Bald anerkannte Sportart? Starke Prognosen: E-Sport auf der Überholspur

Stand: 07.11.2018, 15:00 Uhr

Die Gewinner und Sponsoren in der Branche

Hinter vielen Spielen versteckt sich das chinesische Unternehmen Tencent. Daher übernimmt der Konzern die Spitze der Videospiel-Branche: 2011 sicherte er sich für 230 Millionen Dollar Teile von "League of Legends"-Entwickler Riot, ehe 2016 alles an die Chinesen ging. Ihnen gehören außerdem große Anteile von Epic Games, zwölf Prozent von Activision Blizzard sowie über 80 Prozent von Supercell ("Cash of Clans"). In zwei Jahren stieg der Aktienkurs des Unternehmens um über 195 Prozent bis hin zum Rekordhoch Anfang 2018. Allerdings gab es zuletzt Probleme: Im zweiten Quartal halbierte sich das Umsatzwachstum von Tencent auf 30 Prozent. Der Gewinn des Betreibers von WeChat ging sogar um zwei Prozent zurück. Chinesische Behörden hatten Tencent für den Verkaufsschlager "Monster" die Lizenz entzogen. Im Anschluss brach der Aktienkurs rasant ein.

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E-Sport. | Bildquelle: picture alliance / dpa, Montage: boerse.ARD.de

Neben den Spiele-Herstellern profitieren auch die Konsolenbauer. Der japanische Konzern Sony hat nach einem starken vergangenen Quartal die Ergebnisprognose für das Geschäftsjahr 2018/19 um gut 40 Prozent erhöht. Im Ende September abgeschlossenen zweiten Geschäftsquartal erwies sich die Spiele-Sparte mit der Playstation 4 erneut als Geldmaschine. Auch bei Microsoft legte der Überschuss im Jahresvergleich zuletzt um rund ein Drittel auf 8,8 Milliarden Dollar zu. Inzwischen löste der Software-Gigant Amazon als zweitwertvollstes Unternehmen der Welt ab. Einen großen Anteil hatte daran die Xbox- und Gamingsparte, hier erreichte das US-Unternehmen einen Umsatzplus von 44 Prozent.

Dem dritten großen Konsolenhersteller, Nintendo, bescherte ein starkes Geschäft mit Spiele-Software im ersten Quartal überraschend viel Gewinn. Auch im zweiten Quartal stieg das Ergebnis um 30 Prozent, Analysten hatten jedoch mit mehr gerechnet. Nintendo verkaufte von Juli bis September 3,19 Millionen Switch-Konsolen. Zum Vergleich: Sony gab kurz zuvor bekannt, dass die Playstation 4 im selben Zeitraum 3,9 Millionen Mal ausgeliefert wurde.

Gaming-Zubehör spielt beim E-Sport ebenfalls eine wichtige Rolle. Firmen wie Logitech bieten Headsets, Controller oder Spezialtastaturen zum Zocken an. Im Oktober meldeten die Schweizer ihre Zahlen zum zweiten Geschäftsquartal: Insgesamt legte der Umsatz um neun Prozent auf 691 Millionen Dollar zu, die Treiber waren dabei die eben genannten Gaming-Produkte.

Sponsoren mischen aktiv mit

Große Namen haben anscheinend den boomenden Markt erkannt. Das mit mehr als 110 Milliarden Euro wertvollste deutsche börsennotierte Unternehmen SAP entwickelte ein cloudbasiertes Analyse-Tool für E-Sport. Publikum und Kommentatoren bekamen bei "ESL One" erstmals visuell aufbereitete Grafiken, um die Entscheidungen der Profis für oder gegen bestimmte Helden im Spiel nachvollziehen zu können. "Die SAP ist als innovationsbasiertes Unternehmen an E-Sports interessiert, denn es ist ein zu 100 Prozent digitaler Sport mit hohem Entwicklungstempo", erklärt Lars Lamadé, verantwortlich für den Bereich Sponsorships in Europa und Asien bei SAP.

Fast-Food-Gigant McDonald's beendet sogar nach 15 Jahren sein Sponsoring beim Deutschen Fußball-Bund, um sich künftig stärker beim E-Sport zu engagieren. So soll die am Jahresanfang gestartete Partnerschaft mit der Electronic Sports League (ESL) auch 2019 fortgesetzt werden, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Die Entscheidung spiegele die generelle Markenstrategie wider, näher an die Lebenswelt der Teens und Twens anzuschließen, hieß es zur Begründung.

Laut der Medienagentur "Wavemaker" sind die für den E-Sport bekanntesten Sponsoren Getränkehersteller: Dabei würden besonders die beiden Energydrink-Hersteller Red Bull und Monster Energy sowie Coca-Cola Eindruck hinterlassen.

Bundesligisten glauben an E-Sport - bald auch die Politik?

E-Sport macht hierzulande auch durch Mannschaften von großen Fußballvereinen die Runde: Die Zahl der Klubs, die inzwischen eigene Abteilungen für Zocker haben, wächst stetig. VfL Wolfsburg ging bereits 2016 an den Start, es folgten Bayer Leverkusen, RB Leipzig, VfB Stuttgart, der 1. FC Köln, der VfL Bochum und der 1. FC Nürnberg. FC Schalke 04 hat neben zwei Fifa-Profis sogar ein "League of Legends"-Team. Zuletzt ging der 1. FC Köln im Januar 2018 an den Start. Die Mannschaften haben prominente Sponsoren. So unterstützt zum Beispiel CosmosDirekt die Wolfsburger Zocker und AOK Nordwest verlängerte das Sponsoring bei Schalke bis 2020 und übernimmt nun auch teilweise die Social-Media-Aktivitäten im E-Sport-Umfeld.

E-Sport FIFA Virtuelle Bundesliga

E-Sport FIFA Virtuelle Bundesliga. | Bildquelle: picture alliance/Guido Kirchner/dpa

Am 1. Dezember startet die bereits siebte Saison der TAG Heuer Virtual Bundesliga. Die Endrunde der Saison 2018 wurde im Dortmunder Fußballmuseum ausgespielt und von Sport1 übertragen. Der Gewinner erhielt 25.000 Euro und gleichzeitig die Chance, sich für die Weltmeisterschaft zu qualifizieren.

Die Diskussion um den neuen Trend ist in vollem Gange, auch in der Politik. Vielleicht können Fans bald "Dota 2" und andere Spiele im Rahmen einer anerkannten Sportart anschauen - auch wenn das "ESL One" im kommenden Jahr nicht in Hamburg, sondern in Polen stattfinden wird. Das nächste E-Sport-Turnier kommt bestimmt.