Fußballfoul

Auf und Ab an der Börse Das riskante Spiel mit Fußball-Aktien

von von Notker Blechner

Stand: 26.11.2018, 16:24 Uhr

Für die Fans von Borussia Dortmund und Juventus Turin gab's zuletzt viel Grund zum Jubeln. Auch die Aktionäre konnten sich über schöne Kursgewinne freuen. Doch nicht immer läuft's für Fußball-Aktien rund: Sie sind abhängig von sportlichen Erfolgen und Transfer-Einnahmen.

"Geld schießt keine Tore", sagte einst Erfolgstrainer Otto Rehhagel. Das stimmt nur bedingt, wenn man sich den europäischen Fußball anschaut. Mit gigantischen Millionen-Transfers haben Real Madrid, Juventus Turin, Manchester City und Paris Saint Germain wichtige Titel geholt - und mischen in der europäischen Champions League ganz oben mit. Dagegen zahlte sich der Kauf teurer Spieler wie Paul Pogba beim britischen Rekordmeister Manchester United noch nicht aus. Seit 2013 hat ManU die wichtige Premier League nicht mehr gewonnen.

Juventus Turin im Einkaufsrausch

Cristiano Ronaldo im Heimtrikot von Juventus Turin

Cristiano Ronaldo. | Bildquelle: picture alliance / Pressefoto Ulmer

Kein Verein hat zuletzt so viel Geld ausgeben wie Juventus Turin. Der italienische Rekordmeister hat in den letzten drei Jahren 600 Millionen Euro in neue Kicker investiert. Der größte Coup war die Verpflichtung von Real-Star Cristiano Ronaldo für 105 Millionen Euro. Das Geld hat der "Fußballer des Jahres" schon (fast) wieder eingespielt. In den ersten 24 Stunden nach dem Transfer verkaufte Juventus über 500.000 Trikots mit der neuen Nummer 7, die Ronaldo jetzt trägt.

An der Börse sorgte der Ronaldo-Deal für Begeisterung. Die Juve-Aktie legte in den ersten zwei Monaten nach dem spektakulären Wechsel um bis zu 150 Prozent zu. Sie erreichte mit 1,79 Euro ihren bisherigen Höchststand. In den letzten zwei Jahren hat sich der Kurs von Juve nahezu vervierfacht.

Britische Top-Klubs sind die reichsten

Schießt Geld Tore? Umgekehrt auf jeden Fall. Tore schießen Geld (in die Vereinskasse)! Je größer der sportliche Erfolg, desto mehr Geld nimmt der Fußball-Klub ein. Im Ranking der finanzstärksten Vereine der Welt (Soccerex Football Finance 100) war zuletzt Manchester City die Nummer eins - vor Arsenal London und Paris Saint Germain. Deutschlands Rekordmeister, der FC Bayern München, kam hier nur auf Platz zehn.

Beim Umsatz stehen die Bayern im europaweiten Vergleich in der Saison 2016/17 immerhin auf Rang vier - hinter Manchester United, Real Madrid und dem FC Barcelona. Rivale Borussia Dortmund landet abgeschlagen auf Platz 12.

Die umsatzstärksten Fußballklubs in Europa

Die umsatzstärksten Fußballklubs in Europa. | Bildquelle: Deloitte Football Money League, Grafik: boerse.ARD.de

Borussia Dortmund rückt an den FC Bayern heran

In der Saison 2017/18 hat der BVB aber einen Riesen-Sprung nach vorne gemacht. Mit Erlösen von fast 540 Millionen Euro rückten die Schwarz-Gelben ganz nah an den FC Bayern heran. Dortmund profitierte von hohen Einnahmen aus den Verkäufen von Dembelé an Barcelona (für über 100 Millionen Euro) und Aubameyang an Arsenal (für rund 64 Millionen Euro).

Die starken Zahlen beflügelten den Aktienkurs des BVB. Erstmals seit dem Börsengang im Jahr 2000 stieg der Kurs wieder über zehn Euro. Auf Einjahres-Sicht legten die Aktien gut 44 Prozent zu. Zusätzlichen Auftrieb gab der erfolgreiche Saisonauftakt. Nach 12 Spieltagen führt das Team von Lucien Favre in der Bundesliga mit vier Punkten vor Borussia Mönchengladbach die Bundesliga-Tabelle an. Der Vorsprung auf den Dauer-Meister FC Bayern beträgt inzwischen neun Punkte. Damit hat der BVB gute Chancen, erstmals seit 2011/12 wieder die begehrte Meisterschale zu holen. Auch in der europäischen Champions League steht Dortmund kurz vor dem Erreichen des Achtelfinales.

So viel Grund zum Jubeln hatten die BVB-Aktionäre die Jahre zuvor nicht. Nach dem Börsengang im Jahr 2000 rutschten die Papiere schnell unter den Ausgabekurs von elf Euro. Zeitweise fielen sie sogar unter einen Euro, als der Verein finanziell am Abgrund stand. Erst die Sanierung des Klubs durch Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und das sportliche Comeback mit Coach Jürgen Klopp brachte die Aktien des einzigen börsennotierten deutschen Fußball-Klubs wieder voran.

Fußball-Aktien sind ein bisschen wie Sportwetten

Die Berg- und Talfahrt der BVB-Aktie zeigt, wie volatil die Kursentwicklung von Fußball-Vereinen an der Börse ist. Der Zufall spiele bei Fußball-Aktien eine größere Rolle als bei Papieren anderer Unternehmen, warnt Aktionärsschützer Thomas Hechtfischer von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. "Da kann es schon einmal sein, dass ein entscheidendes Spiel vergeigt wird, der Verein dadurch die Qualifikation zur Champions League verpasst und dann Mindereinnahmen hat." Hechtfischer vergleicht die Kick-Aktien mit Sportwetten. "Auch hier gibt es einen Unsicherheitsfaktor."

Verletzt sich ein wichtiger Spieler oder droht ihm eine Zwangspause, kann es sehr schnell mit den Aktien abwärts gehen. Diese Erfahrungen musste gerade Juventus Turin machen. Nach den Vergewaltigungsvorwürfen gegen Ronaldo rauschten die Aktien nach unten.

"Eher ein Liebhaber-Objekt!"

Finanzexperten raten denn auch von Fußball-Aktien ab. "Wegen ihrer hohen Volatilität seien die Papiere für seriöse Anleger ungeeignet. Sie wären eher etwas für Fans der jeweiligen Vereine. Für Anleger seien solche Papiere eher ein Liebhaber-Objekt, meinte einst Thomas Fuggenthaler, Experte für Sportökonomie bei Ernst & Young (EY).

Selbst FC-Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge hält von börsennotierten Kick-Klubs nichts. "Kaufen Sie sich keine Fußball-Aktien", empfahl er vor einigen Jahren Wirtschaftsstudenten der Fachhochschule Pforzheim. "Und wenn Sie welche haben, dann ganz schnell weg damit!"

22 börsennotierte Vereine in Europa

In Europa gibt es inzwischen neben ManU und Juventus 20 Fußball-Klubs, die börsennotiert sind. Die meisten von ihnen notieren unter ihrem Ausgabekurs. Der Stoxx-Europe-Football-Index sackte von 150 Punkten im Jahr 2011 auf bis 72 Zähler ab. Zuletzt hat er sich wieder aufgerappelt und notiert aktuell bei über 100 Punkten. Auf Einjahres-Sicht trat der Index auf der Stelle.

Nicht die Kleinanleger, sondern eher die Spieler und Manager können mit Fußball Geld verdienen. Die Gehälter steigen seit Jahren, und die Transfers nehmen immer gigantischere Dimensionen an. Und auch ausländische Investoren sahnen ab. Das Milliardengeschäft mit "König Fußball" lockt inzwischen verstärkt chinesische Beteiligungsfirmen an.

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Fußball-Aktien im Auf und Ab Kaum ein Kick für das Depot

<strong>Borussia Dortmund</strong><br/>Seit dem Jahr 2000 ist Borussia Dortmund der einzige deutsche Fußball-Klub, der an der Börse notiert ist. Anfangs musste der BVB viel Lehrgeld bezahlen: die Aktien sackten von ihrem Ausgabekurs von elf Euro auf bis 82 Cents. Seit 2010 befinden sich die Titel auf Erholungskurs. Nach den Rekordumsatz-Zahlen und dem starken Auftakt der Saison 2017/18 schafften die Aktien einen Durchbruch: erstmals seit 17 Jahren stiegen sie wieder über zehn Euro. : Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Jahr

Borussia Dortmund
Seit dem Jahr 2000 ist Borussia Dortmund der einzige deutsche Fußball-Klub, der an der Börse notiert ist. Anfangs musste der BVB viel Lehrgeld bezahlen: die Aktien sackten von ihrem Ausgabekurs von elf Euro auf bis 82 Cents. Seit 2010 befinden sich die Titel auf Erholungskurs. Nach den Rekordumsatz-Zahlen und dem starken Auftakt der Saison 2017/18 schafften die Aktien einen Durchbruch: erstmals seit 17 Jahren stiegen sie wieder über zehn Euro.