Einfamilienhäuser im Bau

Betongold-Aktien schlagen Indizes Die Profiteure des Immobilienbooms

von von Notker Blechner

Stand: 12.10.2018, 13:57 Uhr

Seit gut neun Jahren boomt der deutsche Immobilienmarkt. Die Wohnungspreise in Großstädten steigen und steigen. Davon profitieren die Immobilien-Aktien. Sie haben sich in diesem Jahr besser entwickelt als die meisten anderen Branchen. Die Zinswende könnte aber den Boom stoppen.

In München, Berlin, Frankfurt und Hamburg wird die Lage immer dramatischer. Die Mietpreise explodieren, viele finden kaum noch bezahlbare Wohnungen. Auch der Kauf von Immobilien wird immer teurer. Alleine in der bayerischen Landeshauptstadt München haben sich die realen Wohnungspreise in den letzten zehn Jahren verdoppelt. Für eine 60 Quadratmeter große Wohnung muss ein Facharbeiter acht Jahreseinkommen zahlen, hat die UBS in ihrem "Global Real Estate Bubble Index" herausgefunden.

Wohnungsnot alarmiert die Politik

Die Wohnungsnot in deutschen Metropolen ist inzwischen zum Wahlkampfthema geworden. In Bayern und Hessen müssen die Spitzenpolitiker erklären, wie sie neuen bezahlbaren Wohnraum schaffen wollen. Städte wie Frankfurt suchen verzweifelt nach neuen Wohnbaugebieten. Zuletzt gab es in Berlin sogar einen "Wohnbau-Gipfel", bei dem Maßnahmen beschlossen wurden, damit die von der "Großen Koalition" versprochenen 1,5 Millionen neue Wohnungen bis 2021 gebaut werden.

Der deutsche Immobilienboom sorgt für fette Gewinne bei den Immobilienkonzernen. Dank steigender Mieteinnahmen steigerte der größte Wohnungskonzern Vonovia sein operatives Ergebnis im vergangenen Jahr um über ein Fünftel auf über 920 Millionen Euro.

Immobilienaktien sind die neuen Stars an der Börse

Dementsprechend gefragt sind die Aktien der börsennotierten Immobiliengesellschaften. Die Titel von Vonovia haben seit einem Jahr fast elf Prozent gewonnen, während der Dax um fast acht Prozent abrutschte. Auf Fünf-Jahres-Sicht verdoppelte sich der Kurs. Nur Infineon, Adidas, Fresenius liefen noch besser.

Im MDax ragten die sieben Immobilienaktien positiv heraus. Mehrere Papiere erreichten Rekordhochs. Der größte Outperformer war die TAG Immobilien. Ihr Kurs kletterte auf Ein-Jahres-Sicht um knapp 42 Prozent nach oben.

Noch Luft nach oben

Die Aussichten für Immobilien-Aktien bleiben gut. Die meisten Analysten raten zum Kauf von deutschen Immobilien-Titeln. Verkaufsempfehlungen sind in der Minderheit. Thomas Neuhold, Analyst von Kepler Cheuvreux, sieht gerade bei den börsennotierten Wohnimmobilien-Gesellschaften noch Potenzial. Sie seien im unteren und mittleren Preissegment präsent, "wo die Mieten noch nicht so stark gestiegen sind wie im oberen Bereich", sagte er in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Auch die US-Investmentbank Morgan Stanley ist optimistisch für deutsche Immo-Papiere. Impulse könnte das Baukindergeld bringen. Künftig erhalten Familien, die Wohneigentum kaufen, für jedes Kind 1.200 Euro pro Jahr.

"Die Angebotsknappheit am Häusermarkt und der sehr gute Arbeitsmarkt bleiben die dominierenden Preistreiber", meint Immobilienaktien-Experte Stefan Scharff von SRC Research. Hinzu käme die anhaltende Fusionsfantasie. Er glaube nicht, dass die Konsolidierung der Branche komplett vorbei ist, sagte er jüngst.

Erste Investoren sehen Ende des Immobilienbooms

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Immobilienfalle – Was passiert, wenn die Zinsen steigen?

Allerdings mehren sich inzwischen die Anzeichen für eine Abschwächung des Immobilienbooms. Auf der am Mittwoch zu Ende gegangenen Immobilienmesse Expo Real in München warnten mehrere große Vermögensverwalter auf einer Podiumsdiskussion vor einem Ende des Immobilienaufschwungs. "Wir haben zwar noch ein gutes Stück Startbahn vor uns, aber schon drei Viertel hinter uns", sagte Thomas Mueller, Managing Director bei Blackrock. In Deutschland sei es eher spät am Tag. Nicht so pessimistisch ist Georg Allendorf, der bei der Deutschen Bank Immobilienfonds managt. Der Boom auf dem Häusermarkt hierzulande werde noch eine ganze Weile andauern, meinte er in München.

Die größte Gefahr für die Immobilienbranche dürfte die europäische Zinswende sein. Diese kommt frühestens im Herbst 2019, wenn überhaupt. Die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) beflügelte zuletzt den Immobilienkauf.

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Investieren in Betongold Lukrative Immobilien-Aktien

<strong>Vonovia</strong><br/>Der einzige Immobilienkonzern, der im Dax notiert ist, hat zeitweise kräftig zugelegt. Ende August erreichte er mit 44,67 Euro ein neues Rekordhoch. Danach schmolzen die Kursgewinne zusammen. Auf Ein-Jahres-Sicht bleibt noch ein Plus von knapp sechs Prozent. Nach der Übernahme des Konkurrenten Buwog hat Vonovia im Mai die Jahresprognose erhöht. Das operative Ergebnis (FFO1) soll um 13 Prozent auf über eine Milliarde Euro klettern. Einziger Schönheitsfleck: Immer wieder steht der Wohnungskonzern wegen überzogener Mietsteigerungen in einzelnen Städten in den Negativ-Schlagzeilen.: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Jahr

Vonovia
Der einzige Immobilienkonzern, der im Dax notiert ist, hat zeitweise kräftig zugelegt. Ende August erreichte er mit 44,67 Euro ein neues Rekordhoch. Danach schmolzen die Kursgewinne zusammen. Auf Ein-Jahres-Sicht bleibt noch ein Plus von knapp sechs Prozent. Nach der Übernahme des Konkurrenten Buwog hat Vonovia im Mai die Jahresprognose erhöht. Das operative Ergebnis (FFO1) soll um 13 Prozent auf über eine Milliarde Euro klettern. Einziger Schönheitsfleck: Immer wieder steht der Wohnungskonzern wegen überzogener Mietsteigerungen in einzelnen Städten in den Negativ-Schlagzeilen.