Buchmesse Frankfurt 2018

Weniger Leser, weniger Umsatz Der schleichende Niedergang der Buchbranche

Stand: 12.10.2018, 18:11 Uhr

An diesem Wochenende werden wieder Tausende Besucher zur Frankfurter Buchmesse strömen. Doch das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass immer weniger Menschen zum Buch greifen. Die Zahl der Leser schrumpft, der Umsatz der Branche sinkt. Ist das Buch tot?

TV-Moderatorin Michelle Hunziker spricht über ihre schlimmen Erfahrungen in einer Sekte, Komiker Otto erzählt von den Tief- und Höhepunkten seiner Karriere, Ex-Dschungelqueen Desirée Nick erklärt, warum das "Nein das neue Ja ist", Modedesigner Harald Glööckler verrät, wie er 20 Kilo abgenommen hat, und Moderatorin Dunya Hayali sinniert über Deutschland als "Haymatland". Mehrere Promis sorgen auf der Buchmesse 2018 für ein bisschen Glitzer und Glamour.

Aber auch sie können die düstere Stimmung nicht vertreiben, die in den Frankfurter Messehallen herrscht. Der Branche geht es schlecht - so schlecht, dass einige Verlage wie Rowohlt oder Fischer sogar ihre traditionelle Messe-Party abgesagt haben.

Sechs Millionen weniger Leser seit 2013

Eine neue vom Börsenverein des Buchhandels veröffentlichte Studie zeigt, wie dramatisch die Lage ist. Seit 2013 ist die Zahl der Buchleser hierzulande von 36 auf unter 30 Millionen Menschen gesunken. Ein Minus von fast 18 Prozent!

Im vergangenen Jahr schrumpften die Erlöse der deutschen Buchbranche um 1,6 Prozent auf 9,13 Milliarden Euro. Auch in diesem Jahr setzt sich der Umsatzschwund fort. In den ersten neun Monaten 2018 gab es erneut einen Rückgang von 1,1 Prozent.

Selbst E-Books stagnieren

Mit Bestsellern und Promi-Autobiographien versuchen die Verlage den Negativ-Trend zu stoppen. Viel geholfen hat es bisher nicht. Auch digitale Angebote bringen kaum noch Schwung. Das Geschäft mit den E-Books stagniert.

"Wir müssen das Buch wieder stärker zu den Menschen bringen", fordert Heinrich Riethmüller, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Denn die Sehnsucht nach dem Buch sei nach wie vor da. Viele Menschen kämen einfach im hektischen Alltag gestresst durch Social Media und abgelenkt durch andere Unterhaltungsformate weniger zum Lesen.

Manche Verlage haben reagiert und versuchen die jungen Zielgruppen gezielt anzusprechen. So bastelt dtv derzeit an einem ganz neuen Konzept für junge Leser. Immer mehr Verlage experimentieren mit Influencer Marketing und setzen auf Blogger, YouTuber und andere Social-Media-Entscheider.

Bastei-Lübbe tief in den roten Zahlen

An der Börse gibt es nur wenige Buch-Unternehmen. Einer von ihnen ist Bastei-Lübbe. Der Kölner Publikumsverlag steckt in schwierigen Zeiten. Trotz Bestsellern von Dan Brown und Ken Follett und guter Geschäfte mit den Heftchen-Romanen wie "Jerry Cotton" oder "Der Bergdoktor" rutschte Bastei-Lübbe im Geschäftsjahr 2017/18 noch tiefer in die roten Zahlen. Der Verlust betrug 16,2 Millionen Euro – bei einem Umsatz von gerade einmal 140 Millionen Euro.

Teure Fehlschläge bei der strategischen Neuausrichtung belasteten die Bilanz von Bastei-Lübbe. Die mit großem finanziellem Aufwand entwickelte Streaming-Plattform oolipo floppte, und die Übernahme des Buchgroßhändlers BuchPartner erwies sich als Fehlinvestition. Mit Effizienzverbesserungen und Schulden-Abbau will der Konzern die Wende schaffen. Auf der Buchmesse präsentierte der Verlag ein Buch mit Promi-Autorin Michelle Hunziker.

Aktienkurs halbiert

Ob das reicht, um den Aktienkurs wieder in Schwung zu bringen? Die Papiere haben auf Ein-Jahres-Sicht gut die Hälfte ihres Werts verloren. Mit 1,61 Euro wurde zeitweise ein Tiefststand erreicht.

Andere Buch-Aktien liefen besser. Die Titel von Pearson stiegen in den zwölf Monaten um fast 30 Prozent, sind aber noch weit von ihren Höchstständen von 2015 entfernt. Der Lehrbuchverlag verdiente im ersten Halbjahr operativ 107 Millionen Pfund – mehr als erwartet. Online-Kurse treiben das Geschäft.

Die Aktie von Reed Elsevier (RELX) büßte acht Prozent ein. Der Verlagsriese und Anbieter von Online-Datenbanken steigerte im ersten Halbjahr das operative Ergebnis um sechs Prozent.

Hoffen auf Springer Nature IPO

Ob RELX-Konkurrent Springer Nature an die Börse kommt, ist ungewiss. Der Fachverlag hat sein milliardenschweres IPO im Frühjahr vorerst abgesagt. Es wäre der drittgrößte Börsengang dieses Jahres geworden. Springer Nature bringt jährlich etwa 13.000 Fachbuchtitel auf den Markt und erzielt hohe Gewinne. Es gibt sie also noch - Konzerne, die der Buch-Abwanderung trotzen.

nb

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