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Kampf um Marktanteile Elefantenrennen zwischen VW und Daimler

von Notker Blechner

Stand: 12.04.2019, 06:45 Uhr

Die Lkw-Branche ist derzeit mächtig in Bewegung. VW bläst zur Jagd auf Daimler und will die "Brummi"-Sparte an die Börse bringen. Die härteren CO2-Vorgaben zwingen die Hersteller dazu, die Entwicklung von Elektro- und Roboter-Lkws voranzutreiben.

Seit genau einem Jahr sitzt Herbert Diess im VW-Chefsessel. Neben der geplanten Elektro-Offensive im Pkw-Bereich zählt zu seinen wichtigsten Herausforderungen, die Expansion im Lkw-Geschäft. Die Wolfsburger blasen zum Angriff auf Marktführer Daimler.

VW setzt auf Traton

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B5 Börse 17.26 Uhr: VW verschiebt Traton-Börsengang

Um Geld für die Aufholjagd zu sammeln, sollte die Lkw-Sparte Traton an die Börse gebracht werden. Traton ist ein Kunstname und steht für Tradition, Transformation und Tonnen. Es ist die frühere VW Truck & Bus, in der die brasilianische Lkw-Tochter, MAN und Scania vereint sind. Eigentlich sollte Traton vor Ostern an die Börse gehen, doch dann wurde überraschend das IPO auf Eis gelegt. Angeblich wegen des schlechten Marktumfelds.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Börsengang hin oder her - Andreas Renschler, Chef der VW-Nutzfahrzeugsparte, soll in Wolfsburg einen neuen Lkw-Riesen schmieden. Er muss Synergien zwischen den einstigen Erzrivalen MAN und Scania schaffen und neue Märkte erobern. Vor allem in Nordamerika sieht Renschler Potenzial. Dort dominiert bisher Daimler mit seiner Tochter Freightliner. Gemeinsam mit Navistar will Traton angreifen. Vor zwei Jahren sind die Wolfsburger beim US-Lkw-Hersteller Navistar eingestiegen. Eine Übernahme von Navistar würde VW den Einfluss in Nordamerika deutlich vergrößern.

Angriff auf Marktführer Daimler

Traton soll der globale Champion der Truck-Branche, verkündete Renschler auf der letztjährigen IAA Nutzfahrzeuge Messe in Hannover. "Wir wollen die beste Rendite, eine globale Präsenz und die zufriedensten Kunden haben", versprach der frühere Daimler-Manager. So soll Traton langfristig eine operative Rendite von neun Prozent erwirtschaften. Bisher ist VW mit den Marken MAN und Scania weltweit nur die Nummer sechs (laut Statista). Die Sparte fuhr 2018 einen Umsatz von fast 26 Milliarden Euro ein.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Deutlich größer ist Daimler. Die Schwaben machen 38 Milliarden Euro Erlöse mit ihren Lkws und sind mit einem Marktanteil von rund elf Prozent klar die Nummer eins im weltweiten "Brummi"-Geschäft. "Was uns auszeichnet, ist, dass wir nicht so viel wollen, sondern viel tun", sagte Daimler-Trucks-Chef Martin Daum auf der IAA mit Seitenhieb auf die Ankündigungen des Traton-Chefs. Bei den Renditezielen ist Daimler etwas bescheidener. Der Weltmarktführer peilt acht Prozent Marge an.

Trucks auf Rastplatz

LKWs. | Bildquelle: imago images / Future Image

Nach schwierigen Jahren läuft es in der Lkw-Branche wieder rund. Im vergangenen Jahr zog der Absatz um sechs Prozent an - dank starker Nachfrage in Nord- und Südamerika sowie in Südasien. 2019 sieht es dagegen weniger gut aus. Der Markt in China dürfte um 20 Prozent einbrechen, prophezeit Nutzfahrzeug-Experte Wolfgang Bernhart von Roland Berger. Folglich droht ein weltweiter Absatzrückgang um sieben Prozent.

Lkw-Bauer müssen CO2-Emissionen deutlich senken

Auch von anderer Seite wird der Gegenwind rauer. Die EU hat vor kurzem erstmals verbindliche Klimaschutzvorschriften für Schwerlaster eingeführt. Demnach müssen die Lkw-Bauer bis 2025 die CO2-Emissionen um 15 Prozent und bis 2030 gar um 30 Prozent senken. Die Ziele lassen sich nur erreichen, wenn sich Elektrolaster am Markt durchsetzen.

eCascadia, LKW, Truck von Daimler

Daimler eCascadia. | Bildquelle: Unternehmen

Deshalb treiben VW, Daimler & Co die E-Trucks voran. Daimler hat auf der Messe CES in Las Vegas Anfang des Jahres seinen ersten Riesenstromer vorgestellt. Der E-Cascadia soll 400 Kilometer weit mit seiner Batterie kommen. In diesem Jahr soll der Akku-Lkw ausgeliefert werden. Auf der IAA Nutzfahrzeuge im September letzten Jahres präsentierten auch MAN und Scania ihre künftigen Elektro-Trucks vor. Die Stromer dürften sich zuerst im Bereich leichte Lkw im Stadtverteilerverkehr und in Nischenmärkten wie Kommunalfahrzeuge durchsetzen, glaubt Auto- und Nutzfahrzeug-Experte Bernhart von Roland Berger.

Die E-Trucks kommen

MAN eTGM, LKW, Truck

MAN eTGM. | Bildquelle: Unternehmen

Er und andere Experten halten aber Elektro-Lkws für lange Strecken nicht geeignet. Die Akkus seien zu teuer und zu schwer. Auf langen Strecken sei die Batterie im Nachteil, gibt Daimler-Trucks-Vorstand Daum zu. Damit ein 40-Tonner rund 1.000 Kilometer schaffe, bräuchte er zehn Tonnen schwere Akkus. Dadurch ginge ein Viertel des zulässigen Ladegewichts verloren. Anders als bei Autos sei ein Batterieantrieb für Fernlaster vorerst nicht marktfähig, meint auch VDA-Chef Bernhard Mattes.

Langfristig seien daher Lkws mit Brennstoffzelle besser. Sie kämen auf eine deutlich höhere Reichweite, heißt es. Allerdings fehlt noch die Wasserstoff-Infrastruktur für solche Brennstoffzellen-Trucks. Bisher bietet nur das US-Startup Nicola einen Hydrogen-Truck als Prototypen.

Wenn der Roboter den Lkw steuert

Alternativ tüfteln die Lkw-Hersteller an selbstfahrenden Brummis. Daimler investiert 500 Millionen Euro in die Entwicklung von hochautomatisierten Lkws, die auf bestimmten Strecken ohne menschliche Eingriffe klarkommen. Vor ein paar Tagen hat Daimler dazu das US-Startup Torc Robotics übernommen. In rund zehn Jahren werde man selbstfahrende Trucks von Daimler auf der Straße sehen, verspricht Daum. Mit den Roboter-Lkws lassen sich die Betriebskosten um ein Drittel senken – und Personal einsparen. Schon jetzt nämlich finden die Lkw-Bauer kaum noch Trucker-Nachwuchs.

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Die zehn größten Lkw-Hersteller der Welt Top Ten

eCascadia, LKW, Truck von Daimler

Daimler
Mit einem Weltmarktanteil von elf Prozent ist Daimler der größte Nutzfahrzeughersteller der Welt. 2018 verkauften die Schwaben über 500.000 Lkws.