Ein Landwirt fährt mit einem Traktor mit einer Dünger- und Pestizidspritze über ein Feld

Mais statt Soja Düngeraktien als Gewinner des Handelskrieges

Stand: 19.09.2018, 11:02 Uhr

Der Handelsstreit zwischen den USA und China treibt seltsame Blüten. Weil China Soja-Importe aus den USA mit Strafzöllen belegt, satteln die Farmer in den USA auf Mais als Hauptprodukt um - und das treibt die Preise von Dünger und die Aktien der Hersteller.

So dürfte sich das US-Präsident Donald Trump wohl nicht vorgestellt haben. Seine Strafzölle auf chinesische Waren haben zu Gegenmaßnahmen aus Peking geführt, die ausgerechnet die Wählerbasis Trumps treffen - US-Farmer. Deren Soja-Ernte ist zum großen Teil gefährdet, denn die Zollspirale dreht sich weiter und China hat die Importe für das landwirtschaftliche Produkt mit Strafzöllen von 25 Prozent belegt.

Gewinneinbruch mit Soja?

Zwar hat die EU bereits angekündigt, mehr Soja aus den USA zu importieren, doch für die US-Bauern könnte die Entwicklung dennoch zu einem großen Problem werden. Die Sojabohnen brachten den US-Bauern im vergangenen Jahr 22 Milliarden Dollar ein, 14 Milliarden davon durch den Verkauf nach China.

Dagegen fielen in den vergangenen fünf Jahren fielen die Getreidepreise um 40 Prozent, wie Zahlen des US-Landwirtschaftsministeriums zeigen. Nachdem die Bauern zuletzt schon Probleme hatten, ihr Getreide zu verkaufen, scheint nun auch die Gewinnquelle Soja zu versiegen.

Deshalb steuern viele Farmer nun radikal um: Der neue Hoffnungsträger heißt Mais. Der wird zum einem Großteil als Tierfutter verwendet, ein weiterer Anteil geht als Energieträger in die Herstellung von Biogas und Bioethanol.

Stickstoff so gefragt wie nie

Im Gegensatz zu Soja ist Mais beim Wachstum stark von Stickstoff (Nitrogen) als Dünger abhängig. Und dessen Preise stiegen prompt in den vergangenen Monaten deutlich an. Die Preise für Harnstoff (Urea), ein börsengehandelter Grundstoff für Stickstoff-Dünger, sind in den vergangenen zwölf Monaten bereits um rund 50 Prozent gestiegen. Analysten schätzen, dass der Preis für eine Tonne Stickstoff, der zuletzt auf 270 Dollar gestiegen ist, noch im laufenden Jahr weitere zehn Prozent klettern wird.

Der Nachfrageschub bei Stickstoffdünger ließ auch die Papiere der Hersteller zuletzt deutlich anziehen. Dabei profitierten vor allem Anbieter auf dem nordamerikanischen Kontinent, die die US-Bauern beliefern. Aber auch europäische Düngeranbieter gehören zu den Gewinnern der durch den Handelsstreit angetriebenen Sonderkonjunktur für Stickstoff (s. unsere Chartserie).

AB

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Profiteure der Stickstoff-Hausse Chartserie

<strong>Nutrien<br/></strong>Einer der größten Profiteure der "Stickstoff-Hausse" ist die Aktie der kanadischen Nutrien. Das Unternehmen ist aus der Fusion von Potash und Agrium hervorgegangen, die bereits zuvor eng verbunden waren. Nutrien hatte zuletzt seine Gewinnerwartungen für das Gesamtjahr angehoben und dabei auf hohe Ausgaben der US-Farmer für Düngerprodukte hingewiesen.: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum 6 Monate

Nutrien
Einer der größten Profiteure der "Stickstoff-Hausse" ist die Aktie der kanadischen Nutrien. Das Unternehmen ist aus der Fusion von Potash und Agrium hervorgegangen, die bereits zuvor eng verbunden waren. Nutrien hatte zuletzt seine Gewinnerwartungen für das Gesamtjahr angehoben und dabei auf hohe Ausgaben der US-Farmer für Düngerprodukte hingewiesen.