umsatz um fast 80 Prozent –, schreibt aber immer noch tiefrote Zahlen. 2016 fiel ein Verlust von 195 Millionen Euro an. Das ist fast so viel wieder Umsatz (297 Millionen).