Kaffeetasse steht in einem Sack mit Kaffeebohnen

Preisschwankungen, Zusammenschlüsse und IPOs Es tut sich was am Kaffeemarkt

von Till Bücker

Stand: 15.02.2019, 15:13 Uhr

Kaffee ist derzeit so günstig wie lange nicht. Das könnte sich bald ändern, sagen Experten. Auch auf Seiten der Unternehmen kommt Bewegung auf. Der Kampf um die begehrten Bohnen geht weiter.

Für den Wachmacher am Morgen greifen die Deutschen tief in die Tasche. Allein im Lebensmittelhandel und in Drogeriemärkten gaben sie nach Angaben der Marktforscher von Nielsen zwischen Dezember 2017 und Dezember 2018 etwa vier Milliarden Euro für Kaffee aus - fast 50 Euro pro Kopf. Das Trinken außer Haus kommt noch oben drauf. Weltweit werden täglich mehr als zwei Milliarden Tassen Kaffee getrunken, ein Umsatz von rund 200 Milliarden Dollar pro Jahr.

Gleichzeitig bewegt sich der Kaffeepreis schon seit geraumer Zeit auf Rekordtief. Im Herbst 2018 erreichte er gar den tiefsten Stand seit zwölf Jahren: 92 US-Cent pro Pfund. Nach kurzer Erholung im Oktober stürzte der Preis wieder ab, aktuell liegt er bei 99 US-Cent. Zum Vergleich: Anfang 2017 kostete ein Pfund noch fast 1,80 Dollar.

Kaffee könnte wieder teurer werden

"Es ist weltweit sehr viel Kaffee verfügbar", sagte die Commerzbank-Analystin Michaela Kuhl jüngst der "Süddeutschen Zeitung". Die Internationale Kaffeeorganisation ICO geht im laufenden Erntejahr von einem Überschuss von 2,3 Millionen Sack Kaffee aus.

Kaffee Kaffeeernte Brasilien

Kaffeeernte in Brasilien. | Bildquelle: colourbox.de

Neben saisonalen Effekten spielt besonders die Entwicklung der Währung des wichtigsten Lieferanten Brasilien beim Preis von Kaffee eine große Rolle. Es gebe viele Anzeichen, die für eine Aufwertung des Real gegenüber dem Dollar sprechen, so Kuhl weiter. Wichtige Marktteilnehmer rechnen daher in einer Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters mit einem Anstieg von 20 Prozent im laufenden Jahr.

Nestlé verkauft Starbucks-Produkte

Nicht nur beim Kaffeepreis kommt Bewegung auf - auch bei den Konzernen ist eine Menge los. Da ist zum einen Nestlé: Bereits im vergangenen Jahr hatte der Branchen-Riese für gut sieben Milliarden Dollar die Vermarktungsrechte für Starbucks-Produkte übernommen. Der Kaffeehausbetreiber wird künftig nur noch für den nordamerikanischen Markt produzieren, während Nestlé die Herstellung der Kaffeeprodukte für den Rest der Welt übernimmt. Die US-Kette bekommt dafür eine Umsatzbeteiligung sowie Lizenzgebühren.

Der Deal könnte sich für beide lohnen. In den kommenden Tagen will Nestlé 24 Produkte mit dem Logo der US-Kaffeehauskette auf den Markt bringen, von Bohnen bis Starbucks-Kapseln. Um das bestehende Geschäft mit Nespresso nicht zu gefährden, sollen die Produkte nur im Handel und nicht im Online-Shop verkauft werden.

Starbucks-Mitarbeiter gießt Wasser in Kaffeefilter

Starbucks-Mitarbeiter. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Mit dem neuen Angebot erhofft sich der Schweizer Konzern einen Wachstumsschub - vor allem in den USA, dem wichtigsten Kaffeemarkt der Welt mit einer jährlichen Wachstumsrate von fünf Prozent.

Nestlé will in den USA wieder angreifen

Dort gilt Nestlé als unterrepräsentiert, seit vier Jahren ist das Patent auf Kapseln ausgelaufen und Konkurrenten durften nachziehen. Das Unternehmen kommt in den USA mittlerweile gerade mal auf einen Marktanteil von fünf Prozent und liegt damit nur auf Platz fünf. Starbucks beherrscht laut Euromonitor knapp 14 Prozent - mit einer starken operativen Marge von 44 Prozent und steigenden Erlösen. Für den US-Konzern könnte die Allianz dagegen ein Türöffner für neue Märkte sein. Nestlé ist in 140 Ländern aktiv, Starbucks in nur 40.

Auch weitere Zukäufe schloss Nestlé-Manager David Rennie nicht aus: "Wir werden niemals nie sagen." Allerdings konzentriere sich das Unternehmen zunächst auf die im Konzern bestehenden Kaffeemarken Nescafé, Nespresso und jetzt auch Starbucks.

Bohnenschlacht ausgebrochen

Nach Daten des Forschungsinstituts Euromonitor ist Nestlé mit einem Marktanteil von 22,6 Prozent der größte Kaffeeanbieter der Welt. Doch einige Konkurrenten haben den Abstand durch diverse Übernahmen und Zusammenschlüsse verkleinert - wie die JAB Holding der deutschen Milliardärsfamilie Reimann aus Mannheim. "Wir wollen einen globalen Herausforderer aufbauen", sagte Peter Harf, Chef der Holding im vergangenen Jahr.

Jacobs Kaffee-Schriftzug auf einer Kaffe-Packung

Jacobs Kaffee. | Bildquelle: Unternehmen

Gesagt, getan: JAB kaufte in den vergangenen Jahren zahlreiche Kaffee-Unternehmen zusammen, darunter Jacobs Douwe Egberts, Keurig Dr. Pepper oder Peet's Coffee & Tea. Die in der Acorn Holding gebündelten Firmen kamen zuletzt auf einen Umsatz von 19 Milliarden Dollar.

Harf kündigte nun gegenüber der "Lebensmittel Zeitung" an, in den nächsten zwei bis drei Jahren das Kaffeegeschäft an die Börse zu bringen. Ein IPO würde weiteres Geld in die Kassen spülen.

Auch Coca-Cola wollte eine bekannte Marke

Seit dem überraschenden Kauf der britischen Kaffeehaus-Kette Costa für fünf Milliarden Dollar im August 2018 mischt darüber hinaus auch der US-Getränkegigant Coca-Cola im Kampf um die Bohnen mit. "Heißgetränke sind einer der wenigen Bereiche des gesamten Getränkemarktes, auf dem Coca Cola über keine weltweit bekannte Marke verfügt", sagte CEO James Quincey damals.

Dabei sei Kaffee eine der am schnellsten wachsenden Getränke-Kategorien der Welt. Zu Coca-Cola gehörte bisher nur die Kaffeemarke Georgia. Mit der Übernahme sicherte sich der Softdrink-Hersteller eine breite Basis im Kaffeegeschäft besonders in Europa und Asien. Costa besitzt rund 4.000 Filialen.

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<strong>Mondelez</strong><br/>Mondelez, das aus der Aufspaltung des Nahrungsmittelkonzerns Kraft hervorgegangen ist, gehört zu den größten Kaffeeproduzenten weltweit. In Deutschland gehören Jacobs Kaffee oder Tassimo zu dem Imperium. Vor wenigen Jahren fusionierte Mondelez seinen Kaffeemarken mit dem niederländischen Unternehmen D.E. Master Blenders, bekannt durch Marken Senseo und Douwe Egberts. An dem gemeinsamen Unternehmen mit dem Namen Jacobs Douwe Egberts hält Mondelez 49 Prozent. Kontrolliert wird der Kaffeeriese von der deutschen Milliardärsfamilie Reimann.: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum 1 Jahr

Mondelez
Mondelez, das aus der Aufspaltung des Nahrungsmittelkonzerns Kraft hervorgegangen ist, gehört zu den größten Kaffeeproduzenten weltweit. In Deutschland gehören Jacobs Kaffee oder Tassimo zu dem Imperium. Vor wenigen Jahren fusionierte Mondelez seinen Kaffeemarken mit dem niederländischen Unternehmen D.E. Master Blenders, bekannt durch Marken Senseo und Douwe Egberts. An dem gemeinsamen Unternehmen mit dem Namen Jacobs Douwe Egberts hält Mondelez 49 Prozent. Kontrolliert wird der Kaffeeriese von der deutschen Milliardärsfamilie Reimann.