Mobile Payment in Asien

Mobiles Bezahlen Das Billionen-Geschäft

Stand: 25.05.2018, 16:12 Uhr

Bargeld ist out, zahlen per Chip, auf der Kreditkarte, dem Smartphone oder der Smartwatch ist im Kommen, vor allem außerhalb Deutschlands. Am Geschäft mit den drahtlos transferierten Yuan, Dollar oder Euros verdienen viele Unternehmen aus vielen Branchen kräftig mit.

Der Paypal-Deal Mitte Mai zeigt, wie viel spannende Technologe im Bereich mobiles Bezahlen den großen Konzernen wert ist. 2,2 Milliarden Dollar legte die ehemalige Ebay-Tochter auf den Tisch, um das schwedische Start-up iZettle zu übernehmen. Das Unternehmen ermöglicht über ein Lesegerät auch kleineren Händlern und Geschäften mobile Zahlungen, etwa per Smartphone, abzuwickeln. Die Übernahme bewertet iZettle mit dem 13-fachen des geplanten Jahresumsatzes, ein stolzer Preis.

Apps regeln den Einkauf

Im Markt für "Mobile Payment" ist Bewegung. Bezahldienstleister, Soft- und Hardware-Anbieter, Banken und große Internet-Konzerne bringen sich in Stellung oder haben den Markt bereits unter sich aufgeteilt. Unter Mobile Payment wird im engeren Sinne das Bezahlen über eine App mit einem "Wallet", also einer elektronischen Geldbörse verstanden. In der Regel wird dazu ein Smartphone oder Tablet-PC oder auch eine entsprechend eingerichtete Smartwatch benötigt. Aber auch per Kredit- oder EC-Karte ist ein drahtloses Bezahlen inzwischen in vielen Geschäften möglich. Die Karte muss sich dafür nur in der Nähe eines Bezahlterminals befinden.

Technologisch sind aber auch Verfahren möglich und in der Erprobung, die nicht einmal mehr den direkten Bezahl-Einsatz mobiler Geräte erfordern. So arbeitet Amazon bereits an einem Verfahren, bei dem Kunden sich beim Betreten eines Geschäft mit einer Bezahl-App anmelden. Diese erfasst die Waren, die der Kunde in seinen Einkaufswagen legt - und bucht die entsprechenden Beträge beim Verlassen des Geschäfts automatisch ab - Bezahlen im herkömmlichen Sinn findet gar nicht mehr statt.

Beim derzeit noch gängigen mobilen Bezahlen via App kommt die NFC-Technik (near field communication) zum Einsatz. Entsprechende Chips können Daten auf kurzer Strecken mittels elektromagnetischer Induktion übertragen. Neben Geldkarten sind seit einigen Jahren auch Smartphones oder Smartwatches NFC-fähig.

China: Mobile Payment Wonderland

Ein regelrechter Boom des mobilen drahtlosen Bezahlens via App herrscht bereits seit längerem in China. Der Anteil der Barzahlungen bei Einkäufen liegt hier nur noch bei rund 30 Prozent. Bezahlt wird massenhaft per App. Dabei haben sich die Anbieter Alipay und WeChat, Tochterfirmen von Alibaba beziehungsweise Tencent, den Markt in etwa zu gleichen Teilen aufgeteilt. Bezahlt wird direkt aus der App heraus, Kreditkarten kommen im Reich der Mitte geradezu aus der Mode.

Anzahl der weltweiten Mobile-Payment Nutzer

Anzahl der weltweiten Mobile-Payment Nutzer. | Bildquelle: Gartner, TechCrunch,Grafik: boerse.ARD.de

Das Volumen der mobil bezahlten Einkäufe in China hat gigantische Ausmaße angenommen. Laut Marktforschern wird dort im laufenden Jahr die Marke von elf Billionen Dollar erreicht, das ist ein Vielfaches des Volumens etwa in den USA (s. unsere Grafik) oder in Europa.

Mobile Payment China vs. USA

Mobile Payment China vs. USA. | Bildquelle: Forrester Research, Grafik: boerse.ARD.de

Während die Wachstumsraten in Asien und Nordamerika beim mobilen Bezahlen üppig sind, kann Deutschland weltweit als Nachzügler in der Entwicklung gelten. Das liegt einerseits an der sicherheitsbetonten Einstellung vieler Konsumenten, andererseits am zersplitterten Markt. Vielen Bundesbürgern reicht nach wie vor das Bezahlen per Karte oder gar in bar. So bieten Supermärkte wie Edeka oder Netto eigene Apps zum Bezahlen an, dazu gibt es "unabhängige" Anwendungen wie die Prepaid-App von Wirecard "Boon". Und Payback bietet eine eigene App an, mit der man allerdings ebenfalls nur bei ausgewählten Geschäften bezahlen kann.

Warten auf die Tech-Giganten

Experten gehen davon aus, dass auch hierzulande erst mit dem Einstieg eines oder mehrerer großer "Player" das mobile Bezahlen richtig abhebt. Dazu gehören etwa Apple mit seinem Apple Pay, Amazon oder Facebook, die mobile Bezahlfunktionen in ihre Apps integrieren.

Als Anleger sind alle genannten Konzerne dazu aber auch viele kleinere Anbieter rund um das Thema Mobile Payment interessant. Der Markt dürfte in den kommenden Jahren weiter rasant wachsen und mit ihm Gewinne und Aktienkurse der Firmen, die sich einen Teil am "mobilen Bezahlkuchen" sichern (s. unsere Chartserie: Die große Mobilmachung).

AB

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Die große Mobilmachung Chartserie

<strong>Alipay</strong><br/>China ist in Sachen mobiles Bezahlen das Schlaraffenland. Mehr als eine halbe Milliarde Menschen nutzt bereits das Bezahlen per App und Smartphone. Einer der beiden Marktführer ist die Alibaba-Tochter Alipay. Einloggen in die App, die nach dem Einkaufen einen Barcode generiert. Der wird kontaktlos an der Kasse eingescannt, der Kunde bezahlt. Alipay tritt derzeit einen Siegeszug weit über China hinaus an.: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum 1 Jahr

Alipay
China ist in Sachen mobiles Bezahlen das Schlaraffenland. Mehr als eine halbe Milliarde Menschen nutzt bereits das Bezahlen per App und Smartphone. Einer der beiden Marktführer ist die Alibaba-Tochter Alipay. Einloggen in die App, die nach dem Einkaufen einen Barcode generiert. Der wird kontaktlos an der Kasse eingescannt, der Kunde bezahlt. Alipay tritt derzeit einen Siegeszug weit über China hinaus an.