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Formel E als Impulsgeber Die neuen Tesla-Jäger kommen von der Rennstrecke

von Angela Göpfert

Stand: 14.12.2018, 06:45 Uhr

Am Samstag ist Saisonauftakt für die Formel E in Riad. Die neuen E-Racer der traditionellen Autokonzerne sind erschreckend gut – sehr zum Leidwesen von Tesla-Chef Elon Musk.

Es ist eine Premiere: Wenn am Samstag die Formel E im saudi-arabischen Riad startet, ist kein Fahrzeugwechsel mehr nötig. Bis zur Formel-E-Saison 2017/2018 waren die Fahrer noch gezwungen, nach der Hälfte des Rennens aus ihren Wagen zu springen und in einen vollgeladenen Zweitwagen umzusteigen.

Diese Kuriosität ist nunmehr Geschichte: Die eingesetzten Batterien haben sich inzwischen so sehr verbessert, dass die Autos ein ganzes Rennen durchhalten. Damit hat sich die Reichweite der Fahrzeuge seit der ersten Formel-E-Saison vor vier Jahren vervierfacht.

Wie ein Videospiel

Und auch das Fahrgefühl ist heute ein ganz anderes: Laut dem Rennfahrer Mitch Evans fühlt sich das Training im neuen Jaguar I-Type 3 an "wie ein sehr intensives PlayStation-Spiel".

Doch die Formel-E-Philosophie besagt: Du musst kein Mitch Evans sein, um ein solches Fahrerlebnis zu genießen. Die Technologie, die für die Formel-E-Autos entwickelt wurde, soll nämlich letzten Endes auch in die Entwicklung von elektrischen Serienautos für die Straße einfließen.

Panasonic Jaguar Racing Team: (v.l.) Ho-Pin Tung, Mitch Evans, Nelson Piquet Jr.

Das Panasonic Jaguar Racing Team: Ho-Pin Tung, Mitch Evans, Nelson Piquet Jr. (v.l.). | Bildquelle: Unternehmen

Vom Rennwagen zum SUV

So hat Jaguar in diesem Jahr seinen ersten vollelektrischen SUV lanciert, den Jaguar I-Pace. Mit zwei elektrischen Motoren und einer Leistung von 400 PS hat das Straßenauto viele Features vom Formel-E-Modell der vergangenen Saison, dem I-Type 2, übernommen.

"Wir haben zahlreiche Projekte innerhalb unseres Unternehmens, um die Erkenntnisse aus unserem Renn-Programm in die Hardware unserer künftigen elektrischen Straßenautos einfließen zu lassen", betonte Jaguars Formel-E-Teamchef James Barclay jüngst gegenüber dem US-Technikmagazin "Wired".

Jaguar I-Pace

Der Jaguar I-Pace ist ein Beispiel für den starken Technologietransfer zwischen Formel E und elektrischer Serienproduktion . | Bildquelle: picture alliance/KEYSTONE

BMW-Werksteam feiert Debüt in Formel E

Fakt ist: Die Formel E zieht immer mehr traditionelle Autokonzerne an, die sich von der elektrischen Rennserie neben Ruhm und Ehre vor allem auch potenzielle Spill-Over-Effekte für den aufkommenden Massenmarkt für elektrische Fahrzeuge versprechen. Jaguar ist da nur ein Beispiel.

So feiert in dieser Saison das BMW-Werksteam seinen Einstieg in die Formel E – neun Jahre, nachdem BMW die Formel 1 verlassen hat. Neben BMW, Audi, Nissan und Jaguar wollen von Ende 2019 an auch Mercedes und Porsche bei den Elektrorennen mitmischen.

"Perfektes Versuchslabor für die Serienentwicklung"

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Kann der BMW iFE.18 vom intensiven Technologietransfer zwischen Formel E und Serienproduktion profitieren? . | Bildquelle: Unternehmen

Bei der Entwicklung sammeln die traditionellen Autohersteller wertvolles Wissen, das sie auch bei der Konzeption neuer E-Autos für den Straßengebrauch nutzen können – frei nach dem Motto: Was gut ist für die Rennstrecke, ist auch gut für die Straße. So arbeiten die gleichen Ingenieure, die die Technik für den aktuellen BMW-Formel-E-Wagen iFE.18 entwickeln, auch am BMW i3 und den kommenden iNext-Fahrzeugen.

"Für BMW ist die Formel E ein perfektes Versuchslabor für die Serienentwicklung. Der Technologietransfer zwischen Motorsport und Serienproduktion ist sehr intensiv", betonte BMW-Vorstandsmitglied Klaus Fröhlich bei der Präsentation des iFE.18.

Auch für den scheidenden Audi-Technikvorstand Peter Mertens sind die Formel-E-Rennwagen Vorreiter einer elektrischen Offensive. Audi errang mit seinem Formel-E-Rennwagen der Vorsaison gleich im Debütjahr den Weltmeister-Titel. Zugleich war der Audi e-tron FE04 der Wegbereiter für den SUV e-tron, mit dem Audi Anfang 2019 seinen Einstieg in die Elektromobilität auf der Straße feiern will.

Erfolg für Tesla

Das starke Engagement der traditionellen Autokonzerne in der Formel E dürfte den Markt für Elektromobilität ordentlich durcheinanderwirbeln. Ein Markt, der zurzeit noch klar von Tesla dominiert wird. Der Hersteller aus dem Silicon Valley hat mit seinem Model 3 erst vor kurzem den Titel "weltweit meistverkauftes Elektroauto" eingeheimst.

Mit knapp 60.000 weltweiten Neuzulassungen in den ersten acht Monaten verdrängte die Mittelklasse-Limousine den Nissan Leaf auf den zweiten Platz, wie aus einer Statistik des Beratungsunternehmens Inovev hervorgeht. Deutsche Modelle finden sich unter den zehn weltweit gefragtesten Stromern nicht.

Elon Musk stellt am 28. 7. 2017 den neuen Tesla Model 3 vor

Nach einer nur schleppend anlaufenden Produktion kann Elon Musk mit dem Tesla Model 3 erste Erfolge feiern. | Bildquelle: picture alliance / Andrej Sokolow/dpa

Keine Zeit sich auszuruhen

Die Marktdominanz des Model 3 könnte in den kommenden Monaten sogar noch weiter wachsen. Tesla hat nach eigenen Angaben nun eine monatliche Produktionskapazität von 20.000 Einheiten erreicht, was einem Jahresausstoß von 240.000 Autos entspricht. Ein Wert, den weltweit kein anderes Modell auch nur annähernd erreicht.

Doch Tesla-Chef Elon Musk sollte sich auf seinen aktuellen Erfolgen besser nicht ausruhen. Denn die Konkurrenz ist hellwach – und kommt quasi direkt von der Rennstrecke.

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Die Formel-E-Flitzer der großen Automobilkonzerne Von 0 auf 100 in 2,8 Sekunden

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BMW iFE.18
In der Saison 2018/2019 feiert BMW sein Debüt in der Formel E. In den beiden BMW iFE.18, die ab Dezember vom BMW i Andretti Motorsport Team in den weltweiten Rennen der Formel E eingesetzt werden, gehen Antonio Felix da Costa und Alexander Sims an den Start.

"Für BMW ist die Formel E ein perfektes Versuchslabor für die Serienentwicklung", betont BMW-Vorstandsmitglied Klaus Fröhlich. "Der Technologietransfer zwischen Motorsport und Serienproduktion ist sehr intensiv."