Handshake zwischen Mensch und Roboter

China contra USA Das Wettrennen um die Künstliche Intelligenz

von Notker Blechner

Stand: 20.05.2019, 15:14 Uhr

Wie einst die Dampfmaschine könnte in Zukunft die Künstliche Intelligenz die Wirtschaftswelt umkrempeln. Die Bundesregierung will KI mit drei Milliarden Euro fördern, damit Deutschland den Anschluss an die USA und China nicht verliert. Wer gewinnt den Kampf? Welche Chancen bietet KI für Anleger?

Ob im Handy in der Hosentasche, im Wohnzimmer, im Auto, beim Arzt oder im Büro - künstliche Intelligenz ist schon jetzt allgegenwärtig. Sie steckt nicht nur in Sprachassistenten wie Siri oder Alexa. KI hilft auch beim Rasenmähen oder Staubsaugen, bei der Navigation oder dem Einparken von Autos oder in der Medizin bei der Früherkennung von Krebs. Und bald könnten auch die lernenden Algorithmen den Finanzmarkt erobern und die Aktienauswahl von Fonds steuern. Erste reine maschinell gesteuerte Fonds gibt es bereits.

"Wichtiger als die Erfindung von Elektrizität"

"Künstliche Intelligenz ist wichtiger als die Erfindung von Feuer und Elektrizität". meinte unlängst Google-Chef Sundar Pichai. Maschinen übernehmen menschliche Fähigkeiten wie Sprach- und Textverständnis sowie Lernfähigkeiten. KI ahmt menschliche Entscheidungsprozesse nach. Die Computerprogramme werden so schlau, dass sie alleine lernen können.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sieht die KI als "Schlüsseltechnologie für die gesamte Wirtschaft". Sie dürfte sich in nahezu allen Branchen durchsetzen. Derzeit komme sie vor allem im Wissensbereich zum Einsatz, erklärte Zukunftsforscher Fuad Abuschuscha von der Future Management Group auf einer Veranstaltung von BCA. KI nehme inzwischen einen festen Bestandteil im Alltag ein. Selbst als Vorstandsmitglied eines Unternehmens könne KI fungieren oder Kompositionen für ein Symphonieorchester erstellen. "KI lernt jede Sekunde dazu."

Krieg um KI zwischen USA und China

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ARD-Börse: Bannstrahl über Huawei

Momentan sind die USA führend in diesem Bereich - auch dank Hightech-Konzernen wie Google, Amazon und Apple. Aber China holt zunehmend auf. Bei den Patenten hat das Reich der Mitte schon die Nase vorn. Bis 2025 will die Regierung in Peking China zum Weltmarktführer in Sachen KI machen. Mehr als zwei Milliarden Dollar werden in den Aufbau eines KI-Zentrums in Peking gesteckt. In den großen Städten schießen überall KI-Entwicklungsparks aus dem Boden. Die Konkurrenz zwischen USA und China ist groß. "Der Krieg um Künstliche Intelligenz hat gerade erst begonnen", meint Historiker Niall Ferguson mit Blick auf die Schlacht um Huawei.

Deutschland hinkt hinterher. Während sich in China schon neun von zehn Unternehmen aktiv mit KI beschäftigen, ist es in Deutschland nur die Hälfte, hat die Unternehmensberatung BCG ermittelt. Das hat die Regierung in Berlin erkannt und startet nun eine Aufholjagd. Gut drei Milliarden Euro will Wirtschaftsminister Altmaier in die KI investieren. An den Hochschulen sollen 100 Professuren eingerichtet werden. Altmaier träumt von einem "europäischen Airbus für KI".

Hat Deutschland den Anschluss verloren?

Die Wirtschaftsverbände begrüßen grundsätzlich die Anstrengungen, kritisieren aber die Förderung als Lachnummer. Aus den ursprünglich versprochenen drei Milliarden Euro sei inzwischen nur noch eine Milliarde geworden, monierten Verbandsvertreter jüngst auf der Hannover-Messe. Laut VDI und VDE hat Deutschland längst den Anschluss an die USA und China verloren. "Der Abstand zur Weltspitze scheint uneinholbar", meint VDE-Präsident Ansgar Hinz.

Das zeigen schon die absoluten Zahlen. Die USA investieren schon jetzt pro Jahr 1,3 Milliarden Dollar in KI. China steckt bis 2030 gut 150 Milliarden Dollar in die Künstliche Intelligenz - ein Vielfaches mehr als Deutschland. Manche Experten übersetzen die deutsche KI daher als "Kränkelnde Intelligenz".

Gigantisches Potenzial in Zukunft

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Künstliche Intelligenz rüttelt Börse auf

Weltweit hat der Markt ein gigantisches Potenzial. Der Umsatz mit KI-Anwendungen dürfte sich laut Statista von rund 7,3 Milliarden Dollar 2018 auf knapp 90 Milliarden Dollar im Jahr 2025 mehr als verzehnfachen. Nach Einschätzung des Marktforschungsinstitut Research and Markets habe KI das Potenzial, das jährliche Wirtschaftswachstum zu verdoppeln und die Arbeitsproduktivität um 40 Prozent zu steigern. Einer Studie des Wirtschaftsprüfers PwC zufolge wird KI die deutsche Wirtschaft bis 2030 um rund elf Prozent ankurbeln. Bei China dürfte sogar der Schub gut 25 Prozent betragen.

Wer profitiert?

Mit der Künstlichen Intelligenz machen derzeit vor allem die US-Tech-Konzerne aus dem Silicon Valley den großen Reibach. Amazon und Apple haben mit den digitalen Assistenten Alexa und Siri neue Bestseller entwickelt und mischen auch bei anderen Artificial-Intelligence-Anwendungen mit. Bei IBM macht KI heute schon gut ein Viertel des Umsatzes aus. Und der Chiphersteller Nvidia setzt Künstliche Intelligenz beim autonomen Fahren und in der Medizintechnik ein.

Die DZ Bank sieht auch deutsche Hightech-Firmen als KI-Profiteure. Mit SAP, Infineon, Software AG und Aixtron empfiehlt sie vier Aktien, die an der nächsten KI-Welle partizipieren. Auch Siemens reitet auf der KI-Welle. Unter anderem über Edge-Computing bringt der Industriekonzern Künstliche Intelligenz vor Ort an die Maschine und in die Produktionshalle.

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KI fürs Depot Viele Branchen können profitieren

<strong>Amazon</strong><br/>Der Internet-Gigant ist mit seinen neuen Produkten mit künstlicher Intelligenz ganz nah am Verbraucher. Der digitale Assistent Alexa dringt zunehmend ins Wohnzimmer ein. Zudem verstärkt sich der US-Konzern seit Jahren in dem Bereich auch durch Zukäufe. So hat Amazon "GoButler" geschluckt, einen "Concierge-Dienst", der für Nutzer Flüge bucht oder Kinokarten kauft.: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum 1 Jahr

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