Dunkle Wolken über der Banken-Skyline Frankfurt

Welch ein Niedergang Deutsche Banken auf griechischem Niveau?

Stand: 16.01.2020, 11:38 Uhr

Dass die deutschen Banken immer noch in der Krise stecken, ist eine traurige Tatsache. Wie tief die heimischen Institute gefallen sind, zeigt nun die EZB. Allerdings wird die Statistik vom Niedergang eines Instituts verzerrt.

So geht aus den Daten der EZB-Bankenaufsicht hervor, dass die von der Notenbank beaufsichtigten großen Geldhäuser in Deutschland (also alle außer Sparkassen und Volksbanken) in den ersten neun Monaten kaum mehr Gewinn erzielt haben als die krisengeplagten Institute Griechenlands.

Der Statistik zufolge schrumpften die addierten Gewinne der großen Institute im Euroraum aufgrund gestiegener Verwaltungskosten und Abschreibungen binnen Jahresfrist um acht Prozent auf 66,44 Milliarden Euro. Besonders schlecht schnitten dabei die große Banken in Deutschland ab. Ihr zusammengefasster Überschuss schrumpfte den Daten zufolge auf bescheidene 668 Millionen Euro und damit nur rund zwölf Millionen Euro über den zusammengefassten Nettogewinnen griechischer Institute.

Umbau der Deutschen Bank verzerrt

In den ersten neun Monaten des Vorjahres hatten die großen deutschen Banken noch einen Gewinn von 5,6 Milliarden Euro erwirtschaftet. Das war zwar im internationalen Vergleich, sowohl in Europa als auch weltweit, immer noch lächerlich wenig, doch achtmal mehr als in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres.

Hat sich der Niedergang der deutschen Institute also binnen eines Jahres so dramatisch verschlechtert? Tatsächlich wird die Statistik der Bankenaufseher durch den tiefgreifenden Umbau der Deutschen Bank und die damit verbundenen Kosten verzerrt. So hat der deutsche Branchenprimus bis zum September 2019 einen Verlust von 4,1 Milliarden Euro ausgewiesen, nach einem Überschuss von 0,45 Milliarden im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Zunächst keine Besserung in Sicht

Ohne die hohen Umbaukosten und den dadurch entstandenen Verlust wäre die Bilanz der von der EZB beaufsichtigten deutschen Banken also etwas besser ausgefallen. Allerdings ist auch der Umbau der Deutschen Bank und die dadurch anfallenden Defizite ein Ausdruck der Probleme und des Niedergangs der heimischen Geldhäuser. Zudem hat die Deutsche Bank in den ersten neun Monaten des Vorjahres einen operativen Verlust von 1,3 Milliarden Euro angehäuft. Ohne Umbaukosten kam das Institut auf ein positives operatives Ergebnis von 465 Millionen Euro.

Kurzfristige Besserung, etwa durch eine Erholung im vierten Quartal, ist kaum zu erwarten, war doch das zu Ende gegangene Jahr für die einst erfolgsverwöhnten Investmentbanker eine große Enttäuschung. Das dürfte auch die Deutsche Bank gespürt haben.

Selbst italienische Banken stehen besser da

Wie schwach die deutschen Banken inzwischen dastehen, zeigt auch ein Vergleich mit den ausländischen Wettbewerbern. So erwirtschafteten die großen Banken in Frankreich in den ersten neun Monaten 2019 laut EZB-Daten einen Überschuss von 22,86 Milliarden Euro, Italiens Großbanken schafften immerhin 10,60 Milliarden Euro.

Die zusammengefasste Eigenkapitalrendite (ROE) der Institute in Deutschland lag zudem nur bei 0,42 Prozent. Das ist der niedrigste Wert aller Euro-Länder, zu denen die EZB Daten veröffentlichte. In Frankreich lag die Rendite der Banken dagegen bei 6,32 Prozent, für die Geldhäuser in Italien wurden 7,59 Prozent gemeldet.

Sollte sich die von Deutsche Bank-Chef Christian Sewing in Aussicht gestellte Verbesserung der Rentabilität tatsächlich einstellen, dürfte sich auch das Gesamtergebnis der großen heimischen Banken in diesem Jahr wieder verbessern, über griechisches Niveau.

lg