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Alarmierende Studie von Bain Das Renditedilemma der deutschen Banken

Stand: 19.12.2018, 12:02 Uhr

Niedrigzinsen, Digitalisierung und Kostendruck setzen den deutschen Banken hart zu. Laut einer Studie von Bain verdient nur jedes zwölfte Geldinstitut seine Eigenkapital-Kosten. Besonders dramatisch ist die Bewertung an den Börsen. Bain rechnet mit weiteren Filialschließungen und Fusionen in der Branche.

"Deutschlands Banken stecken weiter in der Renditefalle", warnte Walter Sinn, Deutschland-Chef der Unternehmensberatung Bain, bei der Vorstellung der Studie. Wegen der anhaltenden Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank und des harten Wettbewerbs erwirtschafteten die Geldinstitute kaum noch Rendite - trotz massiver Einsparungen. Die Provisionserträge könnten den rückläufigen Zinsüberschuss nicht ausgleichen.

Die durchschnittliche Eigenkapitalrendite der Banken nach Steuern lag gerade mal bei rund zwei Prozent. Nimmt man die deutschen Filialen von Auslandsbanken noch hinzu, betrug die Rendite 2,6 Prozent.

Rendite-Unterschiede zwischen Direktbanken und Großbanken

Dabei gab es aber große Unterschiede zwischen den einzelnen Bankengruppen. Während die Direktbanken und die Autobanken mit 7,8 und 8,8 Prozent Renditekönige waren, kamen die Großbanken wie Deutsche Bank und Commerzbank gerade mal im Schnitt auf 2,5 Prozent. Die Genossenschaftsbanken brachten es auf eine Rendite von 2,8 Prozent, die Sparkassen 1,7 Prozent. Rechnet man die Rückstellungen heraus, schnitten die Genossen mit einer Eigenkapitalrendite von 7,0 Prozent und die Sparkassen mit 6,5 Prozent deutlich besser ab.  

Besonders alarmierend sei die Lage an den Börsen, meinen die Unternehmensberater von Bain. Das Verhältnis der Kurse zu den Buchwerten sei "eine Katastrophe", sagte Bain-Manager Sinn, Co-Autor der Studie. Die Quote liegt aktuell bei 0,3. Die börsennotierten deutschen Banken sind also weniger als ein Drittel ihres Eigenkapitals wert.

"Gelegenheit zum Einstieg bei Bankaktien!"

Diese dramatische Unterbewertung biete aber auch eine gute Gelegenheit zum Einstieg. "Wer Aktien deutscher Banken kauft, kann eigentlich kaum noch etwas falsch machen", sagte Sinn. "Der Boden ist praktisch erreicht." Das hätten ausländische Investoren wie Cerberus erkannt und seien bei der Commerzbank und Deutschen Bank eingestiegen. Die Aktien der Deutschen Bank sind auf ein Rekordtief gefallen.

Die schlechte Lage in der Bankenbranche werde sich auch 2019 kaum verbessern. "Die Rahmenbedingungen werden sicher nicht leichter", meinte Sinn. Der Kostendruck dürfte nicht abnehmen. Die Unternehmensberater von Bain rechnen mit weiteren Schließungen von Bank-Filialen und mehr Übernahmen und Fusionen. 2017 sank die Zahl der Filialen um sieben Prozent auf 26.000. Dieser Trend werde anhalten, prophezeit Sinn.

Konsolidierung der Branche wird voranschreiten

Bain glaubt, dass es zu weiteren Zusammenschlüssen unter den Geldhäusern kommen wird – im Kontext eines zusammen wachsenden europäischen Markts. Im Schnitt könnten die Institute bei einem Zusammenschluss etwa 29 Prozent der Kosten des kleineren Fusionspartners einsparen. Auch bei den Landesbanken hält Sinn eine Konsolidierung für sinnvoll.

Zuletzt hatte es mehrfach Spekulationen über eine Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank gegeben. Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing hatte betont, dass es in Europa zu viele Banken gebe. Einen Zusammenschluss mit der Commerzbank lehnte er aber ab, solange die Deutsche Bank noch nicht ihre Hausaufgaben gemacht habe.

Auch die Digitalisierung und die Internet-Konkurrenz könnte die deutsche Bankenlandschaft umkrempeln. Bain-Manager Sinn rät den Geldhäusern dazu, stärker auf Partnerschaften mit anderen Unternehmen und zusätzliche Service-Leistungen zu setzen. Wenn sie sich als geeignete Plattform für weitere Angebote etablierten, könnten sie "den Amazons und Googles dieser Welt" Kunden wegschnappen.

nb

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Gebühren, Kosten - alle wollen Geld

Pro: Kostensenkungen
Analysten beziffern derzeit die möglichen Einsparungen eines Zusammenschlusses auf etwa 2,1 Milliarden Euro jährlich. Laut Berechnungen des Analysehauses RBC stehen dem allerdings Kosten von rund 700 Millionen Euro pro Jahr gegenüber. Die reinen Synergien lägen damit bei 1,4 Milliarden Euro – potenziell.