Offshore-Windkraftanlage vor Sonnenuntergang

20 Jahre EEG Die (Öko-)Revolution frisst ihre Kinder

von Notker Blechner

Stand: 01.04.2020, 17:25 Uhr

Die einen feiern es als Symbol der deutschen Energiewende,  die anderen verteufeln es als sinnlose teure Ökosubvention: das Erneuerbare-Energie-Gesetz (EEG). Heute wird es 20 Jahre alt. Für die Wind- und Solarbranche hat das EEG seinen Zauber verloren.

Wenn Hans-Josef Fell auf das EEG angesprochen wird, gerät er ins Schwärmen. Der 68-jährige Grünen-Politiker ist quasi der Erfinder des EEG. 1999 schrieb er ein Eckpunkte-Konzept für das Gesetz, das dann von der damaligen rot-grünen Koalition am 1. April 2000 beschlossen wurde. Noch heute ist er stolz auf das EEG. "Es hat die Revolution in der Welt angestoßen, die wir wollten." Es sei bis heute das einzige deutsche Klimagesetz, das wirklich wirke, sagt der bärtige Franke.

Deutscher Exportschlager

Tatsächlich wurde das EEG weltweit rund 100 Mal kopiert von anderen Ländern, die ähnliche Gesetze auflegten. Insofern handelt es sich politisch gesehen tatsächlich um einen deutschen Klimaschutz-Exportschlager.

Das Gesetz garantierte Betreibern von Wind- und Solaranlagen eine feste Vergütung, die über dem Marktpreis lag. So gab es für Sonnenenergie 20 Jahre lang mindestens 99 Pfennig je Kilowattstunde.

Umlage sollte Bürger nur eine Kugel Eis im Monat kosten

Finanziert werden sollte dies durch die EEG-Umlage, die alle Bürger mit ihrer Stromrechnung bezahlen. Diese lag sie im Jahr 2000 bei 0,19 Cent pro Kilowattstunde. Der grüne Bundesumweltminister Jürgen Trittin versprach 2004, dass die Förderung erneuerbarer Energien einen durchschnittlichen Haushalt nur rund ein Euro im Monat koste - so viel wie eine Kugel Eis.

Von wegen! Heute sind es wohl über 20 Kugeln Eis pro Monat, die ein Haushalt für den Ökostrom berappen muss. Die Umlage liegt inzwischen bei 6,76 Cent pro Kilowattstunde. Denn der Ausbau der Erneuerbaren kam schnell voran, immer mehr Anlagen bekamen Fördergeld, daher stieg die Umlage rasant.

Öko-Boom Anfang der 2000er Jahre

Anfangs spielten die Kosten keine große Rolle. Das EEG löste einen regelrechten Boom von Solar- und Windenergie in ganz Deutschland aus. Neue Anbieter sprießten aus dem Boden, mehrere von ihnen gingen an die Börse. Während Dax & Co weiter nachgaben, florierten Öko-Aktien - von Nordex, Energiekontor, Plambeck bis Solarworld.

Doch der Boom ebbte bald ab, als klar wurde, dass die garantierte Abnahmegebühr für Strom aus neuen Anlagen jährlich um 1,5 Prozent abgeschmolzen wird. Die Betreiber von Solar- und Windparks mussten die Kosten senken. Zumal die Solarförderung immer mehr Billig-Anbieter aus Fernost anlockte, die mit Billigmodulen den deutschen Markt überschwemmten.

Der Sonnenuntergang

Es kam, wie es kommen musste: Viele deutsche Solarfirmen gingen pleite oder wurden übernommen. Selbst der Pionier der Branche, Solarworld musste 2018 Insolvenzantrag stellen. Die Bonner waren mit ihrem Neustart gescheitert.

Nun könnte der deutschen Windenergie ein ähnliches Schicksal drohen. Nach der neuerlichen Reform des EEG mit dem eingeführten Auktionsverfahren ist der Windkraft-Zubau eingebrochen. 2019 gingen nur 325 neue Anlagen mit einer Gesamtleistung von 1.078 MW ans Netz - so wenig wie seit 2000.

Windenergie-Ausbau stockt

Zum 20. Geburtstag des EEG herrscht miese die Stimmung in der Ökostrom-Branche. Zwar hat die große Koalition angekündigt, den Anteil der erneuerbaren Energien bis 2030 auf 65 Prozent hochzuschrauben. Doch der Ausbau von Solar-, Wind- und Biomasse-Energie stockt. Lange Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie der Streit um einen 1.000 Meter Mindestabstand zwischen Windrädern und Wohnhäusern führen zu einem Investitionsstau.

Im Sommer droht nun auch noch der Förderstopp für Photovoltaik-Anlagen. Der so genannte Solardeckel, der bei 52 Gigawatt installierter Leistung greift, dürfte dann erreicht sein. Rund 2000 Ökostrom-Firmen haben in einem Brief an die Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Aufhebung des Deckels gefordert.

Trittin: EEG ist Erfolgsgeschichte

Trotz all diesen Deckeln und Ausbau-Problemen sieht der frühere Bundesumweltminister Trittin das EEG weiterhin als "Erfolgsgeschichte". Durch die sinkende Einspeise-Garantie seien Erneuerbare Energien erst wettbewerbsfähig geworden. Die Kosten für erneuerbaren Strom seien um mehr als 90 Prozent zurückgegangen.

Ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, an dem sich die Investitionen der letzten Jahre auszahlen, trete die Bundesregierung auf die Ausbaubremse. Dadurch seien in den vergangenen Jahren zehntausende der einst 400.000 Arbeitsplätze in der Ökostrombranche verloren gegangen. Davon allein 100.000 in der Solarindustrie. "Die Anlagen werden weiter produzieren, aber nicht mehr in Deutschland, sondern vor allem in China", sagte Trittin. Das sei bitter. Wie wahr!