Rentnerfiguren vor Eurostapeln

Megatrend "Silver Economy" Profitieren vom demografischen Wandel

von Michelle Goddemeier

Stand: 23.01.2019, 16:30 Uhr

Die weltweite Bevölkerung altert, denn der Anteil der Senioren an der Gesellschaft nimmt immer weiter zu. Am Aktienmarkt gilt die "Silver Economy" als globaler Megatrend und soll Anlegern gute Renditechancen bieten.

Der demografische Wandel hat Konsequenzen. Die Gesellschaft wird zunehmend älter und die Zahl der Menschen, die über 65 Jahre alt sind, nimmt zu. Das bedeutet auch, dass der Bedarf an Pflege und medizinischer Versorgung steigen wird. Für einige Branchen sind das gute Nachrichten: Pharmakonzerne, Medizintechnikunternehmen und Pflegeheimbetreiber profitieren von der sogenannten "Silver Economy".

Rentner sitzt auf einer Bank, davor eine Gehhilfe

Rentner. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Das Department of Economic and Social Affairs der Vereinten Nationen (UN) hat mehrere Szenarien entwickelt, mit denen es die Bevölkerungsentwicklung in den kommenden Jahrzehnten schätzt. Blieben die Geburtenraten auf dem heutigen Niveau, leben bis zum Ende des 21. Jahrhunderts 28,7 Milliarden Menschen auf der Erde. Das ist jedoch sehr unwahrscheinlich.

Trotzdem gilt es als sicher, dass die weltweite Bevölkerungszahl durch das gesamte Jahrhundert hinweg steigen wird. Ein Szenario der UN geht davon aus, dass im Jahr 2050 9,7 Milliarden Menschen die Erde bevölkern werden und diese Zahl bis 2100 auf 11,2 Milliarden steigt. Aktuell liegt die Zahl der Menschen auf der Erde bei unter acht Milliarden.

Jeder Dritte wird älter als 65 sein

Das liegt vor allem auch an der steigenden Lebenserwartung der Menschen. Im Jahr 1800 wurden die Menschen in Westeuropa im Durchschnitt 40 Jahre alt. Nach 1900 stieg die Zahl auf 50 Jahre, im 20. Jahrhundert gewannen westliche Bewohner von Industriestaaten fast 30 Lebensjahre hinzu. Im Jahr 2060 soll die Lebenserwartung auf 85 bis 89 Jahre ansteigen.

Das bedeutet vor allem einen Anstieg des Anteils der Senioren an der Gesellschaft. Aktuell ist jeder Fünfte in Deutschland über 65 Jahre alt. 2060 soll es schon jeder Dritte sein.

Diese beeindruckenden Zahlen zeigen: Weltweit schreitet der Prozess der Alterung immer schneller voran, auch in Entwicklungsländern. Und ältere Menschen geben tendenziell einen größeren Anteil ihres Einkommens für Gesundheit und Wohlbefinden aus.

Lebenserwartung in Deutschland. | Bildquelle: Statista, Grafik: boerse.ARD.de

Gesundheitssektor wächst stetig

Profiteure dieses Trends sind beispielsweise Unternehmen, die Produkte und Dienstleistungen rund um Versorgung und Betreuung anbieten. Reizvoll daran ist nicht zuletzt, dass der Gesundheitssektor sogar relativ unabhängig von der konjunkturellen Lage ist, wie etwa die Analysten der BNP Paribas feststellen. Pflege und Medizin werden immer gebraucht, auch wenn die Wirtschaft lahmt. "Die Gesundheitswirtschaft ist eine Wachstumsbranche auf Expansionskurs", sagt auch das Bundesministerium für Gesundheit.

Hörgerät

Hörgerät. | Bildquelle: picture alliance / Frank May

Die schweizerische Bank Credit Suisse empfiehlt Anlegern deshalb in diese Branche zu investieren. "Unseres Erachtens dürften Anleger, die sich für die künftigen Wünsche und Bedürfnisse älterer Menschen positionieren, attraktive Renditen erzielen", so die Großbank.

Auch Bernhard Allgäuer von der VP Bank sieht die alternde Bevölkerung als Chance: "Wir empfehlen Anlagen in natürliche Ressourcen und solche, die vom Wachstumsmarkt 'Senioren' profitieren." Das seien insbesondere Unternehmen, welche die Lebensqualität und die Gesundheit von Rentnern positiv beeinflussen. Beispiele seien Hersteller von Hörgeräten oder von Produkten für die Behandlung von Herz- und Gefäßerkrankungen, Pharmakonzerne mit Produkten zur Behandlung von altersbedingten Krankheiten sowie Anbieter von Konsumgütern für Senioren.

Auf die "Alten" setzen

Gesundheitsaktien seien auf längere Sicht eine lohnende Investition. "Insbesondere in den Schwellenländern steht dem Gesundheitswesen 2019 ein anhaltend robustes Wachstum bevor, sodass vor allem Gesundheitsunternehmen mit hohem Umsatzanteil in diesen Märkten Potenzial haben", schreibt Maximilian-Benedikt Köhn, Analyst für den Sektor Healthcare bei der DJE Kapital AG. In dem Bereich der Biotech- und Medizintechnik seien vor allem kleinere Unternehmen in Europa und den USA interessant.

"Neue Produkte werden das Jahr 2019 antreiben. 2018 war bislang das Jahr mit den meisten neu zugelassenen Pharmaprodukten in den USA. Auch deswegen werden Gesundheitsaktien weiterhin gefragt sein", so der Analyst.

Pflegebranche benötigt Investitionen

Ein großer Profiteur könnte auch die Pflegebranche sein. Das Maklerhaus CBRE schätzt, dass die Anzahl der Menschen in Deutschland, die bis 2030 pflegebedürftig sein werden, bei einer Million liegen wird. "Daraus ergibt sich, dass bis 2030 Neubau- und Ersatzinvestitionen von gut 55 Milliarden Euro für zukunftsfähige, marktkonforme Pflegeeinrichtungen notwendig sind", sagt Jan Linsin von CBRE.

Drei alte Damen und eine Pflegerin im Heim

Altersheim. | Bildquelle: colourbox.de

Jochen Zeeh, Geschäftsführer der immoTISS Care GmbH ist der Meinung, dass die öffentliche Hand nicht in der Lage sei die notwendigen Investitionen zu stemmen. Deshalb rücken private Investoren stärker in den Fokus. In erster Linie investieren vor allem langfristig ausgelegte Anleger wie Versicherungen und Pensionskassen in Pflegeimmobilien. "Sie haben das Wachstumspotenzial der Investmentnische erkannt und die Assetklasse für sich entdeckt. Hier sind im Vergleich zu klassischen Core-Gewerbeimmobilien wie Büros oder Geschäftshäuser höhere risikoadjustierte Renditen erzielbar", sagt Linsin.

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