Von Abbott bis Roche Der Wettlauf der Corona-Tester

von Lothar Gries

Stand: 07.04.2020, 06:45 Uhr

Testen, testen, testen. Das halten Experten für das effektivste Mittel, um die Corona-Pandemie in den Griff zu bekommen. Doch die Tests müssen einfacher und schneller werden. Darum ist ein Wettlauf der Anbieter entbrannt.

Zwar gibt es derzeit in Deutschland gut 400 Testzentren, doch der Umweg über diese Labore ist aufwendig und langwierig, vergehen doch in der Regel mehrere Tage bis ein Ergebnis vorliegt. Für Massentests ist diese Methode also ungeeignet. Zudem bleiben die getesteten Menschen lange im Ungewissen.

Viele Pharmafirmen haben deshalb Testverfahren entwickelt, die eine beschleunigte Auswertung ermöglicht - ohne den Umweg über ein Labor. So startet der amerikanische Pharmakonzern Abbott diese Woche mit dem Vertrieb neuer Corona Testkits für seine mobilen Diagnostikgeräte ID Now, die kaum größer sind als ein Toaster und bereits für Influenza-Tests genutzt werden.

Der Apparat ist vor allem für Notaufnahmen oder Arztpraxen geeignet und soll es ermöglichen, mittels eines chemischen Moleküls innerhalb von fünf Minuten festzustellen, ob eine Person mit dem Coronavirus infiziert ist. Ein negatives Ergebnis dauert 13 Minuten. Die US-Gesundheitsbehörde FDA hat Abbott bereits eine Notfallzulassung erteilt.

ID NOW-Corona Testgerät von Abbott

Abbott ID NOW. | Bildquelle: Abbott

Eine Million Test-Kits pro Woche

Ziel von Abbott ist es, zunächst 150.000 Testkits an seine Kunden in den USA zu schicken. Mittelfristig soll die Produktion auf eine Million pro Woche erhöht werden. Durchgeführt werden können die Tests allerdings nur auf den entsprechenden Diagnostikgeräten. Davon gibt es in den gesamten Vereinigten Staaten derzeit lediglich 175.

Neben Abbott, einem Milliarden schweren Konzern, haben auch zahlreiche andere Firmen mobile Corona-Schnelltests entwickelt. Dazu gehört der ebenfalls in den USA ansässige Diagnostikkonzern Cepheid. Dabei wird ebenfalls wie bei dem Angebot von Abbott der Umweg vermieden, eine Probe zur Auswertung erst in ein Labor schicken zu müssen.

Auch deutsche Firmen sind dabei

Deutsche Firmen stehen den US-Unternehmen dabei in nichts nach. So hat etwa das Bosch-Tochterunternehmen Bosch Healthcare Solutions zusammen mit der nordirischen Medizintechnik-Firma Randox einen Schnelltest entwickelt, der innerhalb von zweieinhalb Stunden Ergebnisse liefert. Der Nachweis von SARS-CoV-2 erfolgt anhand des Viruserbguts. Bosch versichert, dass der Schnelltest die Qualitätsstandards der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erfülle und Ergebnisse mit einer Genauigkeit von mehr als 95 Prozent liefere.

Für Aufsehen sorgte in Europa vor allem der Schweizer Pharmakonzern Roche. Das Basler Unternehmen bietet einen vollautomatisierten Corona-Test an, der es ermöglicht, jeden Monat millionenfache Diagnosen durchzuführen - und bereits nach dreieinhalb Stunden das Ergebnis anzeigt. Konzernchef Severin Schwan sprach bei der Präsentation im März von einem "Quantensprung".

Vollautomatische Diagnose von Roche

Zudem hat das Angebot von Roche auch einen ganz praktischen Vorteil: der Test muss nicht manuell durchgeführt werden, er läuft vollautomatisch auf bereits existierenden Diagnosegeräten. Tatsächlich werden die Tests von mannshohen, meterlangen Apparaten vorgenommen, die normalerweise für das Screening bestimmter Bevölkerungsgruppen auf Infektionen wie HIV eingesetzt werden.

Derzeit sind weltweit 800 dieser Geräte (namens Cobas 6800 und 8800) im Einsatz, in Europa, den USA und Asien. Die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA hat das neuartige Verfahren bereits freigegeben und eine Notfall-Zulassung erteilt. Roche gibt an, bei seinem derzeitigen Produktionstempo weltweit pro Monat 8,5 Millionen Coronatests auf den Maschinen durchführen zu können.

Auch das in Hilden bei Düsseldorf ansässige Biotech-Unternehmen Qiagen hat einen Schnelltest auf den Markt gebracht, bestehend aus einem Analysegerät und zugehörigen Kartuschen, ähnlich dem Angebot von Abbott. Die Handhabung beschreibt der Hersteller als sehr einfach: Die Kartusche werde mit einem Abstrich aus der Nasenhöhle bestückt und dann in das Analysegerät gesteckt, ähnlich wie eine Videokassette in einen Rekorder. Innerhalb einer Stunde liege dann das Ergebnis vor.

Auch Start-ups sind dabei

Doch es sind nicht nur große Unternehmen, die zuverlässige Corona-Schnelltests anbieten. So hat etwa das Berliner Start-Up PharmACT eine Methode entwickelt bei der innerhalb von 20 Minuten, mittels zwei Tropfen Blut aus der Fingerspitze, eine Infektion mit dem Coronavirus ermittelt wird. Dabei lässt sich auch feststellen, ob die Betroffenen eine akute oder frühere Infektion mit SARS-CoV-2 haben. Das Testkit kostet weniger als 40 Euro und ist in Apotheken erhältlich - allerdings nur für medizinisches Personal. Denn bei Laien bestehe die Gefahr einer unsachgemäßen Anwendung mit falschen Testergebnissen.

Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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In diesen Tagen sind nicht nur Schnelltests gefragt. Auch eine Ausweitung der Laborkapazitäten bleibt willkommen. So hat Bayer an seinem Standort in Berlin-Wedding zwei Stockwerke eines Forschungsbereichs zu Corona-Testlabors umgebaut. Rund 140 Mitarbeiter untersuchen dort seit gestern bis zu 1.000 Proben täglich von Verdachtsfällen aus der Region.

Zu den wenigen Gewinnern der Pandemie könnte also eine Reihe von Pharmafirmen gehören. Den Jackpot dürften jedoch nur die Firmen abgreifen, die einen Impfstoff entwickeln und Milliarden Dosen davon auch herstellen und verkaufen können.