Flugzeug vor Nachthimmel

Flugbranche & Konsolidierung Das Sterben der Fluglinien

von Thomas Spinnler

Stand: 25.10.2017, 07:57 Uhr

Überkapazitäten, Pleitewelle und ein ruinöser Preiswettbewerb: Für die europäischen Airlines gleicht die aktuelle Lage einem Horrorszenario. Die Branche steht vor gravierenden Veränderungen. Die Folge könnten höhere Ticketpreise sein.

Allein in den vergangenen Monaten gingen Air Berlin, Alitalia und Monarch Airlines pleite. Weitere Insolvenzen sind nicht ausgeschlossen. Der Zustand der gesamten Branche ist problematisch, denn das starke Wachstum der Billigflieger hat für Überkapazitäten gesorgt. Die Folge ist ein gnadenlos geführter Preiskampf.

Dabei scheinen rasant gestiegene Aktienkurse wie beispielsweise von Lufthansa zu beweisen, dass die Airlines in einer ziemlich perfekten Welt agieren können. Wie passt das mit der kritischen Lage zusammen?

Europas Markt ist fragmentiert  

Offenbar muss man differenzieren: Die Fluglinien, die es in der jüngsten Zeit erwischte, hatten schon seit längerem existenzbedrohliche Probleme. Das bedeutet aber nicht, dass die Lage für die arrivierteren Unternehmen sorgenfrei wäre. Fachleute bezeichnen insbesondere den europäischen Markt als ziemlich fragmentiert.

Das sieht auch Carsten Spohr, Vorstandschef der Lufthansa, so: Die Airline-Branche sei so zersplittert wie kaum eine andere. Selbst die Lufthansa habe als kontinentales Schwergewicht nur einen Weltmarkt-Anteil von drei Prozent.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr

Carsten Spohr. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Die Fachleute der Ratingagentur Scope bieten Zahlen für Europa: Nur 45 Prozent des europäischen Flugverkehrs werde von den fünf Top-Airline-Gruppen Lufthansa, IAG, Air France-KLM, Ryanair und Easyjet abgewickelt. In den USA sieht die Lage aus Sicht der Scope-Analysten ganz anders aus. Dort verfügten die vier größten Player nach einer langen und schmerzhaften Konsolidierungsphase und über einen Marktanteil von 80 Prozent.

Die Konsolidierung kommt

Aufgrund der größeren Marktmacht und des schwächeren Wettbewerbs ist der Preiskampf bei weitem nicht so ausgeprägt wie in Europa. Die US-Fluglinien können höhere Ticketpreise verlangen. In Europa gehen die Ticketpreise dagegen weiter in den Keller. Das hat zur Folge, dass die Fluglinien in den USA auch deutlich profitabler sind. Die durchschnittliche Ebitda-Marge in den USA liege laut Scope bei 20 Prozent, in Europa hingegen bei lediglich 10 Prozent.

Vor diesem Hintergrund sind auch die jüngsten Entwicklungen in Europa zu sehen. Im Augenblick sieht es danach aus, als stehe hier ebenfalls eine Marktbereinigung an. Deshalb ist nicht nur die Lufthansa bemüht, die Veränderungen aktiv zu gestalten und sich die brauchbaren Reste einiger Konkurrenten zu sichern.

Die Lufthansa ist gut aufgestellt

Und das scheint zu funktionieren. Die Commerzbank hat die Lufthansa-Aktie trotz der bereits beachtlichen Performance zum Kauf empfohlen. Die Rahmenbedingungen änderten sich momentan rasch zu ihren Gunsten, schrieb Analyst Malte Schulz.

Eurowings- und Lufthansa-Maschine

Eurowings- und Lufthansa-Maschine. | Bildquelle: picture alliance / SvenSimon

Die solide Dynamik beim Passagieraufkommen, die starke Ertragsentwicklung über den Sommer hinweg und eine sich beschleunigende Konsolidierung innerhalb der Branche in Europa wirkten sich laut Schulz positiv auf die Rentabilität aus. Und die Billigtochter Eurowings ist laut Daten des "Low Cost Monitor" des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Deutschland Marktführer mit einem Anteil von 52 Prozent.

Fantastische Kursgewinne

Bei einer Konsolidierung hätten die fünf europäischen Top-Fluglinien sicher die besten Chancen, um erfolgreich zu sein. Das erklärt bis zu einem gewissen Punkt auch die Erfolge am Aktienmarkt, da die Investoren den Blick immer auf die Zukunft richten. Hinzu kommen noch die in den vergangenen Jahren imposant gestiegenen Gewinne. Sie können zu einem guten Teil auch mit den sinkenden Kosten aufgrund des schwachen Ölpreises  erklärt werden.

Die Titel von IAG verteuerten sich in den vergangenen zwölf Monaten um mehr als 60 Prozent, Lufthansa gewannen fantastische 127 Prozent, Air France-KLM übertrifft selbst diese Performance noch mit einem Plus von 138 Prozent.

Für die Kunden sind das allerdings eher schlechte Nachrichten. Schließlich zeigt der Blick in die USA, dass die Folge der Marktbereinigung höhere Ticketpreise sein werden. Eurowings-Chef Thorsten Dirks setzt bereits darauf, dass die Zeiten sinkender Ticketpreise zu einem Ende kommen. Preiserhöhungen "auf breiter Front" seien aber nicht geplant. Einen guten Plan zeichnet aus, dass man ihn jederzeit den veränderten Umständen anpassen kann.

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Lufthansa Rohrbach Roland I, 1926

Lufthansa Rohrbach Roland I, 1926
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