Investieren in die Cloud

Cloud-Expertise made in Germany Die deutschen Wolkentänzer

von Till Bücker

Stand: 29.01.2019, 09:30 Uhr

Beim Thema Cloud-Experten denken die meisten Anleger an große Player wie Microsoft, Amazon, IBM & Co. Obwohl Europa in diesem Rennen tatsächlich weit zurückfällt, lohnt sich durchaus auch ein Blick auf die deutschen Wolkentänzer SAP und Cancom.

Die Cloud-Industrie boomt. Kein Wunder, denn ausgelagerte Rechnerkapazitäten erlauben eine Datenverarbeitung, die auf lokalen Computern kaum zu stemmen ist. Selbst mit geringem eigenen Speicherplatz können Unternehmen mit der Cloud auf komplexe Programme zugreifen und Kosten sparen.

Ein Beispiel: Beim Einsatz künstlicher Intelligenz für Fahrerassistenzsysteme in E-Autos soll die Verwendung von Daten aus der Cloud verhindern, dass die Batterieleistung und damit die Reichweite der Fahrzeuge reduziert wird.

Was macht die Cloud so interessant?

Cloud-Anbieter stellen den Unternehmen oder Privatpersonen per Vermietung Rechenkapazitäten und Speicherplatz bereit, auf die sie über das Internet zugreifen können. Die Daten werden praktisch über eine bestimmte Software auf den Server eines Cloud-Anbieters hochgeladen und können dort auch wieder abgerufen werden. Es ist also so etwas wie eine Plattform für die IT-Abteilung. Für die Unternehmen besteht der Charme dieser Lösung darin, dass sie flexibler sind und Kosten sparen für die Pflege und Unterhaltung von eigenen Rechenzentren. Die Anbieter hingegen können mit langfristig planbaren Einnahmen rechnen.

Die Marktforschungsfirma Gartner rechnet mit einem Wachstum von 305 Milliarden Dollar im Jahr 2018 auf 411 Milliarden 2020 auf dem globalen Markt. Unter den Top 5 der Anbieter befinden sich mit Amazon, Google, Microsoft, Alibaba und IBM ausschließlich Big Player aus den USA und China.

Europa hängt noch weit hinterher. Experten erwarten aber auch dort rasante Wachstumsraten. In Deutschland mausern sich einige Konzerne derzeit ebenfalls zu Cloud-Experten und versprechen damit Erfolge für Anleger.

Cancom mit starken Wachstumszahlen

So brachte etwa ein Investment in den Münchener TecDax-Konzern Cancom binnen zehn Jahren in der Spitze eine Rendite von über 7.600 Prozent. Im Oktober 2008 stand der Aktienkurs noch bei rund 68 Cent pro Titel. Seitdem kannte das Papier fast ausschließlich den Weg nach oben. Im Mai 2018 erreichte es ein Rekordhoch von 52,40 Euro. Mittlerweile hat die Aktie ein zwischenzeitliches Tief wieder überwunden und steht aktuell bei etwa 35 Euro - immer noch eine Steigerung von mehr als 5.000 Prozent.

Der zuletzt schwache Kursverlauf sei nicht gerechtfertigt, sagte Analyst Wolfgang Specht vom Bankhaus Lampe vor zwei Wochen. Er stufte die Anteile von "Hold" auf" Buy" hoch. Das Unternehmen wachse stärker als die Konkurrenz.

Und tatsächlich: Der IT-Dienstleister hat im vergangenen Jahr bei Umsatz und Ergebnis kräftig zugelegt, wie er am Montag bekanntgab. Vor allem eben das Geschäft mit Dienstleistungen aus der Cloud hatte Cancom 2018 auf Kurs gehalten. Vorläufigen Berechnungen zufolge stiegen die Erlöse um rund 18 Prozent auf etwa 1,37 Milliarden Euro - und sollen auch international weiter klettern.

Thomas Volk, Cancom

Thomas Volk, Cancom. | Bildquelle: Cancom

"Wir sind schon in Nordamerika und in Großbritannien tätig, wo wir dieses Jahr zwei Firmen dazugekauft haben. Unsere Internationalisierung folgt der Strategie, dass in diesen Märkten das Cloud-Thema am meisten akzeptiert ist", sagte Cancom-Chef Thomas Volk, Nachfolger von Unternehmensgründer Klaus Weinmann, der Fachzeitschrift CRN im November.

Cloud-Sparte drückt auf die Marge

Und auch Deutschlands wertvollstes börsennotiertes Unternehmen, SAP, setzt immer mehr auf die Cloud als Einnahmequelle. Mittlerweile machen die Erlöse aus dem Bereich fast ein Viertel der gesamten Einnahmen aus. Die Cloud-Sparte beim umsatzstärksten europäischen Softwarehersteller mit Sitz im baden-württembergischen Walldorf ist zuletzt um über 30 Prozent gewachsen.

Da der Cloud-Bereich aber nicht so profitabel wie das Stammgeschäft ist und zudem Übernahmen auf die Profitabilität drücken, enttäuschte der Konzern in letzter Zeit bei der Marge. Konzernchef Bill McDermott und sein Finanzvorstand Luka Mucic haben den Investoren aber versprochen, dass sich der milliardenteure Ausbau des Cloudgeschäfts ab diesem Jahr erstmals seit 2013 auch bei der Marge auszahlt und die Talsohle im Vorjahr durchschritten wurde.

Stärkung durch Übernahmen

In den vergangenen Jahren hatte SAP zahlreiche Cloud-Firmen wie Callidus oder Qualtrics übernommen. Der deutsche Konzern wildert damit immer stärker im Revier des US-Rivalen Salesforce, der auf Software für Vertriebsorganisationen spezialisiert ist. Eine ähnliche Strategie verfolgt die Deutsche Telekom. Auch der größte Telekommunikationsanbieter Deutschlands will kleinere Cloud-Unternehmen verschiedener Branchen kaufen.

Dank der florierenden Verkäufe im Cloud-Geschäft hob SAP seinen Ausblick 2018 drei Mal an. Trotz eines schwachen Börsenumfeld und einer Talfahrt wegen eines scharfen Kurssturzes von Technologie-Titeln zum Jahresende hin konnte die SAP-Aktie seit März um etwa zwölf Prozent zulegen.

SAP ist gut vernetzt

SAP-Unternehmenszentrale in Walldorf

SAP-Unternehmenszentrale in Walldorf. | Bildquelle: Imago

Am Dienstag legte SAP seine Zahlen zum vierten Quartal vor. Trotz wie erwartet rasant wachsender Cloud-Einnahmen konnte der Konzern die Profitabilität aber nur leicht steigern und blieb damit unter den Einschätzungen von Analysten. Die Anleger reagierten enttäuscht.

Seit zwei Jahren stellt SAP gemeinsam mit Alibaba Cloud-Lösungen auch für Unternehmen in China bereit. Ähnliche Kooperationen hat Konzernchef Bill McDermott mit Amazon Web Services (AWS), Google und Microsoft abgeschlossen.

Eine Cloud von allen

Vielleicht könnten Cloud-Anbieter in Zukunft sowieso einen gemeinsamen Weg einschlagen. Marktuntersuchungen deuten auf eine sogenannte Multicloud hin und auch Analysten scheinen davon überzeugt zu sein. Auf den DSAG-Technologietagen Anfang 2019 in Stuttgart sprach sich SAP klar für das Multicloud-Konzept mit den befreundeten Mitbewerbern AWS, Microsoft und Google aus.

In einer Multi-Cloud-Umgebung kombiniert ein Unternehmen Cloud-Services verschiedener Anbieter. Ein Unternehmen nutzt also unterschiedliche "Wolken" für unterschiedliche Aufgaben. Noch gebe es keine europäischen Megacloud-Provider, unterstrich Lauren Nelson, Analyst bei der Research-Firma Forrester gegenüber dem US-Sender CNBC. Das bedeute, Unternehmen müssten sich entweder für einen großen US-Cloud-Konzern entscheiden oder für einen kleineren Anbieter.

Hierzulande sind Multiclouds noch ein junges Thema. Nach Angaben einer Studie von Forrester Consulting befassen sich weltweit jedoch 86 Prozent aller Unternehmen mit einer solch einer Strategie. Die Gründe liegen auf der Hand: Kosteneinsparungen, mehr Leistung und Innovation.

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Tech-Unternehmen aus der Datenwolke Deutsche Cloud-Experten

<strong>SAP</strong><br/>Deutschlands wertvollstes börsennotiertes Unternehmen setzt immer mehr auf die <a href="" externalId="3a4d8498-3953-4b31-8dca-c4f074b6606c">Cloud als Einnahmequelle</a> und hilft Firmen beim Aufbau und Betrieb moderner Cloud-Anwendungen. Mittlerweile machen die Erlöse aus dem Bereich der Software-Vermietung fast ein Viertel der gesamten Einnahmen aus. Die Cloud-Sparte beim umsatzstärksten europäischen Softwarehersteller mit Sitz im baden-württembergischen Walldorf ist zuletzt durch unter anderem mehrere Übernahmen um über 30 Prozent gewachsen.: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Jahr

SAP
Deutschlands wertvollstes börsennotiertes Unternehmen setzt immer mehr auf die Cloud als Einnahmequelle und hilft Firmen beim Aufbau und Betrieb moderner Cloud-Anwendungen. Mittlerweile machen die Erlöse aus dem Bereich der Software-Vermietung fast ein Viertel der gesamten Einnahmen aus. Die Cloud-Sparte beim umsatzstärksten europäischen Softwarehersteller mit Sitz im baden-württembergischen Walldorf ist zuletzt durch unter anderem mehrere Übernahmen um über 30 Prozent gewachsen.