Aphria Cannabispflanzen im Gewächshaus

Milliardenmarkt medizinisches Marihuana Deutschland – das neue Eldorado der Cannabisbranche?

von von Angela Göpfert

Stand: 14.11.2018, 06:45 Uhr

Nachdem die großen Cannabis-Konzerne ihre Claims in Kanada und den USA abgesteckt haben, zieht der grüne Goldrausch-Tross weiter und nimmt jetzt Deutschland ins Visier.

Das globale legale Cannabis-Geschäft ist bislang in erster Linie ein kanadisches Geschäft. Hier sitzen die Global Player. Acht der zehn größten Cannabisproduzenten weltweit stammen aus Kanada. Im internationalen Wettbewerb sind sie der Konkurrenz weit voraus.

Freude über die Legalisierung von Cannabis in Kanada

Vorreiter Kanada.

Kein Wunder, hat Kanada doch bereits 2001 Marihuana für den medizinischen Gebrauch freigegeben und 2018 Cannabis auch als Genussmittel legalisiert. Dadurch hat das nordamerikanische Land eine Führungsrolle bei der legalen Produktion von Cannabis eingenommen.

Deutschland besonders interessant

Doch nachdem die "grünen Goldfelder" in Kanada und auch in den USA nun weitgehend abgesteckt sind, ist die umtriebige Branche auf der Suche nach neuen Wachstumsmärkten.

Laut Martin Landry, Analyst bei GMP Securities in Montreal, richten kanadische Unternehmen ihr Augenmerk dabei vor allem auf die europäischen Länder, die mit der Legalisierung von medizinischem Cannabis begonnen hätten, ohne über eigene Produktionskapazitäten zu verfügen. Deutschland sei dabei besonders interessant, weil die Krankenkassen hier therapeutisches Cannabis unter bestimmten Voraussetzungen sogar erstatten.

Seit März 2017 steht es deutschen Ärzten frei, ob sie einem Patienten Cannabis-Präparate verschreiben. Deutschland ist damit einer der ersten europäischen Staaten, der medizinisches Cannabis landesweit legalisiert hat.

Medizinisches Cannabis

Cannabis auf Rezept? Seit 2017 möglich in Deutschland. | Bildquelle: picture alliance / Arco Images GmbH

Jährliche Wachstumsraten von 36 Prozent

Experten gehen davon aus, dass weltweit für rund ein Prozent der Bevölkerung Cannabis als Medizin infrage kommt. Überträgt man das auf Deutschland, reden wir hier von mehr als 800.000 potenziellen Patienten. Auf die EU gerechnet könnten es mehr als fünf Millionen werden. Für die kanadische Cannabis-Branche tut sich in Europa ein Milliardenmarkt auf.

Laut den Marktforschern von Global Market Insights hatte der globale Markt für medizinisches Cannabis 2017 bereits ein Volumen von sieben Milliarden Dollar. Dieser Markt dürfte bis 2024 auf ein Volumen von 55 Milliarden Dollar anschwellen. Das entspricht einer jährlichen Wachstumsrate von 36 Prozent!

Bislang machen Schmerzprodukte rund 75 Prozent des globalen Marktes für medizinisches Marihuana aus. Weitere Anwendungsfelder sind Depression, Krebs, Arthritis, Diabetes, grüner Star, Migräne, Epilepsie, Multiple Sklerose, ALS, Alzheimer, Parkinson – um nur einige zu nennen.

Kanadier kaufen in Deutschland zu

Um in Deutschland und Europa Cannabis-Blüten und daraus weiterentwickelte Produkte anbieten zu dürfen, müssen die Hersteller allerdings bestimmte Richtlinien zur Qualitätssicherung erfüllen. Das tun derzeit nur etwas mehr als eine Handvoll der kanadischen Anbieter, darunter Aurora, Tilray, Cronos und Canopy Growth.

Diese Branchenriesen sind nun dabei, ihre "Claims" abzustecken. So übernahm die kanadische Aurora bereits im Mai 2017 die deutsche Vertriebsgesellschaft Pedanios, um ihr medizinisches Cannabis auch in Deutschland vermarkten zu können.

"Deutschland einer der vielversprechendsten Märkte"

Vic Neufeld, CEO Aphria

Wittert Chancen in Deutschland: Vic Neufeld, CEO von Aphria. | Bildquelle: Unternehmen

Anfang November hat Aphria die CC Pharma GmbH übernommen, einen Importeur von pharmazeutischen Produkten für mehr als 13.000 Apotheken in Deutschland. Damit will das Unternehmen die Voraussetzungen schaffen, um auf dem Cannabismarkt in Deutschland eine führende Rolle zu spielen.

"Der deutsche Markt für medizinische Marihuana ist einer der vielversprechendsten weltweit", ist Vic Neufeld, Vorstandsvorsitzender von Aphria, überzeugt. In Deutschland könne ein viel größerer Markt für medizinisches Marihuana entstehen als in Kanada, betont der Manager im Gespräch mit boerse.ARD.de.

Deutsche Pharmakonzerne noch zurückhaltend

Nachtaufnahme des Industrieparks der Bayer AG in Leverkusen

Bayer zögert noch . | Quelle: picture-alliance/dpa

Seltsamerweise sind die großen deutschen Pharmakonzerne wie Bayer und Merck im Gegensatz etwa zur Schweizer Novartis im großen Cannabis-Geschäft bislang komplett außen vor. Die Frage ist nur, wie lange noch? Schließlich reden wir hier von potenziellen Blockbuster-Medikamenten. Als solche werden im Pharmajargon Arzneien bezeichnet, die einen Umsatz von mehr als einer Milliarde Dollar generieren.

Kaum vorstellbar, dass sich die deutsche Pharmaindustrie ein solches Geschäft entgehen lassen will. Dabei ergeben sich gerade für Bayer mit der Monsanto-Übernahme jenseits des Medikamenten-Marktes noch ganz andere Möglichkeiten, um im Pot-Business mitzuspielen, etwa über Pflanzenschutzmittel für die empfindlichen Hanf-Pflanzen.

Dass Monsanto bereits eine gentechnisch veränderte Hanfsorte gezüchtet haben soll, ist allerdings eine Fake News.

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Das sind die fünf größten Cannabis-Konzerne Boomendes Pot-Business

Cannabis-Produktpalette Canopy Growth

Canopy Growth, Börsenwert: 11,6 Milliarden Dollar
Das kanadische Unternehmen hat sich schon Ende 2016 durch den Kauf der Firma Spektrum Cannabis in den deutschen Markt eingekauft. Spektrum Cannabis aus St. Leon-Rot war das erste Unternehmen, das hierzulande eine Importgenehmigung für medizinisches Cannabis aus Kanada erhielt. Im August hat der Alkohol-Gigant Constellation Brands (Corona) 3,8 Milliarden Dollar in Canopy Growth investiert und sich so einen Anteil von 38 Prozent an dem kanadischen Marihuana-Produzenten gesichert.