Elektroauto an EnBW-Ladestation

Die Energie kommt aus Asien E-Batteriemarkt wird verteilt

Stand: 22.01.2019, 14:05 Uhr

Die Elektromobilität ist für Autohersteller das entscheidende Thema der kommenden Jahre. Die Versorgung mit Elektromotoren, aber auch den Batterien für die E-Autos wird damit zur strategischen Frage für die Hersteller.

Der Markt für Elektroantriebe und E-Batterien wird gerade mit harten Bandagen aufgeteilt und sortiert. Wenige, überwiegend asiatische Hersteller von Batteriezellen beherrschen bereits 80 Prozent des Marktes. Dazu gehören etwa Schwergewichte wie Panasonic, LG Chem und Samsung SDI. Weitere Spezialisten wie SK Innovation aus Korea, vor allem aber CATL aus China vergrößern ständig ihre Marktmacht und ihre Produktionskapazität.

Kapazität verfünffachen

Von derzeit rund 120 Gigawattstunden (GWh) Leistung sollen es bis 2025 laut Marktforschern schon 520 GWh sein. Fast 80 Prozent davon gehen an die Automobilindustrie. Die Hersteller liefern sich einen Wettlauf um mehr Kapazitäten. Die Autohersteller müssen sich gleichzeitig ihre Versorgung mit den E-Batterien auf Jahre hinaus sicherstellen.

Toyota partnert mit Panasonic

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Dabei gibt es ganz verschiedene Arten der Kooperationen oder Lieferverträge. Am Dienstag etwa haben der japanische Autogigant Toyota und der Tech-Konzern Panasonic eine Vereinbarung getroffen. Sie planen ein Gemeinschaftsunternehmen für E-Auto-Batterien, das im kommenden Jahr starten und auch andere Autobauer beliefern soll. Insgesamt wollen die beiden Firmen rund 3.500 Mitarbeiter in das neue Unternehmen verlagern.

Tesla will mehr Unabhängigkeit

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Tesla ist naturgemäß einer der größten Abnehmer von E-Batterien für seine Elektromodelle. Der US-Konzern wird derzeit wiederum von Panasonic beliefert, will seine Abhängigkeit von diesem Hersteller aber reduzieren und verhandelt mit dem chinesischen Batteriehersteller Lishen. Die beiden Firmen haben offenbar bereits einen Vorvertrag geschlossen.

Varta will mitmischen

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In Deutschland laufen derzeit ebenfalls vielfältige Initiativen, um auf den rapiden Anstieg der Nachfrage nach E-Batterien vorbereitet zu sein. Auf Seiten der Batteriehersteller hat Varta etwa eine Initiative gestartet: Ab dem kommenden Jahr baut der Weltmarktführer für Hörgeräte-Batterien gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut in Ellwangen eine Fertigungslinie für großformatige Batteriezellen auf, um den dominierenden asiatischen Herstellern Paroli zu bieten. Zunächst geht es um ein Forschungsprojekt, dann soll aber investiert und produziert werden.

BASF als Batteriezulieferer

Auch der Dax-Konzern BASF sieht Potenzial im Geschäft mit Elektroautos. Das Unternehmen setzt auf hochwertiges Kathoden-Material. Denn die Leistungsfähigkeit einer Batteriezelle hänge nicht von der hochautomatisierten Produktion, sondern vom Material - nämlich Anode, Kathode und Elektrolyt - ab, weiß Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer. BASF will mehr als 400 Millionen Euro in die Produktion von Batterie-Materialien investieren. In Finnland errichten die Ludwigshafener eine Anlage, die ab 2020 die Produktion aufnehmen soll und laut dem Konzern rund 300.000 Stromer pro Jahr ausstatten soll.

Chinesen fertigen in Deutschland

Die größte Fertigungsstätte hierzulande wird aber hauptverantwortlich vom größten chinesischen Hersteller gebaut: In Erfurt soll Deutschlands erste Batteriezell-Fabrik entstehen. Bis 2022 sollen dort 240 Millionen Euro investiert werden, 600 neue Jobs werden voraussichtlich geschaffen. Die Zellfabrik mit einer ausgelegten jährlichen Kapazität von 14 Gigawattstunden wird von Contemporary Amperex Technology, kurz CATL, betrieben. In Erfurt sollen chinesische Batteriezellen für deutsche Autos hergestellt werden.

BMW setzt auf CATL

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Und der erste Großkunde für CATL in Erfurt ist BMW: Für vier Milliarden Euro beziehen die Münchener Zellen der Chinesen insgesamt. Und fast die Hälfte des Auftragsvolumens, nämlich 1,5 Milliarden Euro, sollen aus dem Werk in Erfurt kommen. Ab 2021 sollen die Zellen aus Erfurt den künftigen Super-Stromer, den iNext antreiben. CATL hofft auf weitere Aufträge von Herstellern wie Daimler.

Daimler mit Batteriefabrik

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Daimler wiederum hat gerade angekündigt, künftig in Polen auch Batterien für Elektroautos zu bauen. Am Standort in Jawor, wo demnächst bereits ein Motorenwerk mit rund 1.000 Beschäftigten in Betrieb gehen soll, werde die Daimler-Tochter Mercedes-Benz Cars auch eine Batteriefabrik errichten. Mit der Erweiterung auf dem bestehenden Betriebsgelände entstünden dort rund 300 zusätzliche Arbeitsplätze.

Daimler hatte im Dezember milliardenschwere Verträge zum Kauf von Batteriezellen abgeschlossen. Bis 2030 sollen Aufträge für Zellen im Wert von mehr als 20 Milliarden Euro vergeben werden. Daimler baut die Batterien an sich zwar selbst, kauft die Zellen - den wesentlichen Baustein dafür - aber bei externen Lieferanten zu. Ein Batteriewerk im sächsischen Kamenz ist schon in Betrieb, sieben weitere sollen noch folgen.

VW ordert für 40 Milliarden

Der Volkswagen-Konzern hat bereits Mitte 2018 bekanntgegeben, Aufträge für Elektroauto-Batterien im Wert von 40 Milliarden Euro vergeben zu haben. Der Großteil der für die 2017 beschlossene Elektroauto-Offensive erforderlichen Rohstoffe und Technik sei damit gesichert. Insgesamt sieht der Wolfsburger Autobauer ein Auftragsvolumen für Batterien "von über 50 Milliarden Euro" vor. Von wem die Energiespeicher geordert wurden, ist nicht bekannt. Der neue Volkswagen-Chef Herbert Diess bekräftigte, 2025 bis zu drei Millionen Elektroautos pro Jahr verkaufen zu wollen.

VW will aber auch in der Batteriezell-Fertigung selbst mitmischen. Die Wolfsburger werden in einem Gemeinschaftsunternehmen mit dem US-Start-up Quantum Scape in den nächsten zwei bis drei Jahren erkunden, ob Feststoffzellen - die Batteriezellen der nächsten Generation - produziert werden könnten. Falls ja, sei eine Serienfertigung ab 2024 möglich.

AB