Netflix Online-Streaming

Konkurrenz sitzt Netflix & Co. im Nacken Der harte Kampf der Streaming-Anbieter

von Till Bücker

Stand: 13.02.2019, 16:30 Uhr

Aktuell dominieren Netflix und Amazon das Video-Streaming-Geschäft. Das könnte sich bald ändern. Die Konkurrenz schläft nicht. In diesem Jahr tritt auch noch der Gigant Apple in den umkämpften Markt ein - oder übernimmt Netflix.

Seit 2016 ist Netflix mit Ausnahme von China auf der ganzen Welt verfügbar. Der Konzern bietet seinen Streaming-Dienst in über 190 Ländern an. Täglich schauen Fans mehr als 125 Millionen Stunden Serien und Filme auf der Plattform.

Allein in Deutschland hat Netflix derzeit etwa 5,1 Millionen zahlende Kunden - mehr als die Comcast-Tochter Sky. Nur Amazon hat mit neun Millionen Nutzern mehr, hat neben Amazon Prime allerdings auch noch den kompletten Online-Handel zu bieten.

Im letzten Quartal des vergangenen Jahres konnte Netflix 8,8 Millionen Neukunden zu sich locken. Insgesamt bringt es der Streaming-Riese weltweit auf knapp 139 Millionen bezahlte Mitgliedschaften.

Weil Netflix immer mehr Inhalte selbst produziert und auch die Werbekosten stetig steigen, kündigte das Unternehmen im Januar eine Preiserhöhung von 13 bis 18 Prozent an - ein Beweis für die Stärke und die eigene Marktmacht.

Konkurrenz scharrt mit den Hufen

Diese könnte in Zukunft jedoch bröckeln. Immer mehr Konkurrenten von Netflix, Amazon und Sky steigen in das Geschäft ein. Ab diesem Jahr beenden Netflix und Disney ihre Partnerschaft: Der Unterhaltungskonzern will mächtig Druck machen.

Die 71 Milliarden Dollar teure Übernahme von Teilen des Rivalen 21st Century Fox und die Ankündigung, ab September 2019 mit Disney+ einen eigenen Streaming-Dienst zu lancieren, sind eine echte Kampfansage an Netflix.

Für den Sportsender ESPN führte Disney bereits einen Internet-Service ein. Um mit der Konkurrenz auch beim Streaming von Filmen und Serien mithalten zu können, muss allerdings viel Geld in die Hand genommen werden.

Disney: Pläne sind teuer

Angesichts der höheren Kosten hatte der Entertainment-Gigant im Quartal bis Ende Dezember einen Gewinneinbruch von 37 Prozent erlitten. Laut dem Unternehmen wird allein der Film- und Fernsehgewinn aus dem Verkauf von Shows an Wettbewerber in diesem Jahr um satte 150 Millionen Dollar sinken.

Star Wars 7-Screenshot mit Harrison Ford

Star Wars 7. | Bildquelle: Walt Disney

Bald soll dann aber der große Angriff auf die Konkurrenz starten. Vor allem hauseigene Inhalte wie "Star Wars" von Lucasfilm oder "Avengers" von Marvel sollen auf Disney+ im Fokus stehen. Jüngst verkündete Disney-Chef Bob Iger, dass zum Start auch fremde Inhalte angeboten werden sollen.

Durch den Kauf von Fox-Geschäftsteilen hat Disney außerdem bald mit einem Anteil von 60 Prozent die Kontrolle über Hulu, einen der beliebtesten Streamingdienste in den USA. 2018 hatte der Sender etwa 17 Millionen Kunden. Ob Disney die Plattform mit Disney+ verschmilzt oder nicht, ist unklar.

Netflix verliert etliche Serienhelden

Auch Warner Bros. rüstet sich für einen eigenen Streaming-Dienst. WarnerMedia on air soll Ende 2019 an den Start gehen. Schon jetzt ist Netflix erheblich davon betroffen. Zahlreiche Serien und Filme sollen aus dem Programm genommen werden, an denen Warner Bros. die Rechte hält - darunter beliebte Serien wie "Riverdale", "Rick and Morty", "The Big Bang Theory" oder "Supernatural".

"Inhalte zu teilen, ist kein gutes Modell," sagte Konzernchef Kevin Reilly vor kurzem auf einer Pressetour. Bob Iger sieht das offenbar ähnlich. Disney holt sich derzeit US-Medienberichten zufolge ebenfalls seine Lizenzen zurück.

Auch Apple mischt mit

Voraussichtlich im April gibt ein weiterer Big Player seine Visitenkarte ab und enthüllt seinen neuen Service. Seit dem vergangenen Jahr ist bekannt, dass der Tech-Gigant Apple mit einer Streaming-Plattform in den Markt einsteigt.

Oprah Winfrey

Oprah Winfrey. | Bildquelle: Imago

Neben Original-Inhalten werden laut "The Information" auch Angebote externer Sender angeboten. Besitzer von Apple-Geräten sollen dabei angeblich kostenlos auf die Originals zugreifen können. Gerüchten zufolge investiert Apple für seine geplanten Serien vor allem in Qualität: Apple soll viele namhafte Manager, Produzenten, Filmemacher sowie hochkarätige Hollywood-Stars wie Oprah Winfrey für sein Projekt gewonnen haben.

Zu Beginn soll das Angebot noch recht dünn sein. Amazon und Netflix müssen sich also vorerst keine Sorgen machen. Oder? Schließlich mehren sich die Gerüchte, dass Netflix unter den Apple-Kaufkandidaten stehen soll. So oder so sollten sich die aktuell populären Streaming-Dienste nicht auf ihrem Erfolg ausruhen - denn die Konkurrenz kommt.

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Netflix-Gründer Reed Hastings

Visionär Reed Hastings
Netflix gibt es schon seit 1997. Damals war es noch üblich, sich Filme in einer Videothek auszuleihen. Reed Hastings, ein Software-Programmierer und Geschäftsmann, kam die Idee einer bequemeren Alternative: Ein Online-Filmverleih, über den man Videokassetten und DVDs ausleiht, ohne in den Laden gehen zu müssen.