Vodafone, Telekom und Telefonica im Wettstreit Das schnelle Rennen der Mobilfunker

von Bettina Seidl

Stand: 15.05.2018, 14:04 Uhr

Es ist ein ewiger Wettlauf auf dem deutschen Mobilfunkmarkt. Gerade ist Vodafone an Telefonica vorbeigezogen, bis an die Spitze. Kein Netzbetreiber hat mehr Kunden. Aber die Telekom holt mehr Geld aus den Kunden raus. 5G wird den Markt wieder ganz neu aufmischen.

Rückblickend betrachtet scheint es, als war es für Telefónica O2 nur ein kurzes Intermezzo. Seit der Fusion von E-Plus und O2 durfte sich die Deutschland-Tochter des spanischen Konzerns größter Mobilfunker Deutschlands nennen. Sehr zum Neid der beiden großen Rivalen Vodafone und Deutsche Telekom. Doch mit der Größe kamen die Probleme. Seit der Fusion knirscht es im Gebälk bei Telefonica Deutschland. Die milliardenschwere Übernahme führte nicht nur zu hohen Abschreibungen und Millionen-Verlusten. Viele schlimmer war: Der Service stimmte nicht mehr.

O2 ließ tausende Kunden hängen, die Service-Hotline war nicht mehr erreichbar. Kundenbeschwerden in den sozialen Netzwerken, bei Verbraucherzentralen und der Bundesnetzagentur häuften sich. Die Antwort der Kunden. Sie kehren Telefonica Deutschland den Rücken, seit nunmehr drei Quartalen schwinden die Kundenzahlen. Ende März 2018 kam der Anbieter nur noch auf 45,3 Millionen Anschlüsse. Das war's mit dem Spitzenplatz.

Schuld ist unter anderem die falsche Unternehmenskultur, resümiert der Wirtschaftswissenschaftler Jens Hogreve, Professor für Dienstleistungsmanagement an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Viele Telekom-Unternehmen konzentrieren sie zu sehr auf die Gewinnung neuer Kunden, anstatt bestehende zufrieden zu stellen.

Vodafone auf Platz 1

Vodafone scheint hier zumindest einiges richtig zu machen. Der Konzern wechselte auf die Überholspur und eroberte Platz 1. Inzwischen kommt die deutsche Tochter des britischen Konzerns auf 46,3 Millionen Mobilfunkanschlüsse (per 31.3.2018).

"Wir sind weiter auf Wachstumskurs – im Mobilfunk wie im Festnetz."

Hannes Ametsreiter, Chef Vodafone Deutschland

Frühjahrsmüdigkeit bei der Telekom

Für den Erzrivalen aus Bonn, die Deutsche Telekom, reicht es allerdings mit 42,7 Millionen Kunden nur für Platz 3. Auch der Ex-Monopolist des deutschen Telekommunikationsmarktes verliert derzeit Mobilfunk-Kunden. Rund 400.000 Kunden weniger waren es im ersten Quartal 2018. Die Zahl der Kunden mit Laufzeitvertrag schrumpfte sogar um fast 800.000, der Zulauf neuer Prepaid-Kunden federte den Abschwung etwas ab.

Die knappe Begründung der Telekom: "Dies ist im Wesentlichen auf die saisonalen Geschäftsschwankungen bei einem unserer Service Provider zurückzuführen. Die Anzahl der eigenen Vertragskunden unter den Marken 'Telekom' und 'congstar' konnte aufgrund der hohen Nachfrage nach Mobilfunk-Tarifen mit integriertem Datenvolumen gesteigert werden."

Der wahre Marktführer

Was macht Vodafone besser als die Telekom und Telefonica? Die Frage ist falsch gestellt. Man muss vielmehr fragen: Machen es die Briten wirklich besser? Die Kundenzahl zeigt nur die halbe Wahrheit. Auch das Geld muss stimmen. Die maßgebliche Größe dabei sind die mobilen Service-Umsätze. Hier ist die Telekom der Marktführer.

Zwar ist Vodafone auf dem Weg der Besserung, verkündete jüngst vollmundig, man wachse hier so stark wie seit fünf Jahren nicht mehr. Das gelang durch höhere Einnahmen über Zusatzgeräte, die ebenfalls SIM-Karten haben - etwa ein Router mit hohem Datenvolumen namens Gigacube, der mehreren Surfern Zugang zum Internet ermöglicht. Aber die Telekom wächst eben noch stärker. Sie ist in Sachen Geldverdienen der wahre Champion im Mobilfunk. Im Schlussquartal 2017/18 (per Ende März) lag das Wachstum der Service-Umsätze bei Vodafone nur bei 0,3 Prozent.

»Die Bonner greifen rund ein Drittel der deutschen Mobilfunkumsätze ab, weil sie besonders viele hochwertige Tarife an ihre Kunden verkaufen können. "Ohne uns geht in Deutschland gar nichts", pries Telekom-Chef Timotheus Höttges im Februar auf der Bilanzpressekonferenz.«

Schatztruhe 5G

Doch das Wachstum hat aber seinen Preis. Die Telekom musste kräftig investieren und Schulden machen. Mittlerweile ist der Schuldenberg der Bonner 51 Milliarden Euro hoch. Intern wird über Höttges als Schulden-Weltmeister gefrotzelt.

2018 will die Telekom ihre Investitionen noch einmal erhöhen auf 12,5 Milliarden Euro. Damit ist sie aber noch längst nicht fit für den Sprung ins "Gigabit"-Zeitalter im Mobilfunk und Festnetz, in dem Daten mit einem GigaBit pro Sekunde übertragen werden. Dafür braucht die Branche 5G, das neue schnellere Mobilfunknetz, dessen Frequenzen in diesem Jahr versteigert werden, und "Fiber to Home", wie im Telekom-PR-Deutsch die Glasfaser bis ins Haus für das extrem schnelle Internet heißt. Für Höttges ist 5G das künftige Schatzkästlein der Branche, "die größte Gelegenheit, eine Menge Geld zu verdienen". Ohne 5G werde die Technik der kommenden Jahre – vom Internet der Dinge bis zum selbstfahrenden Auto – nicht laufen.

Zahlt sich das aus?

Doch ohne Investitionen läuft da nichts. Bedeutet im Klartext: In den nächsten beiden Jahren muss die Telekom noch einmal tiefer in die Tasche greifen. Die Schulden könnten also durchaus weiter steigen. Das ist für die Konkurrenz natürlich nicht anders. Alle Telekomkonzerne müssen erst einmal kräftig investieren, bevor ans Geldverdienen nur zu denken ist. Vodafone hat mit der 18 Milliarden schweren Übernahme von Unitymedia die Telekom gerade frontal angegriffen und damit die ersten Steine für den Weg zu 5G gelegt hat. Bis 2022 wollen die Briten rund zwölf Milliarden Euro in den Glasfaser-Ausbau investieren. Neben den großen Drei will auch United Internet mitmischen und erwägt für eine 5G-Frequenz zu bieten.

Jetzt gehen Geschacher und Lobbyarbeit los, auf dass die Auktion, die noch vor Jahresende stattfinden soll, nicht zu teuer wird. Wird die Auktion zu teuer, fehlt hinterher das Geld für den Ausbau des Netzes. Die große Frage bleibt natürlich, ob das Geld je wieder reingeholt wird, ob die Kunden für das schnelle Internet auch wirklich bezahlen. Aber fernbleiben ist auch keine Alternative.